München - Uli Hoeneß spricht im Interview Klartext. Er äußerte sich zu den Gerüchten über eine Verpflichtung von Hertha-Coach Markus Babbel und befürchtet das Ausscheiden des BVB in der Champions League.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Herr Hoeneß, Sie haben für Ihren neuen Burger in den letzten Wochen sehr viel kreiert und probiert. Wissen Sie noch, wie viele Wurstsemmeln Sie insgesamt gegessen haben?
Uli Hoeneß: Ach ja, die Weihnachtszeit ist generell für mich eine große Herausforderung. Da nehme ich immer mal zwei, drei Kilo zu, die nachher wieder runter müssen. Aber das liegt nicht nur an Nürnburgern und Hamburgern, die ich teste.
Wie viele Burger nehmen Sie mit nach Manchester für Ihre Truppe?
Hoeneß: Das kann man ja leider nicht machen. Der muss frisch vom Grill kommen, das habe ich hier genau studiert! Ich würde das Produkt verhunzen, wenn ich es in den Flieger mitnähme.
Mit an Bord ist auch wieder Arjen Robben. Was sagen Sie zu der neuerlichen Egoismus-Kritik an Ihrem Star? Stimmt es, dass ein Offensivspieler diesen Eigensinn braucht?
Hoeneß: Nun ja, ich war ein etwas anderer Spieler. Natürlich, ich war immer der Eins-gegen-eins-Spieler, da bleibst du fünfmal hängen, fünfmal kommst du durch. Aber du musst es auch beim sechsten Mal probieren! Deswegen wirkt Arjen manchmal eigensinnig. Dass er eine gute Mischung finden muss zwischen abspielen und alleine spielen, das ist es. Aber wenn er jetzt anfangen würde, jeden Ball abzugeben, dann würde er seiner besten Waffe beraubt! Und dann hätten wir am Ende keinen Spaß an Arjen.
Dennoch: Es sind große Persönlichkeiten neben ihm auf dem Platz. Sind Unstimmigkeiten nicht dauerhaft programmiert?
Hoeneß: Ja, aber das sind Reibereien, die zu vernachlässigen sind. Ich glaube, Arjen spielt nicht anders als vor zwei Jahren. Als wir ihn gekauft haben, hat auch jeder gewusst, wen wir da kaufen. Und jahrelang hat uns die ganze Welt deswegen beneidet, daher wollen wir jetzt keine Diskussion anfangen! Ich hatte mich schon vor zwei Wochen diesbezüglich beschwert – und der Samstag hat mich nur bestätigt!
Bayern ist wieder Erster. Und man wird diese Position nicht mehr abgeben bis zum Winter, oder?
Sie fürchten es, weil…?
Hoeneß: Weil sie dann die ganze Zeit bis zum Ende der Saison Samstag-Samstag-Spiele haben! Immer, wenn wir irgendwo in der Weltgeschichte rumturnen, können die sich auf ihre Couch legen. Das wäre für den Wettbewerb in der Bundesliga ganz gefährlich.
Letztes Jahr war der BVB auch in der Rückrunde draußen – und Bayern erzielte in der zweiten Hälfte die bessere Bilanz.
Hoeneß: Ja, aber das war eine andere Situation. Die Dortmunder sind jetzt weiter, reifer. Und bei uns ist klar: Ab Januar wird im Hinterkopf immer der 19. Mai sein. Dann werden die Champions-League-Spiele Alles-oder-nichts-Spiele sein. Das wird immer die letzte Kraft verbrauchen. Egal, wo du herkommst, donnerstags oder mittwochs bist du total kaputt. Wenn du dann einen Gegner hast, der sich die ganze Woche nur auf die Bundesliga konzentrieren kann, dann wird es schwierig. Dasselbe gilt übrigens auch für Gladbach.
Ist Gladbach nicht das Mainz aus der Vorsaison? Erwarten Sie da keinen Knick mehr?
Hoeneß: Gladbach ist die große Überraschung und auch toll. Und ja, ich kann mir nicht vorstellen, dass sie am Ende vor Dortmund stehen. Mein Bauch sagt mir, dass vor allem der BVB unser Gegner sein wird. Und es wäre fatal für uns, wenn die Dortmunder ausscheiden würden.
Bei der Jahreshauptversammlung hatten Sie Andreas Jung und Christian Nerlinger ermahnt, sich ab sofort voll reinzuhängen, um Sie irgendwann in der Vereinspitze zu beerben. Wie genau und in welcher zeitlichen Dimension haben Sie das gemeint?
Hoeneß: Es war ein klarer Hinweis. Sie haben sich im Schatten von Karl-Heinz, von Karl Hopfner, von mir entwickeln können. Aber jetzt kommt die entscheidende Phase. Ich habe gemeint, dass sie noch mehr Verantwortung übernehmen und noch mehr nach vorne treten müssen.
Dass sie auch mit Meinungsäußerungen für den Verein stehen müssen. Denn das Ziel ist es, irgendwann uns zu ersetzen. Wann genau?
Hoeneß: Es wird in den nächsten eineinhalb, zwei Jahren die Aufgabe sein, ganz klar zu beweisen: Wir sind in der Lage, diesen Verein irgendwann alleine zu führen.
Eine Zeitung schrieb am Montag, dass Markus Babbel im Sommer Jupp Heynckes ablösen könnte. Der wiederum soll in die sportliche Leitung wechseln.
Hoeneß: Habe ich auch gehört. Totaler Blödsinn. Sie können sicher sein, dass wir den Jupp Heynckes nicht zum Frühstücksdirektor machen werden. Wir sind doch mehr als dankbar, dass er zu uns gekommen ist. Und er hat einen Vertrag bis Juni 2013, und über den werden wir sicher keine Sekunde nachdenken.
Könnte er überhaupt so eine Schreibtischrolle einnehmen?
Hoeneß: Jupp Heynckes ist unser Trainer. Dafür ist er eingekauft, das wird er auch bis zum Ende seines Trainerdaseins machen. Ich bin ganz sicher, dass er danach niemanden mehr trainieren wird. Er wird entweder bis 2013 oder 2014 bei uns bleiben – aber nur als Trainer, als nichts anderes.
Interview: Michael Knippenkötter
Rubriklistenbild: © dpaDie Kommentarfunktion ist bei diesem Artikel nicht aktiviert. Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.



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