Im tz-Interview spricht der neue Bayern-Trainer über Lukas Podolski, die neuen Buddha-Statuen und sein München-Feeling.

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Da geht's lang! Jürgen Klinsmann peitscht sein Team schon in den ersten Trainingseinheiten nach vorne.
Herr Klinsmann, das Wetter meint es gut bei Ihrem Start in München – fast wie in Kalifornien…
Klinsmann:Wärmer als in Kalifornien! Da hat’s nur so 25 Grad.
Wie oft haben Sie Kontakt zu Ihrer Familie?
Klinsmann:Täglich. Meine Frau und die zwei Kinder kommen im August nach. Die Kids können in den Ferien noch ihre Kinder-Camps machen und ich hier in München voll loslegen.
Klinsmann:Nicht schwer. Ich kenne das Pendeln zwischen totaler Anonymität und erkannt werden ja von meiner Zeit bei der Nationalmannschaft. Wenn ich hier in die Stadt gehe, ziehe ich mir eine Baseball-Mütze auf.
Wie stark ist das München-Feeling?
Klinsmann:Es ist ein schönes Gefühl, wieder hier zu sein. München ist eine der schönsten Städte Europas. Auch mein Trainerstab findet die Stadt einfach faszinierend.
Nehmen Sie denn selbst auch an den angebotenen Kursen teil?
Klinsmann:Nein, im Moment geht es darum, zu sehen, wie das sprachliche Angebot umgesetzt wird.
Welche Sprachen werden angeboten?
Klinsmann:Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch – und das in beide Richtungen. Ich persönlich werde sicher mit Spanisch und Portugiesisch weitermachen. Auch die Spieler sind neugierig, haben sich teilweise schon eine Sprache herausgesucht.
Auch beim DFB sorgten Sie mit Innovationen für Aufsehen, mit Gastrednern wie Michael Schumacher. Ist so etwas auch jetzt geplant?
Klinsmann:Geplant in dem Sinne ist noch nichts. Erstmal ist das ganze Projekt, das hier durchgezogen wurde, gigantisch. Jetzt haben wir alle Möglichkeiten: Gastsprecher aus allen möglichen Bereichen einladen, Live-Schalten, beispielsweise mit Trainern aus Südamerika oder Australien, die mal eine halbe Stunde über taktische Elemente referieren. Technisch ist das optimal. Eigentlich muss niemand mehr her, wir können das alles über Live-Schalten einbeamen.
Eine multifunktionelle Einrichtung.
Klinsmann:Genau. Auch der Verein selbst kann die Räumlichkeiten nutzen, beispielsweise für Fortbildungen oder Sponsoren-Veranstaltungen. Das gibt uns die Möglichkeit, den anderen einen Tick voraus zu sein. Wenn man einen jungen Spieler für sich gewinnen will und durch diesen Bereich führt, überlegt er sich dreimal, ob er noch wo anders hingeht.
Lassen sich auch erfahrene Spieler beeindrucken? Was würde Oliver Kahn dazu sagen?
Auch vom Acht-Stunden-Tag in der Vorbereitung?
Klinsmann:Ich glaube, da sind die Spieler froh, dass sie nicht wie in der normalen Vorbereitung zwei Wochen in einem Trainingslager komplett weg sind. Da hast du schon jetzt Pluspunkte. Bei den Spielern, bei den Familien – denn alle sind abends wieder daheim. Ich glaube, gerade die Nationalspieler, die gerade Wochen unterwegs waren, begrüßen das sehr.
Spüren Sie Dankbarkeit von Spielern?
Klinsmann:Ja, ich glaube schon. Unsere Denkweise war einfach die: Wie kann ich dem Spieler ein Umfeld geben, in dem er die Möglichkeit hat, das Maximum aus sich heraus zu holen. Ich lasse auch ein ständiges Feedback von den Spielern bei mir einfließen.
Wie war denn Uli Hoeneß’ Feedback, als er die Buddahs sah?
Klinsmann: Ich glaube alle waren stolz auf das, was hier geschaffen wurde. Sie haben dem Projekt hier eine Carte Blanche gegeben, einfach gesagt: macht’s! Ich habe alles erst Kalle, dann dem Uli vorgeführt. Die Kommunikation zwischen uns findet täglich statt. Dass Geld keine Tore schießt, damit hat Uli absolut Recht. Aber ich versuche mich immer in den Spieler hineinzuversetzen – da haben wir jetzt sehr gute Voraussetzungen.
Etwa durch das Auditorium?
Klinsmann:Richtig. Das ist praktisch wie ein Kino mit fünf Simultan-Übersetzungskabinen, die hinter der Leinwand versteckt sind. Wir haben die Sprachlehrer jederzeit auf Abruf. Egal wer spricht, auch wenn der Uli mal spricht: Ein Anruf und jeder Spieler bekommt über einen drahtlosen Kopfhörer die Rede in seiner Landessprache – damit kein Wort verloren geht.
Wie ist die Trainingssprache?
Klinsmann:Grundsprache ist deutsch. Aber wenn zum Beispiel Breno etwas nicht versteht, wird ihm das auf Portugiesisch erklärt. Es geht auf dem Platz multisprachlich zu, dadurch sind die Spieler noch fokussierter.
Ist wegen der vielen verschiedenen Sprachen der Trainerstab so groß?
Klinsmann:Der Trainerstab ist klein. Verglichen mit anderen Topklubs aus Europa, mit denen wir uns messen wollen, ist unser Trainerstab kleiner.
Bleiben Schweini und Poldi?
Klinsmann:Ich habe vor der EM schon gesagt, dass ich absolut auf Lukas baue. Ein Abgang von Bastian war da gar kein Thema. Lukas hat so viel Perspektive, so viel in sich, dass das noch weiterentwickelt werden muss. Dass er unter der Situation leidet ist absolut verständlich. Es ist an mir, ihm eine Perspektive zu geben, dass er seine Spiele bekommt. Ich habe ihm gesagt: Du darfst jetzt nicht vor der Situation weglaufen! Die Zeit spricht ohnehin für ihn. Und die Qualität ist so hoch – die lassen wir nicht einfach weggehen!
Klinsmann:Ich werde mir alle Mühe geben, dass er sich wohl fühlt. Dass er mal Heimweh hat, ist doch nur menschlich. Für uns alle ist es wichtig, diesen Spielern zu helfen, auch wenn sie mal ein Tal durchschreiten. Wenn Lukas mal aus emotionalen Gründen sein Potential nicht abrufen kann, muss man das einkalkulieren. Das ist unsere Verantwortung.
Wie sieht’s bei Gomez aus?
Klinsmann:Wir sehen uns jetzt in der direkten Konkurrenz mit den größten Mannschaften Europas. Da lassen wir uns nicht vor der Nase herummachen. Bevor er nach Barcelona geht, wollen wir ein Wörtchen mitreden.
Tobias Altschäffl
Quelle: tz



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