München - Das Pfeifpotenzial war durchaus vorhanden bei der 1860-Delegiertenversammlung am Samstag in Unterschleißheim. Doch es war schlichtweg keiner zum Auspfeifen da. Zwei Verantwortliche fehlten.

© sampics
Präsident Rainer Beeck zeigt den Jubiläumsschal
erade mal zwei Wortmeldungen hatte es zuvor gegeben. Die eine zum Thema Sportausschuss (Antwort Beeck: „Kommt nächstes Jahr“). Die andere zum Design des „150-Jahre-Jubiläumsfanschals“ (Antwort Geschäftsführer Stoffers: „Die Geschmäcker sind verschieden“). Stadionzukunft? Sportliche Situation? Niente.
Was blieb, war der harmonische, leicht ins Resignative tendierende Gesamteindruck. Und ein Brief von OB Udean „Herrn Rainer Beek“ (sic!), der am Samstag als Kopie an die Delegierten ausgehändigt wurde.
„Wir wollen diese Chance nutzen“, sagte Beeck und erntete den Beifall der 197 Delegierten. Ein eigenes Stadion sei für 1860 die beste und wahrscheinlich einzige Möglichkeit, langfristig sportlich relevant und als Unternehmen überlebensfähig zu bleiben. „Wir wollen eine reelle Perspektive für den Verein.“ Der Präsident vergaß aber auch nicht, auf die „sehr restriktive Haltung“ der Stadt München als Eigentümerin des Stadions hinzuweisen. So schreibt Ude in seinem Brief: „Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich die Erfolgsaussichten für eine positive Klärung der drei genannten Fragen für äußerst gering halte.“
Noch lebt die Hoffnung. Auch in TV-Manager Otto Steiner. Der neue Aufsichtsrat, am Samstag wegen eines geschäftlichen Termins in Kiew verhindert, sagte der tz: „Ich finde es gut, dass die Stadiondiskussion versachlicht wurde. Wo ein Wille ist, muss ein Weg zumindest gesucht werden, egal wie gering die Chancen sind. Ob’s gelingt, wird sich zeigen.“ Falls nicht, sieht Steiner dunkelgrau: „Dann ist unsere einzige Perspektive, schnell den Weg in die Erste Liga zu finden, ansonsten wird die Arena den Verein erdrücken.“ Außer, der FC Bayern (oder das Landgericht) mindert die Kosten…
Womit wir beim Ende der samstäglichen Delegiertenversammlung wären. Da stellten sich mit IT-Unternehmer Klaus Hagl aus der 1860-Golfabteilung und Jurist Klaus Leipold die zwei anwesenden neuen Aufsichtsräte vor (auch Staatsminister Siegfried Schneider war verhindert). Leipolds launiger Schlusssatz: „Ich bin als Wirtschafts-Strafverteidiger im präventiven Bereich tätig. Vielleicht kann ich mein berufliches Know-how bei 1860 einbringen…“
Ludwig Krammer



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