München - David Alaba ist ein zurückhaltender und freundlicher junger Mann. Der 20-Jährige spricht im tz-Interview über sein Standing beim FC Bayern, seine Wurzeln und seinen rechten Fuß, "der noch kein linker ist".

© M.I.S.
David Alaba wechselte mit 15 zum FC Bayern.
Höflich ist er, und sehr nett. Bayerns Super-Talent David Alaba ist ein zurückhaltender Typ, der eigentlich gar nichts sagen möchte. Doch wenn man wie er mit 15 schon zu den Profis von Austria Wien geholt wird und mit 19 auf dem Sprung zum Stammspieler beim FC Bayern ist, wirft das Fragen auf.
Noch dazu, wenn fast die gesamte Familie im Showgeschäft heimisch ist. Wenn er dann redet, soll es aber am liebsten schon um Fußball gehen – wie im Interview mit der tz.
Herr Alaba, Sie sind in dieser Saison insgesamt schon 17 Mal eingewechselt worden. Sind Sie Bayerns zwölfter Mann?
David Alaba: Ach, das weiß ich gar nicht. Ich versuche einfach immer, alles zu geben, im Training wie im Spiel. Und ich freue mich, wenn ich zum Zug komme.
Ab wann sind Sie ständiger Stammspieler?
Alaba: Gute Frage. Klar ist, dass ich immer spielen will. Aber das geht ja nicht nur mir so.
Aber Sie scheinen sehr nah dran.
Alaba: Kann sein.
Wie wichtig war es in Ihrer bisherigen Entwicklung, für ein halbes Jahr in Hoffenheim zu spielen?
Alaba: Enorm! Das ist nun mal so für einen jungen Spieler wie mich, da muss man regelmäßig zum Spielen kommen. Hoffenheim hat mir sehr gutgetan.
Sie waren nun häufig für Franck Ribéry links offensiv unterwegs, früher meist als Sechser, davor sogar als Außenverteidiger. Was ist denn Ihre Parade-Position?
Alaba: Ich denke, dass ich zentral oder links außen im Mittelfeld meine Stärken am besten ausspielen kann.
Sie waren jüngster Bayern-Spieler aller Zeiten. Fühlen Sie sich mit nun fast 20 schon wie ein alter Hase?
In der Öffentlichkeit gelten Sie als ruhiger Typ – dabei steht Ihre Familie regelmäßig auf der Bühne. Woher kommt dieses schüchterne Auftreten?
Alaba: Ich weiß nicht, ob es „schüchtern“ trifft. Ich glaube, „vorsichtig“ ist das bessere Wort.
Was trifft noch auf Sie zu?
Alaba: Mal sehen: lustig, freundlich – aber fragen Sie mal lieber meine Mitspieler!
Wie oft schaffen Sie es denn noch in die Heimat nach Wien?
Alaba: Natürlich nicht sehr oft. Ich fühle mich zwar schon gut, wenn ich ab und zu mal heimkomme. Aber wir haben so viele Spiele, dann geht sich das nicht aus.
Ihre Mutter stammt von den Philippinen, Ihr Vater aus Nigeria. Hatten Sie mal Gelegenheit, die Heimat Ihrer Eltern zu besuchen?
Alaba: Ich war zwei mal auf den Philippinen, da war ich noch klein. Und auch einmal in Nigeria. Ich muss sagen, wenn man das so sieht dort, dann schätzt man sein Leben hier schon sehr.
Werden Sie dort erkannt?
Alaba: Nein, damals noch nicht. Aber wenn ich heute in Wien bin, kommt das schon vor, klar.
Wie werden Sie denn dort wahrgenommen? Sie sind ja immerhin schon Fußballer des Jahres 2011 in Österreich – als jüngster Spieler des Landes überhaupt!
Alaba: Das stimmt, eine tolle Sache. Ich glaube, ich bin sogar der erste Legionär nach Toni Polster, der das geschafft hat. Das freut mich schon sehr und ich möchte es mit guten Leistungen in der Nationalmannschaft zurückzahlen. Es ist eine Ehre für mich, für Österreich spielen zu dürfen.
Hatten Sie früher ein Vorbild?
Alaba: Ja, Patrick Vieira. Seine Spielweise hat mir super gefallen. Aber auch Basti Schweinsteiger!
Wann sind Sie denn soweit? Wo können Sie sich noch verbessern?
Alaba: In nahezu allen Belangen, denke ich! Ich kann noch robuster werden, zweikampfstärker. Und mein rechter Fuß ist auch noch kein linker (lacht) – da ist noch Luft nach oben.
Interview: Michael Knippenkötter



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