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München: Daniel van Buyten spricht über seine Krise

Van Buyten: Ich bin Mensch, nicht Roboter

München - Er hat lange überlegt, ob er dieses Interview geben soll. Drei Tage nach einem der bittersten Tage seiner Karriere kommt die Antwort. Ja, Daniel van Buyten möchte sprechen.

© Sampics

Daniel van Buyten im ­Gespräch mit tz-Reporter Tobias Altschäffl.

 Über seine schwierige Situation beim FC Bayern, seine persönliche Krise, die Auswechslung gegen Frankfurt, die Probleme in seinem Leben. „Eines ist mir sehr wichtig: Ich möchte keine Ausreden suchen“, betont der Belgier zu Beginn des Gesprächs. Er kommt von einer freiwilligen Trainingseinheit, Freundin Celine und Töchterchen Lou-Ann (dreieinhalb Monate alt) sitzen mit am Tisch. „Ihr Lachen ist die größte Freude in meinem Leben, das richtet mich auf, gibt mir Kraft“, erklärt van Buyten. Das tz-Interview:

Herr van Buyten, eine einfache Frage zu Beginn: Wie geht es Ihnen?

Van Buyten: Ich habe schon schönere Momente erlebt, keine Frage. Das ist eine Phase, die jeder Spieler mal durchmachen muss. Es gibt im Leben immer Höhen und Tiefen. Und im Moment habe ich sehr viele negative Dinge zu verarbeiten, privat und sportlich, das hängt alles zusammen. Ja, ich bin leider in einem Tief. Ich bin nur ein Mensch, kein Roboter.

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Ist es die schwierigste Phase Ihrer Karriere, die Sie gerade durchmachen?

Van Buyten: Ich hatte es auch unter Jürgen Klinsmann schwer, aber da war die Situation anders: Ich war topfit, aber es gab kein faires Verhältnis. Jetzt konnte ich seit Saisonbeginn meine Vorbereitung nicht optimal absolvieren, ich hatte Probleme mit dem Sprunggelenk, mit dem Rücken. Das soll keine Ausrede sein, aber ich bin auch keine 21 Jahre mehr alt. Ich merke, dass mir Trainingseinheiten und somit die optimale Fitness fehlen.

Auch privat durchleben Sie eine schwere Phase.

Van Buyten: Ich will dafür kein Mitleid. Ich will nur sagen, dass es mehrere Faktoren gibt, die dazu beitragen, dass es bei mir zur Zeit nicht läuft. Ich bin zum ersten Mal Vater, mich belasten auch andere Dinge, die mich nicht zur Ruhe kommen lassen und meine Konzentration beeinflussen.

Ein Punkt ist sicher auch die schwere Erkrankung Ihres Vaters Franz.

Van Buyten: Ich glaube, es ist bekannt, dass es meinem Vater nicht gut geht. Das trifft mich sehr, weil er für mich mein bester Freund ist, wir immer ein ausgezeichnetes Verhältnis haben. Mehr möchte ich dazu aber bitte nicht sagen.

Wer aus der Mannschaft hilft Ihnen jetzt?

Van Buyten: Ich orientiere mich zum Beispiel auch an Bastian Schweinsteiger. Er hatte auch mal eine schwierige Phase, hatte Schwierigkeiten bei Heimspielen mit Pfiffen. Aber er ist stärker aus dieser Phase herausgekommen. Ich hatte auch ein sehr gutes Gespräch mit Jörg Butt, der mich aufgebaut hat. Jeder hat in seiner Karriere eine solche Phase, da muss man einfach durch.

Warum wollten Sie gegen Frankfurt zur Pause raus?

Van Buyten: Ich habe mich nicht wohl gefühlt, im Kopf und auch körperlich. In der Pause habe ich gezittert, ich war einfach nicht fit. Ich wollte nicht raus, weil ich keinen Mut mehr hatte zu spielen. Ich wollte das beste für den FC Bayern – und in dieser Verfassung hätte ich der Mannschaft nicht helfen können.

Ihr Stammplatz ist nun in Gefahr.

Van Buyten: Natürlich habe ich dadurch meinen Platz riskiert. Aber noch einmal: Es ging mir in dieser Situation um den FC Bayern, um die Mannschaft, um den Sieg. Glauben sie ja nicht, daß es einfach für mich war, mit dieser Entscheidung zum Trainer zu gehen. Aber in diesem Moment war mir nur wichtig, dass wir gewinnen. Und ich hatte das Gefühl, dass ich dazu nicht 100 Prozent beitragen konnte. Ich werde jetzt sicher nicht aufgeben. Ich bin ein Kämpfer, ich will mich zurückbeißen.

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Dafür haben Sie auch an den trainingsfreien Tagen geschuftet…

Van Buyten: Ja, weil ich von der Fitness lebe. Und die brauche ich wieder, damit ich meine Leistung bringen kann.

Wie sehr hat Ihnen die öffentliche Kritik weh getan?

Van Buyten: Natürlich tut das weh, mir selbst, meinem Umfeld. Meine Mutter hat angerufen, hat gefragt, was mit mir los ist. Aber die Kritik war gerechtfertigt, ich habe schlecht gespielt. Aber wie gesagt: Keiner weiß, wie es in mir aussieht. Ich bin auch nur ein Mensch. Und wie jeder Mensch, wie jeder Fan von uns oder jeder Journalist irgendwann im Leben, mache ich gerade eine schwierige Phase durch. Ich hoffe, das kann man verstehen. Ich will kein Mitleid. Ich verspreche, alles zu tun, um noch stärker aus diesem Tief zu komm. Nach einem Sturm kommt irgendwann immer schöneres Wetter.

Interview: Tobias Altschäffl

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