München - Hamit Altintop kommt mit der direkten Kritik von Trainer Louis van Gaal im Vergleich zu einigen seiner Mitspieler gut zurecht. Im tz-Interview erklärt er, warum das so ist.

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Hamit Altintop im Gespräch mit der tz
Herr Altintop, seit wann ist Ihr Vollbart ab?
Hamit Altintop: Seit Sonntag.
Gab es einen Grund dafür?
Altintop: Mal wieder ne Abwechslung. Wobei auch Mama dazu beigetragen hat. Ich war am Wochenende zu Hause. Dann haben wir uns darauf geeinigt: Nach vier Wochen kann er jetzt mal wieder weg...
Wie schätzen Sie Ihre persönliche Situation bei Bayern ein?
Altintop: Zufrieden bin ich nicht. Seit ich bei Bayern war hatte ich einen Stammplatz. Dann kamen Verletzungen und ich spiele fast gar nicht mehr. Aber meine Situation ist auch nicht aussichtslos.
Wie ist Ihr Verhältnis zu van Gaal?
Altintop: Unsere Zusammenarbeit ist sehr ehrlich. Aber klar, ich hatte schon Trainer, bei denen ich regelmäßig spielte.
Sprechen Sie mit Ihm persönlich über Probleme?
Altintop: Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Van Gaal spricht die Probleme vor der Mannschaft an. Er weiß, dass ich ein offener und ehrlicher Mensch bin, der dann auch seine eigene Meinung sagt. Das akzeptiert van Gaal. Insofern finde ich unsere Trainer-Spieler-Beziehung richtig gut.
Aber Sie schreien sich nicht gegenseitig an?
Altintop: Nein. Aber ich sage dem Trainer auch meine Meinung.
Philipp Lahm meint, dass einige Spieler wegen der direkten Kritik verunsichert sind.
Altintop: Es kommt darauf an, wie man es aufnimmt. Ich glaube, es ist vielmehr eine Hilfe vom Trainer. Ich bin froh, dass wir so einen Trainer haben, der direkt ist. Er meint das ja nicht persönlich. Ich habe kein Problem mit van Gaal.
Aber Sie dürfen kaum spielen.
Altintop: Ja, aber das ist zum großen Teil doch meine Schuld. Ich bin sehr selbstkritisch. Die 30 Minuten beim 1:2 in Mainz von mir waren einfach schlecht. Aber ansonsten beschäftigt mich viel mehr, dass wir nur Achter sind. Das macht mir Sorgen, nicht so sehr meine persönliche Situation.
Sie werden mal im Mittelfeld, mal vorne eingesetzt. Was ist Ihre Position?
Ihr Vertrag läuft aus. Wie lange bleiben Sie noch in München?
Altintop: Ich bin dankbar, hier spielen zu dürfen. Nach dem FC Bayern gibt es weltweit nicht mehr viel. Meine Konzentration ist voll darauf ausgerichtet, wieder besser zu spielen und als Mannschaft Erfolg zu haben. Es beschäftigt mich wirklich extrem, dass wir nur Achter sind - da mache ich mir über den Vertrag keine Gedanken.
Aber fragt die Mama in Gelsenkirchen nicht, was immer Sommer ist?
Altintop: Ich fühle mich hier wohl. Wir müssen was aufbauen, was stabil ist, nicht etwas Wackliges. Darum geht es mir. Um meinen Vertrag mache ich mir im März, April Gedanken. Ich bin einer, der schnelle Entscheidungen trifft. Jetzt über den Vertrag nachzudenken wäre respektlos. Vom Verein gab es noch kein Zeichen, aber auch nicht von anderen Vereinen.
Auch nicht aus der Türkeit?
Altintop: Nein, es gab keine Gespräche, nichts. Momentan habe ich absolut keine Gedanken, irgendwo anders zu spielen.
Warum spielt der FCB nicht mehr dominant, sicher, Bayern-like?
Altintop: Wir waren fast immer überlegen. Aber es läuft einfach bei uns nicht, aus mehreren Gründen. Wir müssen jetzt einfach am Sonntag gewinnen.
Was muss sich ändern?
Altintop: Das ist auch eine mentale Sache. Wir sollten geiler sein, frecher, mit der vollen Überzeugung in die Spiele gehen.
Was passiert mit van Gaal bei einer Niederlage gegen Leverkusen?
Altintop: Daran denke ich nicht. Jetzt sind wir Spieler gefragt, nicht der Trainer.
Ist der FC Bayern im Winter oben?
Altintop: Lieber erst am Saisonende. Entscheidend ist, dass wir Stabilität gewinnen, sich die Gegner wieder vor uns fürchten. Denn diese alte Furcht, die Angst, dass die Bayern kommen, ist derzeit weg.
Lahm bemängelte auch, Bayern habe keine Philosophie. Richtig?
Altintop: Nein, ich denke, dass wir eine Philosophie haben. Wir müssen solche Dinge aber in der Mannschaft besprechen, vor dem Spiel gegen Leverkusen werden wir uns sicher noch einmal zusammensetzen. Mein Charakter wäre, das intern anzusprechen.
Zum Abschluss: Sie kennen Manuel Neuer aus Schalke. Sollte er kommen?
Altintop: Wir telefonieren ab und zu, und er sagt, dass es keine einfach Situation ist. Ich würde ihm empfehlen, hierher zu kommen, das wäre der nächste Schritt. Aber ich kann nicht in ihn hinein sehen, jeder muss sein Glück selbst finden.
Interview: Tobias Altschäffl



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