Bremen - Das war wieder das hässliche Bundesliga-Gesicht des FC Bayern! 5:0 in Lissabon – und dann so ein Auftritt. Die Klinsi-Elf hat erneut den Anschluss an die Spitze verschlafen.

© sampics
Zum Verzweifeln! Jürgen Klinsmann hadert mit seiner Mannschaft.
Ganze 75 Minuten spielte Bayern bei Werder Bremen in Überzahl und schaffte es nicht, auch nur ein Tor zu erzielen. 0:0 im Weserstadion – statt auf Meisterkurs steuern die Bayern national Richtung Uefa-Cup. Wieder wurden die Patzer der Konkurrenz nicht genutzt, wieder fehlte nach einem starken Champions-League-Auftritt der letzte Wille und die absolute Entschlossenheit. Die Bosse sprachen vor der Partie von einem von 13 „Endspielen“. Das ist anscheinend bei der Mannschaft noch nicht angekommen. Aber auch in der Taktikdiskussion ( siehe hier ) sieht Uli Hoeneß einen Grund für die schwache Leistung. „Das ist ein Unding, was da in den letzen drei Tagen passiert ist. Es hat sich doch gezeigt, dass das eine Sauerei war“, tobte der Manager nach der Partie: „Das ist das Problem! Wir gewinnen 5:0 in Lissabon – und haben 80 Prozent negative Presse. Das ist doch der Witz des Jahres!“ Schlechte Stimmung bei Bayern. Der Abstand auf Platz eins beträgt immer noch vier Punkte. Noch schlimmer: Bayern ist nur noch Fünfter!
Bei der Aufstellung musste sich Klinsi etwas Neues einfallen lassen. Lahm (Grippe) und Toni (Achillessehne) fehlten, Zé Roberto verteidigte hinten links, Ribéry agierte als hängende Spitze, Podolski blieb wieder nur die Bank. Bayern also mit nur einem Angreifer und einer – von Klinsmann (!) bevorzugten – „Safety-First“-Taktik.
Zu Beginn von Zurückhaltung aber keine Spur. Nach zwei Minuten tauchte Klose bereits frei vor Torwart Vander auf, wollte aber wieder mal den mitgelaufenen Kollegen in Szene setzen. Die Chance verebbte, Franz Beckenbauer zürnte bei Premiere: „Er muss den Abschluss suchen! Das muss er lernen, da ist er zu wenig eigennützig.“
Ein Punkt gegen zehn Bremer? Zu wenig für die geplante Attacke auf die Tabellenspitze. Deswegen dachte Klinsi zur zweiten Halbzeit um – und wählte eine mutigere Taktik: Schweini raus, Poldi rein, Ribéry auf seine Stammposition im linken Mittelfeld. Angriff statt Abwarten! Schließlich ging es bereits um die Meisterschaft, den Kontakt nach oben. Klinsi sendete ein Signal an seine Mannschaft – doch irgendwie kam es nicht an. Wo war die Leidenschaft? Die zeigte nur Bremen. Und die Bayern hatten trotz Überzahl Dusel: Borowski köpfte nach einem Freistoß den Ball direkt zu Pizarro, doch der verzog völlig freistehend aus fünf Metern. Im Gegenzug kamen auch die Bayern endlich wieder vor das Bremer Tor – Vander rettete gegen Zé Roberto. Auch fünf Minuten vor Schluss war es der Keeper, der einen Oddo-Freistoß aus dem Eck kratzte. Viel mehr kam von den Roten nicht mehr.
In der Champions League grandios, im Bundesliga-Alltag aber blutleer – Klinsi bekommt das Einstellungsproblem nicht in den Griff. „Das ist kein Beinbruch. Wir schielen weiter nach oben“, erklärte der Coach milde. Seine Spieler wurden schon deutlicher. „Das schmerzt“, bilanzierte Hamit Altintop enttäuscht. Seine Forderung: „Wir müssen auch wieder da hingehen, wo es weh tut. Wir sind manchmal zu zurückhaltend und lieb.“ Zumindest Uli Hoeneß lebte das Gegenteil am Sonntag schon einmal vor…
ta, jj
Quelle: DPA



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