München - Die Löwen wollen mit einem Sieg im Freitagsspiel gegen Union Berlin den Druck auf die Konkurrenz weiter erhöhen. Zwei Sechzig-Legenden wissen wie es geht und erinnern sich.

© M.I.S.
Necat Aygün ebnete am letzten Spieltag mit seinem Treffer zum 2:1 gegen Düsseldorf den Weg zum Sieg.
Freitagspiele hat Reiner Maurer am liebsten. „Wenn du nämlich da erfolgreich bist, kannst du dann von Samstag bis Montag ganz entspannt verfolgen, wie sich die Konkurrenz anstellt“, sagt der Löwen-Coach. Wenn du erfolgreich bist. Klar, dass die Löwen-Fans deshalb morgen voller Spannung nach Berlin blicken. Kann der TSV 1860 dort im ersten Auswärtsspiel des Jahres bei Union seine Aufholjagd und Erfolgsserie (sechs Siege und ein Unentschieden aus den vergangenen sieben Spielen) fortsetzen und seine mit bisher vier Erfolgen makellose Rückrundenbilanz aufrechterhalten? Die schon verloren geglaubte Chance, der Konkurrenz ganz oben noch mal auf die Pelle zu rücken, ist plötzlich wieder vorhanden. Dank der Aufholjagd, die im November mit dem 1:0 in Ingolstadt ihren Anfang genommen hat. Satte elf Punkte betrug damals der Rückstand auf Platz drei, jetzt sind es nur noch sechs, bei einem Spiel weniger.
Vergleichbare Aufholjagden gab es zwei in den vergangenen Jahrzehnten beim TSV 1860. Jeweils in der Bayernliga, damals galt noch die Zwei-Punkte-Regel.
In der Saison 1983/84 lagen die Löwen nach 15 Spieltagen 13 Zähler hinter der SpVgg Fürth zurück, wurden trotzdem noch Meister und lagen am Ende sogar sechs Zähler vor den Fürthern.
In der Saison 1989/90 betrug der Rückstand auf Tabellenführer Schweinfurt nach der Hinrunde sieben Punkte, trotzdem holten die Sechziger noch derart auf, dass das letzte Saisonspiel zu Hause gegen Schweinfurt zu einem echten Finale wurde. Es endete 3:3, die Löwen, die einen Sieg benötigt hätten, scheiterten ganz knapp.
Was Beer damals noch auffiel: „Die Gegner bekamen immer mehr Respekt vor uns. Irgendwann haben sie uns fast angehimmelt. Gut, drunten in Niederbayern haben sie schon noch versucht, uns am Anfang die Knochen zu polieren, aber dann hatten wir auch die ruhig gestellt.“ Beer ist überzeugt davon, dass auch die Gegner der aktuellen Löwen mit immer mehr „Muffe“ auflaufen, „so eine Serie macht den anderen einfach Angst.“
Karsten Wettberg, Trainer der 90er-Löwen verlor damals überhaupt kein Spiel und war mit seiner impulsiven Art des Coachings genau der richtige Mann. „Ein positiver Effekt bei so einer Erfolgsserie ist auch jener, dass sich die Hierarchie innerhalb der Mannschaft optimal bildet“, sagt Wettberg, der ein Jahr später aufstieg. „Jeder ist gut drauf, weil sein Selbstbewusstsein ständig steigt, und man nimmt außerdem zufrieden zur Kenntnis, wenn die anderen Mannschaften schwächeln. Bei uns entstand eine Euphorie, die etlichen Spielern zu einer absoluten Leistungssteigerung verholfen hat. Das ist, glaube ich, bei der jetzigen Mannschaft ziemlich ähnlich.“
Einer von Wettbergs Spielern hieß damals Reiner Maurer. Dessen Treffer zum 3:3 gegen Schweinfurt fiel zu spät und half nicht mehr. Heute sagt er scherzhaft: „Der eigentlich Grund, warum wir 1990 nicht Meister geworden sind, liegt allerdings darin, dass ich Mitte der Saison wegen einer Leistenverletzung lange ausgefallen bin…“
Als Trainer habe Maurer, da sind sich Beer und Wettberg einig, derzeit eigentlich einen leichten Job. „In dieser Situation gibt es nämlich so gut wie keinen Druck“, sagt Wettberg. „Und die Mannschaft glaubt ohnehin irgendwann an Dinge, die sich an der Grenze zur Realität bewegen…“
tz



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