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Bundestrainer Joachim Löw an weiteren Gesprächen nicht interessiert

Streit mit DFB: Geht Löw in die Türkei?

Warschau – Das Vertrauensverhältnis bleibt schwer gestört, Joachim Löw sieht sich ab sofort nur noch als Leiter des WM-Projekts in Südafrika. Die Türkei zeigt bereits Interesse an ihm als Trainer.

© dpa

Die Fronten nach dem Streit um die Verträge sind verhärtet: Bierhoff, Zwanziger, Löw

Obwohl DFB-Präsident Theo Zwanziger den amtierenden Bundestrainer weiter zu seinem Kandidaten Nummer 1 auch für die Zeit nach dem WM-Turnier erklärte, will Löw von der Fortsetzung seiner Nationalmannschafts-Mission bei der anschließenden EM-Ausscheidung erst einmal nichts mehr wissen. Ob er bei der am 3. September beginnenden Qualifikation, in der Deutschland auf die Türkei, Österreich, Belgien, das von Bernd Storck betreute Team aus Kasachstan und Berti Vogts’ Aserbaidschaner trifft, noch auf der DFB-Bank sitzt, ließ Löw völlig offen: „Das wird man sehen. Ich mache mir darüber jetzt keine Gedanken“, sagte der 50-Jährige.

Der geplatzte Vertragspoker und Vorwürfe der DFB-Spitze haben bei Löw und Manager Oliver Bierhoff vier Monate vor WM-Beginn tiefe Spuren hinterlassen. „Was mich persönlich irritiert, ist, dass manche Dinge an die Öffentlichkeit gekommen sind, die intern am Tisch besprochen wurden. Ich fühlte mich wie vor den Kopf gestoßen“, sagte der Bundestrainer. Bierhoff wurde von DFB-Oberen wie Franz Beckenbauer einmal mehr als Buhmann dargestellt. „Viele Dinge werden durcheinandergeworfen“, wehrte sich der Manager. Löw sah sich sogar in die Ecke des habgierigen Anführers gedrängt, was ihn schwer verletzte. „Wer uns kennt, der weiß, dass wir keine Macht- oder Geldgier haben, es geht uns um andere Dinge wie die Entwicklung der Mannschaft“, betonte Löw.

Geht Löw vielleicht in die Türkei

Nach den jüngsten Zerwürfnissen ist es aber durchaus vorstellbar, dass er nach der WM das Gesicht eines anderen Teams bestimmt. Deutschlands EM-Gruppengegner Türkei sucht derzeit einen Chefcoach, Löw wurde bereits als Kandidat gehandelt. Eine Anfrage des türkischen Verbandes aber „gibt es nicht“, berichtete der DFB-Chefcoach in Warschau. Zwanziger hatte sich den Bundestrainer vor dem Abflug ins kalte Warschau zur Brust genommen, nachdem er ihn zuvor weiter zu seinem „ersten Ansprechpartner“ für die Zeit nach Südafrika erklärt hatte. Allerdings blockte Löw nach vielen „Irritationen und Interpretationen“ ab: „Das muss man mal sehen, ob wir dann noch gefragt werden und ob wir auch zu Gesprächen bereit sind.“ Zwar wollten die Hauptdarsteller des DFB-Wintertheaters, Löw und Zwanziger, von einer Gefahr für die WM-Mission noch nichts wissen. „Die WM ist jetzt das Allerwichtigste. Und ich kann damit hervorragend leben“, sagte Löw in Warschau.

Doch unberührt wird die Vorbereitung trotz aller Beteuerungen nicht bleiben. „Ich habe vor dem Präsidium darauf hingewiesen, dass uns dieses Thema bis zur WM und auch beim Turnier begleiten wird. Das ist ein Risiko, das natürlich besteht“, räumte zumindest Bierhoff ein. Ex-Bundestrainer und EM-Gruppengegner Vogts riet seinen ehemaligen Kollegen dringend, „das Thema zu beenden – heute schon“. In einem sehr „kurzen“ Gespräch zwischen Zwanziger und Löw, das nicht einmal den Hauch einer Annäherung brachte, ging es vor allem darum, die Debatten um den „Handschlag-Vertrag“ vom Dezember zu entschärfen. Er habe „auch gespürt, dass meine Stellungnahme vom Freitag bei Dr. Zwanziger große Irritationen ausgelöst hat, weil dadurch in der Öffentlichkeit die Diskussion aufgekommen ist, er habe Unwahrheiten verbreitet oder sei daran beteiligt gewesen. Dies war von mir zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt“, erklärte Löw. Es habe wohl unterschiedliche Interpretationen gegeben.

dpa

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