129.12.08|Fußball|6 Kommentare
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Weltmeister als Spieler 1990 in Italien, Vizeweltmeister als Teamchef 2002 in Fernsost. Aktuell Sportdirektor von Bayer Leverkusen. Und immer schon Liebling der Fans: Rudi Völler ist aus dem deutschen Fußball nicht wegzudenken.

© dpa
Rudi Völler passt der Rummel um Hoffenheim nicht.
Der Mensch Rudi – im großen tz-Interview spricht Völler nicht nur über Bayer, Bayern oder Hoffenheim, sondern zeigt uns auch einmal seine private Seite – Stichwort: Comic-Leidenschaft.
Herr Völler, wie geht es Ihrer Spiderman-Sammlung?
Völler: (lacht) Die liegt in einem Karton im Keller meiner Eltern in Hanau.
Wie kamen Sie dazu, in Ihrer Kindheit ausgerechnet Spiderman-Comics zu sammeln?
Völler: Das war in den 60er-Jahren einfach in. Und übrigens: Das hieß bei uns nicht Spiderman, das hieß „Die Spinne“. Aber glauben Sie mir: Ich habe mir nicht immer ein Heft leisten können, das war nämlich verdammt teuer. Aber dann habe ich sie doch noch alle bekommen. Mit 23, ich spielte bei Werder Bremen, bin ich nach Frankfurt zum Verleger gefahren und habe alle Spiderman-Hefte gekauft, die da waren. Für 120 Mark. Das war für mich damals eine Bestätigung, etwas erreicht zu haben in meinem Leben.
Sagen Sie den Spielern heute auch manchmal, was für ein Glück sie haben, berufsmäßig Fußball spielen zu dürfen und viel Geld verdienen zu können?
Völler: Ja. Es tut den jungen Spielern auch mal gut, wenn man ihnen die Wahrheit sagt. Aber das trifft nicht nur auf die Spieler zu.
Sondern auch auf die Klubverantwortlichen?
Völler: Ja. Vielleicht nehmen wir uns alle zu wichtig. Außer unseren Ehefrauen sagt uns eigentlich niemand mehr die Meinung. Und wenn wir einmal kritisiert werden, reagieren wir oft wie Mimosen. Wir sollten uns alle einmal selbst überprüfen.
Können Sie uns erklären, was richtiger Erfolg im Fußball ist?
Völler: Das, was ein Otto Rehhagel geschafft hat. Mit Bremen die Meisterschaft, den DFB-Pokal und den Europacup gewonnen, mit Kaiserslautern als Aufsteiger Meister geworden. Und dann mit Griechenland auch noch Europameister. Davor ziehe ich den Hut, das sind für mich Erfolge.
Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass der FC Bayern am Ende der Saison fast immer vorne landet?
Völler: Die Bayern haben in den vergangenen zehn Jahren top gewirtschaftet, können dadurch 100 Millionen Euro in die Mannschaft investieren. Sie sind in Deutschland der absolute Ausreißer. Und sie kaufen für ihr Geld Top-Qualität.
Hoffenheim hat einen kleineren Etat, dafür eine erfolgreiche Philosophie…
Völler: Das Wort Philosophie wird mir in der heutigen Zeit zu sehr strapaziert. Fakt ist: Die Finanzen entscheiden darüber, ob du richtig große Ziele erreichen kannst. Natürlich ist auch vernünftige und geschickte Transferpolitik wichtig. Aber schauen Sie sich in der Champions League um. Da sind seit Jahren im Achtelfinale fast immer vier englische Klubs, drei Italiener, zwei spanische Vereine und der FC Bayern vertreten. Klubs, die wesentlich mehr investieren als zum Beispiel Bayer Leverkusen.
Bleiben die Hoffenheimer weiter an der Bundesliga-Spitze?
Völler: Sie haben hervorragend gearbeitet. Aber der Hype, der rund um Hoffenheim gemacht wird – bei allem Respekt –, ist mir momentan einen Tick zu viel. Sie leben jetzt noch von diesem Dorfverein-Klischee. Das wird nicht ewig so bleiben. In der Rückrunde wird es für sie sicher schwerer werden.
Es heißt, der deutsche Klub-Fußball sei veraltet, nicht mehr auf der Höhe der „One-Touch-Vertikalpass-Zeit“. Stimmen Sie diesen Thesen zu?
Völler: Nein. Mich ärgern vor allem die Vergleiche mit den sogenannten Top-Ligen England, Italien oder Spanien.
Warum?
Völler: Ich lache mich kaputt, wenn ich immer wieder hören muss: Die spielen schneller, attraktiver, moderner. Das stimmt so doch überhaupt nicht – das sind doch nur die ersten vier in England. Mir kann keiner erzählen, dass Aston Villa besseren Fußball spielt als der HSV. Obwohl sie wesentlich mehr Geld investieren.
Aber die Statistik ist erschütternd: Außer dem FC Bayern ist dauerhaft kein anderer deutscher Klub in der Champions League konkurrenzfähig.
Völler: Das ist doch klar. Bayern ist der einzige deutsche Klub, der finanziell mit Manchester, Arsenal London, Chelsea, Liverpool, Real Madrid, Barcelona, Inter und AC Mailand mithalten kann. Leverkusen oder Bremen haben da keine Chance. Diese Vereine orientieren sich an Klubs wie Tottenham. Und da kann mir keiner sagen, dass wir da schlechter sind. Ich sage sogar: Wir sind ein Stück besser und spielen schneller.
Themawechsel: Lukas Podolski soll bald wieder in Köln spielen…
Völler: Eines ist klar: Der Junge muss spielen, sonst geht er kaputt.
Könnte das Wechseltheater auch Poldis Platz im Nationalteam bedrohen?
Völler: Da mische ich mich nicht ein. Klar aber ist: Wir hatten seit zwanzig Jahren in Deutschland nicht mehr so viele gute Stürmer. Gomez, Klose, Kießling, Kuranyi. Und nicht zu vergessen Patrick Helmes. Für Podolski wird es nicht einfacher.
Interview: Thomas Gassmann, Lars Werner
Quelle: tz
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