330.10.09|TSV 1860|117 Kommentare
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München - Die Löwen denken ernsthaft an einen Arena-Auszug und an ein umgebautes Stadion in Giesing. Uli Hoeneß, Manager des FC Bayern, findet die Idee „traumhaft“.

© Westermann
Gedanklich nie weg gewesen: Für einige Löwen-Fans ist und bleibt Giesing die „Heimat“.
Felix Magath, Trainer der in allen Belangen überlegenen Schalker (3:0), gab sich wirklich alle Mühe, den Löwen ihre Niederlage zu versüßen. „Man darf nicht vergessen, dass in der 2. Liga auch Profis spielen“, sagte Magath über den anfänglichen Widerstand der Gastgeber, „da wird auch professionell gearbeitet.“ Fakt ist aber: Die Löwen entfernen sich immer mehr vom großen Fußball: Raus aus dem DFB-Pokal, Aufstieg in dieser Saison kaum mehr zu erreichen, und auch finanziell schaut es erneut nicht rosig aus. Der Verein steht wieder mal vor einer ungewissen Zukunft.
Passend zur sportlichen Sinnkrise beschäftigt sich der Zweitligist mit Fragen nach seiner geografischen Zukunft. Ist die Allianz Arena noch die adäquate Spielstätte, wenn selbst ein attraktiver Gegner wie Schalke nur 28 500 Zuschauer anlockt? Hat man überhaupt die Chance, sportlich wieder auf die Beine zu kommen, wenn jährlich fünf Millionen Euro Miete auf das Konto der Bayern wandern? Welche alternativen Spielorte gibt es, auch vor dem Hintergrund, dass die Arena-Verträge „nur“ noch bis 2025 gültig sind? Die Projektgruppe Stadionzukunft, vor einem halben Jahr ins Leben gerufen, will dazu nächsten Dienstag öffentlich Auskunft geben.
Die wesentlichste Erkenntnis sickerte aber bereits vorab durch, die Marschroute lautet grob gesprochen: Zurück in die Zukunft, zurück nach Giesing. Nach Informationen des Münchner Merkurs denken die Löwen intensiv über einen Rückzug aus der Arena nach, ein Ausbau des Grünwalder Stadions für die erste Mannschaft wird ernsthaft in Erwägung gezogen. „Das ist das einzige sinnvolle Ziel“, sagt ein hochrangiger Angestellter. Ein anderer Funktionär sagt: „Die Chancen sind riesig, wenn man die Geschichte vernünftig anpackt.“
Vernünftig heißt: Mit maximaler Entschlossenheit aller Beteiligten. Mit dem Segen der Stadt, die Inhaberin ist und jeden Cent Zuschuss als überflüssig erachtet. Und vor allem: Mit einem potenten Investor im Rücken. 50 bis 100 Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt, aber dem Vernehmen nach laufen bereits Gespräche mit Konsortien aus Holland und den Emiraten. Bis in fünf Jahren, hofft man intern, könnte das runderneuerte 60er-Stadion bezugsfertig sein.
Entscheidend dafür, dass das Thema plötzlich so forciert wird, sind Auflagen des DFB, die die Stadt zeitnah zu erfüllen hat, wenn sie das Grünwalder Stadion als Spielstätte für die zweiten Mannschaften des FC Bayern und der Löwen erhalten will. Einer aus der Führungsriege der Sechziger beschreibt die Sache gegenüber dem Münchner Merkur relativ plakativ: „Wenn die Stadt jetzt einen Millionenbetrag in die Hand nehmen muss, um das Grünwalder zu sanieren, dann werden wir es mit hoher Wahrscheinlichkeit alle nicht mehr erleben, dass sie einen weiteren Ausbau in ein erstligataugliches Stadion bewilligt.“
Der Mann, der das sagt (und wie alle anderen ungenannt bleiben will), ist noch keine 60 Jahre alt. Und der Gedanke, der dahinter steckt, zeitlos logisch. Man will der Stadt entgegenkommen und die maximal mögliche Unterstützungssumme in ein eigenes Projekt umleiten. Eine Sache ist dem Giesing-Befürworter wichtig: Das Ganze habe nicht mit Nostalgie zu tun. „Die Stadionkommission hat es endlich geschafft, das Thema von der emotionalen auf die Sachebene zu führen.“
Bis in Giesing die Baumaschinen anrücken, sind allerdings etliche Hürden zu nehmen, baurechtliche, politische und auch taktische. Die spannendste Frage dürfte lauten: Wie bringt man’s den Bayern bei? Eine noch spannendere: Welchen Preis ruft der Vermieter für den vorzeitigen Ausstieg aus den Verträgen auf? Vor Jahren war mal eine Summe von 10 bis 15 Millionen Euro im Gespräch – gegenüber dem Münchner
Bedenkt man, dass die Löwen bei einem Verbleib in der Arena bis zur vereinbarten Frist noch insgesamt 80 Millionen Euro (16 Jahre à fünf Millionen) hinblättern müssten, wäre der Grundstein für eine Finanzierung gedanklich schon gelegt. Dazu kommt: 2025 müsste sich der Untermieter ohnehin eine neue Bleibe suchen.
Zunächst musste sich der Standort Giesing aber intern gegen andere Luftschlösser durchsetzen. Der abstruseste Plan sah vor: Bau eines neuen Stadions in Unterhaching in der Nähe des jetzigen Sportparks. Walter Rindfleisch, ein einflussreicher Strippenzieher im Hintergrund (Gemeiderat in Unterhaching, Sitz im Wahlausschuss der Löwen, Sitzplatzkunde beim FC Bayern), hat stark für diese Variante getrommelt, es wäre vom Grundsatz her ein ähnliches Modell wie das in Fröttmaning gewesen – nur mit 1860 als (Teil-)Eigentümer und Haching als Mieter. Die Gespräche waren schon weit gediehen, doch intern hat sich bei den Löwen (und vermutlich auch bei der SpVgg) massiver Widerstand geregt. Obgleich Unterhaching das preisgünstigere Modell wäre. Aber: Blaue und Rot-Blaue passen ideologisch nun mal so gut zusammen wie Gallier und Römer, CSU und Linke – oder Bayern und 1860.
Dann doch lieber Giesing. Architektonische Pläne liegen seit Jahren bei Ex-Profi Manni Schwabl in der Schublade (wesentlicher Punkt: Man muss den Neubau als Umbau deklarieren, Stichwort: Bestandschutz), fehlt nur noch die Machbarkeitsstudie. Diese würde allerdings bis zu 100 000 Euro kosten, und so komisch es klingt: Für die Löwen, die von einem eigenen Stadion träumen, ist schon das fast zu viel. Man will es daher mit einer preisgünstigeren Vorstufe einer solchen Studie versuchen.
Uli Kellner, Münchner Merkur
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