München - Drei Tage nach Ende der WM, am 14. Juli, wird Rainer Schießler den DFB-Kapitän Philipp Lahm und dessen Verlobte Claudia Schattenberg in Aying verheiraten. Das Interview mit dem Pfarrer.

© Westermann
Pfarrer R ainer Schießler
Herr Pfarrer, Philipp Lahm wohnt in Bogenhausen, die Hochzeit findet in Aying statt – wissen Sie, warum er für die Trauung auf den Pfarrer vom Glockenbachviertel gekommen ist?
Schießler: Vielleicht wegen der Nähe unserer Geburtsorte? Er ist ein Neuhauser, ich ein Laimer. Aber genau weiß ich es auch nicht. Enrico de Paruta, der in Lahms Nachbarschaft wohnt und die Hochzeit plant, hat mich angerufen. Klar mach’ ich das, hab’ ich gesagt. Herr Lahm muss bloß damit klarkommen, dass ein „Blauer“ ihn traut (lacht).
Lahm und seine Claudia waren bereits zum Ehegespräch bei Ihnen. Was haben Sie für einen Eindruck von den beiden?
Schießler: Das sind zwei richtig sympathische junge Leute, die sich von der Aufregung um sie herum gar nicht aus der Ruhe bringen lassen. Philipp Lahm ist so ein einfacher, zurückhaltender, sympathischer Typ – der wird die Ehe genauso souverän meistern wie sein Amt als Nationalmannschaftskapitän, da bin ich sicher.
Dass Philipp evangelisch ist und Claudia katholisch, das ist heutzutage kein Problem mehr.
Mit welcher Bibelstelle werden Sie das Paar in den Bund der Ehe führen?
Schießler: Die beiden haben sich das Hohelied der Liebe ausgesucht, aus dem ersten Brief von Paulus an die Korinther. Das passt natürlich wunderbar, denn bei Paulus geht es um einen Rückzug ins Private – wie bei den beiden ja auch: Ihre Hochzeit ist kein Show-Ereignis. Anders als beispielsweise die von Michael Ballack in Starnberg, da sollen die Sichtschutz-planen ja dünn wie Stringtangas gewesen sein.
Wissen Sie schon, was Sie predigen?
Schießler: Ja. Ganz untypisch für mich steht die Predigt sogar schon Wort für Wort fest. Denn es ist alles ganz streng terminiert. Der Gottesdienst dauert 45 Minuten, für meine Predigt bleiben genau 6:30 Minuten (lacht). Ich fürchte bloß, das schaff’ ich nicht. Ich werde mir Schilder basteln, die ich gegen Ende hochhalte. Wie bei der WM steht da in rot die Nachspielzeit drauf – ein, zwei, drei Minuten.
Natürlich wird’s in der Predigt um Fußball gehen, nehme ich an?
Schießler: Tja, Philipp Lahms Bedingung war: Kein Wort über Fußball! Aber die Ehe ist ein Mannschaftssport, wie soll ich da keine Fußball-Bildsprache verwenden? Also habe ich mir überlegt: Entweder ich stelle ein Phrasenschwein auf, in das ich Geld werfe, sollte ich mich fußballerisch verplappern – oder ich zünde dann jeweils eine Kerze an. Da muss ich noch Teelichter kaufen, fürchte ich.
Interview: Johannes Löhr



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