Der neue Naish Philip Köster: „Radikal, risikobereit, oft am Limit“

„Radikal, risikobereit, oft am Limit“

Philip Köster - der neue Naish

022.07.09|Mehr SportFacebook
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Gran Canaria - Der Nachfolger des legendären Surfers Robby Naish könnte gefunden sein - und Philip Köster heißen. Was der 15-Jährige drauf hat und wie hoch er hinaus will...

© John Carter

Philip Köster will in zwei bis drei Jahren seinen ersten WM-Titel gewinnen.

No-handed-one-footed backloop – so könnte das komplizierte Kunstwerk heißen. Oder kürzer: „Köster backloop“.

Philip Köster macht beim Windsurfen Tricks, die so verrückt sind, dass es dafür noch gar keinen Namen gibt. Zum Beispiel versucht er einen Rückwärtssalto, bei dem er das Windsegel mit den Händen loslässt – und mit einem Fuß auch noch aus der Schlaufe seines Boards steigt. Momentan scheitert es nur noch an der Landung… „Ich gucke sehr viel Surffilme, daraus hole ich mir Ideen, was ich lernen möchte“, erklärt er.

Völlig irre – dieser 15-Jährige! Oder doch nicht? „Ich bin wohl an Land eher ein ruhiger Typ. Kein Draufgänger“, beteuert Philip, während ihm der Wind die dunkelblonden Haare mit den hellen Spitzen auf die braun gebrannte Stirn klebt. „Auf dem Wasser bin ich ganz anders: radikal, risikobereit und oft am Limit. Ich liebe es, neue Moves auszuprobieren und hoch zu springen.“

Bilder von Philip Köster

Hoch – damit meint er keine paar Meter fünfzig. Das wären für ihn nur Flohhüpfer. Köster hält den Rekord für den höchsten Sprung, der jemals bei einem Wettbewerb gemessen wurde. Turmhohe 20 Meter! Etwa fünf Sekunden ist er dabei durch die Luft gesegelt – und vor allem: unfallfrei aufgekommen. Seit er 14 ist, sind Wind und Wellen mehr als nur ein Hobby. Philip ist der jüngste Windsurfprofi der Welt. Vergangene Woche kürte er sich beim Sieg in seiner Heimat Gran Canaria – Köster hat jedoch einen deutschen Pass – auch noch zum zweitjüngsten Weltcupsieger. Robby Naish, das große Idol dieser Sportart, war damals 13, als er zum ersten Mal triumphierte und sich später einen WM-Titel nach dem anderen holte, insgesamt 24.

Da mag Köster – der neue Naish – auch hin. Zwei bis drei Jahre gibt er sich bis zur ersten WM-Krone, obwohl er erst seit fünf Jahren „Wellen abreitet“. Dafür trainiert er täglich vier Stunden – wenn es der Wind hergibt.

Die lästigen Hausaufgaben macht der Neuntklässler, wenn Flaute ist. Das Meer stets im Blick, weil sein Elternhaus direkt am Strand steht. Der Van steht allzeit bereit, um vom Vater, der ein Surfcenter betreibt, an einen anderen Strand der Insel gefahren zu werden, wenn dort die Wellen höher schlagen. Sechs bis sieben soll die Windstärke betragen, das sind mehr als 50 Stundenkilometer. Nur solche Böen taugen für tollkühne Tricks, deren Taufe noch aussteht…

Tobias Kimmel

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