1111.05.09|TSV 1860|97 Kommentare
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Benny Lauth, Timo Gebhart, José Holebas – so hießen die Torschützen an diesem 30. November 2008. 3:0 führten die Löwen in der Arena gegen den SV-Wehen-Wiesbaden, in der Blitztabelle rückten die Aufstiegsplätze in Sichtweite, und dann kamen diese 17 Minuten, die Lauth noch heute den Kopf schütteln lassen.

© Sampics
"Wir waren schon tot", sagt Löwen-Trainer Uwe Wolf.
Eigentor Benny Schwarz (73.), Orahovac (81.), Siegert (90.). Und Schluss. 3:3 nach 3:0 – „Das Unentschieden“, sprach Trainer Marco Kurz mit leerem Blick, „fühlt sich an wie eine hohe Niederlage.“ Es war dieser kalte Sonntagnachmittag, an dem jedem nicht ganz blinden Löwenfreund dämmerte, dass die Saison keine gute mehr werden würde für 1860. Die Löwen war eingebogen auf den „Highway to Hell“. Vollgas Richtung Untergang. Und sie fahren noch immer.
Fürth, Koblenz, Oberhausen, Augsburg, dazwischen immer wieder Fröttmaning – konsequent wurden alle Ausfahrten ignoriert. Und nun kommt Wehen, die vielleicht letzte Ausfahrt vor dem Fegefeuer der Relegation. „Wir sind mitten im Abstiegskampf, wir wollen das Ding am Dienstag entscheiden, um Druck wegzunehmen“, sagt Benny Lauth. „Ich habe bei keinem Spieler den Eindruck, dass er nicht weiß, worum es geht.“
Am Freitag gegen Rostock drängte sich phasenweise ein anderer Eindruck auf. Wie sich 1860 nach dem 2:2 vorführen ließ, grenzte an Kapitulation. Sascha Röslers Last-Minute-Freistoßhammer war kaum mehr als das Feigenblatt auf eine erbärmliche Leistung. Uwe Wolf sieht das freilich anders. Röslers „Weltklassetor“ sei ein Zeichen der intakten Moral. „Wir waren schon tot, aber haben bis zum Schluss an uns geglaubt“, sagt der Trainer. „Die Mannschaft ist zusammengeschweißt, der Teamgeist lebt. Jetzt fahren wir nach Wehen, um zu gewinnen und den Deckel draufzumachen.“
Eine lösbare Aufgabe gegen die bereits abgestiegenen Hessen, aber beileibe keine leichte. „Wehen kann ohne Druck aufspielen“, warnt Wolf, „jeder Spieler wird sich zeigen wollen – vielleicht für andere Vereine.“ Des Trainers Gegenrezept: „Wir müssen von der ersten Minute an aggressiv drangehen, ihnen die Lust am Fußball nehmen, dann sind wir erfolgreich.“ Schütze Rösler, der von Beginn an spielen wird, kann da nur beipflichten: „Wenn wir uns dumm anstellen, können wir so einen Gegner auch stark machen. Das wäre dann extrem dämlich.“
Aber für derlei Tollereien sind die Löwen ja bundesweit bekannt. Ob Wolf auch deshalb vor der Abfahrt die Gewissensfrage stellte? „Ich habe den Spielern gesagt: Es brauchen nur die in den Bus einzusteigen, die davon überzeugt sind, dass wir in Wehen gewinnen.“ Außer den maladen Bender-Brüdern und Torwart Michael Hofmann (Rücken) sind alle mitgefahren.
Ludwig Krammer
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