102.03.10|TSV 1860|127 Kommentare
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München - Franz Beckenbauer macht sich Sorgen um seine erste große Liebe und erklärt der tz, was seiner Meinung nach beim TSV 1860 alles schief läuft.

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Franz Beckenbauer sorgt sich um die Löwen.
Es ist zwar schon über 50 Jahre her, aber Franz Beckenbauer war mal Löwen-Fan. Eigentlich logisch für ihn als Giasinga Buam, der nur zwei Trambahn-Haltestellen entfernt vom Sechzger-Stadion aufgewachsen ist. Alles andere ist hinlänglich bekannt: Die berühmte Watschn, die sich der Franz als 13-Jähriger von einem Jugendspieler der Sechziger einfing, weswegen er dann nicht wie beabsichtigt zu den Blauen, sondern zu den Roten wechselte…
Aber ein Rest von Sympathie für die Löwen ist bei Franz Beckenbauer immer noch vorhanden – im Gegensatz zu seinem Präsidenten-Nachfolger Uli Hoeneß und dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge. Und so macht sich der „Kaiser“ durchaus Sorgen um seine erste große Liebe, wie im Gespräch mit der tz deutlich festzustellen ist. „Es ist schade, was bei 1860 passiert“, sagt der Kaiser, „dabei wäre das Potenzial doch nach wie vor da.“ Aber Franz sieht ein langsames Abrücken der blauen Fans von ihrer Mannschaft. „Das Vertrauen bei den Leuten in die Löwen wird immer weniger“, sagt Backenbauer. „Man muss sich doch nur einmal die Zuschauerzahl beim letzten Spiel anschauen, um die 16 000 – das ist ja erschreckend.“
Hat er eine Lösung parat? Beckenbauer: „Es müsste jemand den Mut haben, zu investieren und den Verein zu übernehmen. Die Löwen warten ja immer auf einen Investor, der Geld gibt und dann möglichst wieder in der Karibik verschwindet. So geht’s natürlich nicht! Es muss einer kommen mit Herzblut für die Löwen, mit ernsthaftem Bemühen.“ Das mit der Karibik war offensichtlich auf den Beinahe-Investor Nicolai Schwarzer gemünzt. Der Berliner sollte voriges Jahr mit einigen Millionen einsteigen, sprang dann aber wieder ab. Trotzdem kann Löwen-Geschäftsführer Manfred Stoffers Beckenbauer nicht ganz folgen: „Seit wann liegt Kreuzberg denn in der Karibik…?“
Beckenbauer rät den Löwen außerdem zu „professionellen Strukturen. Da fehlt es schon ewig, und das ist extrem schwierig. Mit Wildmoser ist es doch hervorragend gelaufen. So einen brauchen sie, aber der starke Mann müsste auch gleichzeitig den Verein übernehmen und finanzieren können. Es reicht ja, wenn sie einen haben, der in Vorleistung geht und ihnen Geld vorstreckt. Wenn der Verein dann aufsteigt, kommt doch alles von selbst. 1860 braucht die Erste Liga, dann kommen Zuschauer, Sponsoren und Geld.“ Und deshalb warnt Franz die Löwen auch davor, die Allianz Arena zu verlassen: „Das alles geht nur dort, wo denn sonst? Jeder, der noch vom Sechzger Stadion spricht, ist ein Träumer. 1860 kann nur in der Arena etwas bewegen.“
Stoffers hat die Sätze aufmerksam vernommen. Sein Vorschlag für die perfekte Besetzung des Investoren-Postens: „Da fällt mir nur einer ein: Franz Beckenbauer. Er hat Geld, Erfahrung, ist eine Führungspersönlichkeit, kann in Vorleistung gehen und wird nicht in die Karibik reisen…“
Beckenbauer lacht: „Ja, das wäre die letzte Lebensaufgabe für mich…“
Claudius Mayer, Tobias Altschäffl
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