München - tz-Reporter Tobias Altschäffl hat Michael Kempter im ICE 693 getroffen und mit dem Schiedsrichter gesprochen. Indes hat Manfred Amerell nachgelegt und gesagt: "Ich habe noch Munition".

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Michael Kempter
Es war ein langer Tag. Um 20.32 Uhr steigt Michael Kempter in Mannheim in den ICE 693, es ist Samstagabend. Kempter kommt aus Frankfurt, dort ist der DFB-Sitz. Im Großraumabteil der ersten Klasse macht er es sich bequem, er gönnt sich ein Colaweizen. Und ich, der tz-Reporter, sitze dem Schiedsrichter gegenüber.
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Der Reihe nach: Kempter ist auf dem Weg in seine Heimat Sauldorf am Bodensee, ich fahre vom Spiel der Bayern in Köln nach München. Unsere Wege kreuzen sich im Zug, kurzes Zögern, aber, tatsächlich: Es ist Michael Kempter. Gestresst oder mitgenommen von den letzten Tagen, von dem schmutzigen Sexskandal, von den Aussagen Manfred Amerells (Kempter: „Er hat angekündigt, wenn er untergeht, nimmt er mich mit. Das macht er jetzt wahr“) wirkt der 27-Jährige nicht. Als ich mich bei dem Schiedsrichter, dessen Karriere wegen der brisanten Anti-Bayern-Mail („Hoffentlich fliegen sie gleich raus. Dann stoßen wir an“) ins Wanken geraten ist, vorstelle, reagiert er weder unhöflich noch gereizt. Freundlich begrüßt er mich, gibt mir die Hand. An die Bayern-Mail „kann ich mich nicht erinnern, sie soll ja aus dem Jahr 2007 sein“. Der Welt sagt er: „Ich habe Spiele von Bayern immer sehr gerne gepfiffen.“
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Das mit dem Pfeifen ist jetzt vorbei. Vorbei. Manfred Amerell wird gegen Kempter wegen Verleumdung und Rufschädigung auf Schadenersatz in unbestimmter Höhe klagen. Es sei ein „Riesenschaden“ entstanden, erklärte sein Anwalt Jürgen Langer, in dessen Kanzlei Unbekannte in der Nacht zum Freitag einbrechen wollten. „Michael Kempter hat schlicht die Unwahrheit gesagt. Er hat eine Lawine ins Rollen gebracht“, sagt Langer.
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Für Amerell ist Kempters Zug abgefahren, er aber macht den Eindruck, als sei er fest davon überzeugt, wieder als Schiedsrichter zurückzukehren. Seine Gesichtszüge sind entspannt, Kempter lacht viel, er bietet mir sofort einen Sitzplatz an. Und das, obwohl intimste Inhalte aus dem angeblichen Schriftwechsel mit Amerell am Wochenende so gut wie jede Zeitung Deutschlands schmückten. Doch das mit dem Zeitung lesen hat sich Kempter inzwischen sowieso abgewöhnt. Er ist mit zwei Kollegen unterwegs, für die Absetzung seines geplanten Comebacks an der Pfeife am Sonntag beim Spiel Union gegen Duisburg hat er Verständnis. Die Existenz der Anti-Bayern-Mail leugnet er nicht, will sie jedoch auch nicht explizit bestätigen.
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„Es ist etwas störend, dass wir hier bei uns in Deutschland immer alles auf die Goldwaage legen“, meint Felix Magath bei Sky zur der brisanten Mail, „wenn man im Fußball engagiert ist, hat man auch irgendwelche Meinungen. Und der FC Bayern: Er polarisiert halt, das will er ja auch.“
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Zwischendurch klingelt sein Handy, der Referee telefoniert mit einer Sarah. Es wird ausgemacht, dass sie für beide einen Weißwein am Abend kaltstellt. Kempter lacht, beendet das Telefonat.
Die Anrufe seien etwas mehr geworden in letzter Zeit, scherzt er. Kurz vor Stuttgart beenden wir das Gespräch. Über eine halbe Stunde ist vergangen, Kempter verabschiedet sich Richtung Bodensee. Er lächelt zum Abschied.
Tobias Altschäffl
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