102.09.10|Fußball|12 Kommentare
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München - Die Situation, in der Philipp Lahm gerade steckt, hat Spuren hinterlassen. Der sonst so fröhliche und freundliche Bayern-Verteidiger gibt sich derzeit alles andere als locker und unbeschwert.

© dpa
Trauriger, oder konzentrierter Blick? Philip Lahm.
Im Gegenteil: Lahm wirkt verkniffen, er lacht wenig. Die Laune des Nationalverteidigers hat mehrere Ursachen. Die Vordergründigste: Lahm hatte auf eine konsequente Rückendeckung des Bundestrainers in der Kapitänsfrage gehofft, wollte der alleinige Spielführer der Nationalmannschaft werden. Löw aber entschied sich anders. Lahm: „Ich muss diese Entscheidung akzeptieren und das werde ich auch. Das lernt man als Fußballer von klein auf. Da geht es nicht darum, ob ich enttäuscht bin oder nicht.“ Dass er enttäuscht ist – das war ihm jedoch anzumerken.
Zumal er die Begründung von Löw offenbar nicht hundertprozentig nachvollziehen kann. „Der Bundestrainer hat mich am Dienstag im Hotel zu einem Vier-Augen-Gespräch gebeten. Dann hat er mir die Entscheidung mitgeteilt und erklärt“, sagte Lahm zur tz. Wie diese Erklärung aussah, dazu wollte Lahm nichts sagen. So bleibt Lahm Kapitän in Wartestellung – solange bis Ballack zurückkehrt (wenn das überhaupt der Fall ist). Die K-Frage ist also geklärt, der persönliche Konflikt zwischen Ballack und Lahm aber schwelt weiter. Seit Lahms „Kapitäns“-Interview in der tz und Ballacks anschließender Abreise aus Südafrika sind sich die beiden aus dem Weg gegangen.
Zwar hatte Ballack bei seiner Vorstellung in Leverkusen gesagt, er werde Lahm auch noch persönlich sagen, was er von dessen Aussagen halte, einen Friedensgipfel gab es bislang aber nicht. „Es gab kein Treffen, und es wird auch kein Treffen geben. Ich wüsste nicht, was wir zu besprechen hätten“, sagte Lahm zur tz. Auch nicht, wenn Ballack am Wochenende im Teamhotel zu Besuch sein sollte? „Auch dann nicht!“
Und dann ist da ja auch noch das Belgien-Spiel, der zweite Grund weswegen Lahm so angespannt ist. Denn auch wenn der Name klein ist – der Respekt der Deutschen vor der Mannschaft von Trainer Georges Leekens ist riesengroß. „Wir müssen höllisch aufpassen! Das ist eine junge Mannschaft, die viel Qualität mitbringt“, warnt Lahm. Das denkt auch Co-Trainer Hansi Flick: „Wir waren bei der Analyse überrascht, wie kompakt und organisiert sie in der Defensive stehen. Außerdem haben sie junge, technisch starke Offensivspieler.“
Gemeint sind damit vor allem „Kult-Star“Marouane Fellaini (der mit der Dante-Frisur) und Jahrhundert-Talent Romelu Lukaku. Und: Die deutschen Nationalspieler sind zum Teil erst seit vier Wochen wieder im Training, haben die WM noch in den Knochen. „Wir müssen den inneren Schweinehund überwinden. Von den Leistungen bei der WM können wir uns nichts mehr kaufen“, warnt Flick. Auch für Philipp Lahm darf es keine Ausreden geben: „Wir haben die Vision, und für die EM zu qualifizieren. Deswegen müssen wir unbedingt gewinnen!“ Es wird also wieder ernst.
Jan Janssen
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