Eine halbe Stunde lang gab sich Uli Hoeneß am Montagabend als Gast bei „Blickpunkt Sport“ jovial und freundlich.

Er plauderte über seinen wiedererstarkten FC Bayern und er bemühte sich, seine Zwei-Euro-Idee, mit der er der Bundesliga 900 Millionen beschaffen will, dem Publikum schonend näher zu bringen. So weit, so gut.
Am Ende der Sendung lief dann aber noch ein kurzer Beitrag über den Lokalrivalen von der Grünwalder Straße. In dem nannte 1860-Geschäftsführer Manfred Stoffers das Stadion, das seinem Klub und den Bayern als Spielstätte dient, „Arena“. Das Filmchen war zu Ende und auf einmal sah man einen schmallippigen Hoeneß dasitzen. Und er sagte, und das gar nicht mehr so freundlich: „Vielleicht sollte Herr Stoffers bei der Gelegenheit wissen, dass das Stadion Allianz Arena heißt. So fängt’s schon an.“
Stoffers hatte tatsächlich das Zauberwort vergessen: „A-l-l-i-a-n-z.“ Die „Allianz Arena“ heißt es. Nach dreieinhalbwöchiger Tätigkeit beim TSV 1860 sollte er das nun wirklich wissen.
Stoffers tat am Dienstag auch so, als streue er Asche auf sein Haupt und bedankte sich bei Hoeneß: „Schon erstaunlich, dass sich der Vermieter so zurückhaltend geäußert hat.“
Kurze Pause, weil Stoffers Handy läutet. Dann geht’s weiter… Ein Reporter fragt: „Wo sind wir stehen geblieben?“ Stoffers: „Bei der Belehrung von Hoeneß, dass ich neben Huk Coburg, Generali, der Beamtenversicherung und dem Heimstättenwerk auch noch eine andere Versicherung nennen soll…“ Aber ein Problem habe er damit ohnehin nicht, vor allem nicht, wenn sich, so Stoffers, herausstellen sollte, „dass sich die Nennung von Markennamen für den TSV 1860 als Vorteil erweist. Auch das lasse ich gerade prüfen“.
Dann zur Abwechslung ein kurzer Ausflug ins Sprachwissenschaftliche. „Sagen Sie mal“, fragt Stoffers in die Runde, „heißt der Hoeneß eigentlich Höneß oder Honeß?“ Verwirrte Blicke. „Na ja“, erklärt Stoffers, „vielleicht handelt es sich ja auch bei seinem Namen ums westfälische Dehnungs-E. Die Stadt Coesfeld spricht man ja auch Cosfeld aus.“ Langsam fragt man sich, ob man nicht freiwillig Eintrittsgeld für die dargebotene Show bezahlen sollte. Auch die Gedanken von Hoeneß drehten sich beim TV-Auftritt am Montag um die Finanzen. Um jene des TSV 1860.
Nachdem jetzt ein vorzeitiger Verkauf von Lars Bender im Raum steht, riet der Bayern-Manager dem blauen Nachbarn: „Es müsste doch möglich sein, dass die endlich mal ein paar Business-Seats mehr verkaufen.“ Stoffers’ Antwort: „Wir haben zwar schon 1270 Business-Seats verkauft, die meisten in der 2. Liga, aber die Anregung von Hoeneß, mehr zu verkaufen, trifft mich als Krämerseele natürlich am offenen Herzen.“ Und er werde dem Bayern-Manager demnächst in dieser Angelegenheit einen Brief schreiben. Stoffers: „Aber es gibt auch noch andere Fragen zwischen Vermieter und Mieter, die besprochen werden müssen. Das heißt nicht, dass ich im Büßergewand zum Betteln an die Säbener Straße gehe. Aber zumindest in einem bestimmten Punkt besteht Klärungsbedarf.“ Ende der Vorstellung. Stoffers schaut Pressesprecher Robert Hettich an und fragt: „Hab ich irgendwelchen Blödsinn gesagt?“ Hettich schüttelt den Kopf. Stoffers: „Na dann bin ich ja froh.“
Claudius Mayer



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