München - Mit seinem Vorwort zum Spiel gegen RW Ahlen hat Manfred Stoffers wieder eine rhetorische Meisterleistung vollbracht. Der 1860-Geschäftsführer schreibt über "Kotzbrocken-Vereine" und zeigt Rassismus die Rote Karte.

© sampics
Manfred Stoffers tobt sich in Vorworten zu Löwen-Spielen gerne mal aus
"Feindschaften pflegen wir sorgsam", sagt Stoffers und stellt klar: Gegen liebevoll und friedlich gepflegte Abneigungen gegen andere Vereine ist seiner Meinung nach nichts einzuwenden.
Der 1860-Geschäftsführer setzt den Feindseligkeiten aber eindeutige Grenzen und stellt klar, dass Rassismus im Fußball nichts zu suchen hat. Stoffers: "Leider gibt es aber auch bei uns eine kleine Minderheit von Fans, deren ideologische Heimat Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass sind. Sie missbrauchen unsere Spiele, um ihre rassistischen Ressentiments auszuleben und zu verbreiten. Das hat nichts mehr mit unseren genüsslich gepflegten 'Feindschaften' zu tun. Hier ist Schluss mit lustig. Diesen Leuten werden wir gemeinsam die Rote Karte zeigen."
Auch wenn sich Stoffers sich bei seinem Vorwort (unten und auf der Löwen-Homepage in voller Länge) über Schimpftiraden nicht auf den laufenden Stadionstreit mit dem FC Bayern bezieht: Seine Zeilen lassen eine Menge Interpretationsspielraum. Auch, was den kommenden Gegner angeht. Denn zum Abschluss seines Grußworts fügt Stoffers an: "Mögen Sie eigentlich Rot Weiss Ahlen. Also, wenn ich ganz ehrlich bin..."
Liebe Löwenfans,
Sicher sind Ihnen schlagartig mindestens zwei Kotzbrocken-Vereine eingefallen. Innerlich haben Sie sich schon die Hasskappe übergestülpt, ohne eigentlich genau zu wissen, warum? Mir geht es übrigens genauso.
Diese Feindschaften pflegen wir sorgsam, wenn nicht gar liebevoll. Wir sind dankbar für jedes Ereignis, das uns in der Abneigung gegen diese Vereine bestätigt. Und wenn wir dann im Spiel auf diese Gegner treffen, dann lassen wir sie lustvoll raus - die Häme, die Wut, vielleicht sogar den Hass. Sind die Schimpftiraden erst einmal rausgebrüllt und haben wir sogar noch gegen den Erzfeind gewonnen, fühlen wir uns richtig klasse. Gute Kinderstube hin, gediegene Bildung her: Es ist so. Ich steh‘ dazu.
Warum wir so reagieren, ist entwicklungsgeschichtlich eine olle Kamelle. Jeder Fremde, der sich unserer Höhle oder Hütte und später unserem Haus, unserer Burg oder unserer Ranch näherte, war zunächst mal ein lebensbedrohlicher Feind, den man sich am besten auf Distanz hielt. Reserviertheit oder Feindseligkeit gegenüber Fremden war also ein Überlebensprinzip. Das steckt immer noch tief verwurzelt in uns drin. Beim Fußball können wir diese Ur-Gefühle wunderbar rauslassen. Sobald wir das Stadion verlassen, spätestens wenn wir wieder zu Hause ankommen, sind wir auch in dieser Beziehung wieder in die Zivilisation zurückgekehrt. Die vorher lustvoll entfesselte Fremdenfeindlichkeit ist wieder an die Kette gelegt.
Leider gibt es aber auch bei uns eine kleine Minderheit von Fans, deren ideologische Heimat Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass sind. Sie missbrauchen unsere Spiele, um ihre rassistischen Ressentiments auszuleben und zu verbreiten. Das hat nichts mehr mit unseren genüsslich gepflegten „Feindschaften" zu tun. Hier ist Schluss mit lustig. Diesen Leuten werden wir gemeinsam die Rote Karte zeigen.
Zurück zum wichtigsten Ereignis des Tages. Mögen Sie eigentlich Rot Weiss Ahlen. Also, wenn ich ganz ehrlich bin...
Mit besten Grüßen
Manfred Stoffers
Geschäftsführer



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