München - Die tz hat sich einen Tag nach dem Löwen-Beben in den Trümmern umgesehen und analysiert, wie es mit dem Präsidenten, dem Geschäftsführer, der sportlichen Führung und den Spielern weitergeht.

© sampics
Von links: Hasan Ismaik mit Hamada Iraki und Robert Schäfer
"Dieser Verein braucht uns nicht, um den Selbstzerfleischungsprozess zu Ende zu führen.“ Zwei Monate ist der Satz von Uli Hoeneß jetzt alt. Und wahrer denn je. Nach dem gescheiterten Versuch von Investor Hasan Ismaik, Präsident Dieter Schneider loszuwerden, und dem daraufhin verhängten Investitionsstopp liegt der Löwe am Boden. Ohne Aussicht auf schnelle Erholung? Der tz-Überblick am Tag nach dem großen Beben.
Der Präsident: Dieter Schneider hat das Vertrauen des e.V.- Aufsichtsrates jetzt schriftlich. Er habe „als Präsident weiter den klaren Auftrag durch den Aufsichtsrat, die Interessen des Vereins mit aller Kraft und nach bestem Wissen und Gewissen zu vertreten!“, hieß es in der entsprechenden Pressemitteilung. „Ich gehe nach wie vor davon aus, dass wir auf vernünftige Art und Weise zusammenkommen und ein Zukunftsmodell entwickeln können“, sagte Schneider am Freitag zur tz. Ob er das nach den Interview-Aussagen von Investoren-Berater Hamada Iraki noch genauso glaubt?
Der Investor:Hasan Ismaik hatte seinen für Freitag geplanten München- Besuch am Donnerstag kurzfristig abgesagt. Er fühlt sich von der Öffentlichkeit in ein falsches Licht gerückt und wird sich wohl bis auf weiteres nicht äußern. An eine Abschreibung seines Investments denkt er nicht – in der festen Auffassung, dass die Zeit für ihn spielt:
Der Geschäftsführer: Robert Schäfer sitzt zwischen allen Stühlen bei 1860. Öffentlich ist er als Investoren-Handlager gebrandmarkt, mit Dieter Schneider verbindet ihn eine herzliche Abneigung. Schäfer fiel es am Donnerstag zu, den vorläufigen Investitionsstopp zu verkünden. Seine Unterschrift fehlte allerdings unter dem Dokument, was zu mannigfaltigen Interpretationen führte. Am Freitag war Schäfer für die tz nicht zu erreichen. Er will sich künftig generell mit öffentlichen Aussagen zurückhalten.
Die Spieler: Kommt es zum Dominoeffekt? Publikumsliebling Stefan Aigner hat als erster Profi seinen Weggang verkündet. Der Holzkirchener ist zwar ein Löwe durch und durch. Aber halt auch ein Profi mit Ambitionen. „Ich habe mich entschieden, dass ich keinen neuen Vertrag bei Sechzig unterschreibe“, sagte Aigner zur tz, „die Entscheidung ist endgültig.“ Im Trainingslager habe er noch „ein super Gespräch“ mit Sportchef Hinterberger geführt, „aber dann kommst du heim nach München, und das Chaos bei 1860 geht von vorne los. So sehe ich hier keine Perspektive. Es tut mir leid für die Fans, die das Theater mitmachen müssen, aber deshalb habe ich mich so entschieden.“
Aigners Berater Michael Koppold stößt ins selbe Horn: „Ich konnte dem Stefan nicht guten Gewissens raten, dass er mit aller Macht bei 1860 bleiben soll. Das muss jeder verstehen.“ Der Umgang mit Präsident Schneider sei „ein Unding“, bei 1860 werde „das Wir-Gefühl mit Füßen getreten. Man muss ja nicht zusammen tanzen, aber wenigstens vernünftig arbeiten!“ Wohin Aigners Weg führt? Koppold: „Zu einem deutschen Klub mit einem sehr guten Namen.“ Der 1. FC Nürnberg soll angeblich interessiert sein. Ein Verkauf im Winter ist laut Sportchef Florian Hinterberger (siehe unten) ausgeschlossen.
Die sportliche Führung: Trainer Reiner Maurer und Florian Hinterberger sind die Leidtragenden der aktuellen Eskalation. Ihre geplanten Verstärkungen werden im Winter nicht kommen. Immerhin sollen ihre eigenen Verträge demnächst verlängert werden, wie die tz erfuhr. Hinterberger sagt: „Wir sind, was das Budget anbelangt, jetzt wieder auf dem Stand wie vor der Saison. Natürlich war der Donnerstag enttäuschend für uns alle, aber es hilft jetzt nichts. Da musst du dich einmal schütteln und weitermachen. Ich habe nach wie vor den Wunsch und das Ziel, mit 1860 in die Bundesliga aufzusteigen. Und ich habe die Information bekommen, dass wir im Winter immerhin keinen Spieler abgeben werden müssen.“
Die Fans: Als Löwen-Anhänger hat man’s generell nicht leicht, doch so extrem wie zurzeit war’s wohl noch nie. Ein Fan schickte der tz gestern folgendes Statement: „Irgendwann hocken’s zu zehnt vor ihrem zwei Millionen Catering im schönsten Stadion der Welt und warten auf den FC Barcelona.“
lk



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