Augsburg - Klaus Augenthaler spricht im Interview mit tz-online über die künftige Mächteverteilung in Fußball-Bayern. Dabei haben der TSV 1860 und der Club das Nachsehen.

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Klaus Augenthaler spielte seine gesamte Profikarriere beim FC Bayern
Wenn es kein reines Benefizspiel gewesen wäre, hätten die Weltmeister von 1990 richtig alt ausgesehen. Mit 6:2 hat die Nationalmannschaft Haitis, 95. in der FIFA-Weltrangliste, Idole wie Andreas Brehme, Guido Buchwald und Thomas Helmer in der Augsburger Impuls Arena bezwungen. Die sportliche Schwächung durch Show-Stars wie Oliver Pocher, Elton, Sascha und Alexander Klaws konnten auch die Weltmeister nicht kompensieren.
Nach dem Spiel sprach tz-online mit FC-Bayern-Legende Klaus Augenthaler über die eigene Fitness, die Perspektiven des FC Augsburg, das Meisterschaftsrennen und Jogi Löws Luxusprobleme.
Haiti hat Ihnen sechs Gegentore eingeschenkt. Wie zufrieden sind Sie mit dem eigenen Leistungsstand?
Klaus Augenthaler: Das interessiert überhaupt nicht, wenn man bedenkt, worum es geht. Auch Deutschland hat seine Probleme, aber in diesem Land geht es nicht nur ums Dach über dem Kopf, sondern ums nackte Überleben. Deswegen fand ich diese Veranstaltung sehr schön. Es ging nicht um die Leistung.
Welchen Eindruck macht der FC Augsburg mit seiner Impuls Arena auf Sie?
Augenthaler: Sie haben das strukturell richtig gut geplant. Auch sportlich ist ihre Mannschaft bereit für die erste Liga.
Wo sehen Sie den FCA im bayerischen Profifußball mittelfristig?
Augenthaler: Wenn Sie aufsteigen, können Sie eine gute Rolle spielen. Mal abwarten, was in Nürnberg passiert. Aber ich sehe Augsburg im Vorteil gegenüber Nürnberg und 1860 München, weil das Publikum nicht so verwöhnt ist. Sie haben nicht so hohe Erwartungen wie die 60er und Clubberer, weil die schon in der Bundesliga waren oder sind. Deswegen sind die Voraussetzungen hier ganz gut.
Also Augsburg die Nummer zwei im Freistaat, hinter dem FC Bayern?
Augenthaler: Vorsicht, das geht alles ein wenig schnell. Vielleicht in ein paar Jahren.
Kommen wir zur Nummer 1. Wie stehen die Chancen des FC Bayern auf ein Weiterkommen in der Champions League gegen Florenz?
Ist das 1:1 gegen Köln ein Rückschlag?
Augenthaler: Schon gegen Hamburg haben sie sich schwer getan. In Nürnberg haben sie einige hundertprozentige Chancen liegen lassen, in Köln habe ich wenige Chancen gesehen. Von daher...
Louis van Gaal hat den FC Schalke schon vor dem vergangenen Spieltag zum Meisterschaftskonkurrenten Nummer eins auserkoren. Wie schätzen Sie den Dreikampf ein?
Augenthaler: Der FC Bayern hat den stärksten Kader. Selbst wenn Robben und Ribéry ausfallen, haben sie immer noch genügend Qualität - im Gegensatz zu Schalke. Es ist enorm, was Magath mit seinen jungen Spielern macht. Die marschieren einfach. Leverkusen hat da eine ganz gute Mischung. Aber ich bin immer noch davon überzeugt, dass Bayern Meister wird. Wenn's dann wirklich eng wird - und die direkten Duelle stehen noch aus - können die Nerven der jungen Spieler Probleme bereiten.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Auch van Gaal baut immer mehr auf junge Spieler - siehe David Alaba, siehe Diego Contento. Sind diese Spieler bereit für den Kampf um die Meisterschaft?
Augenthaler: Ja. Aber Voraussetzung ist ein Gerüst aus erfahrenen Spielern, und das hat der FC Bayern.
Schalke und Leverkusen nicht?
Augenthaler: Doch, Schalke mit Kuranyi und Bordon, Leverkusen etwa mit Hyypiä. Entscheidend ist, dass die Mischung stimmt.
In der All-Star-Mannschaft haben Sie ein paar Weltmeister-Kollegen von 1990 getroffen. Ist bei der WM 2010, 20 Jahre später, ein ähnlicher Coup drin?
Augenthaler: Da bin ich Zuschauer und lasse mich überraschen. Ich hoffe in erster Linie, dass es friedlich abläuft. Das ist das Wichtigste. Was in den Vorbereitungsspielen wie gegen Argentinien passiert, ist sekundär. Deutschland ist wie immer eine Turniermannschaft und kann jeden schlagen. Sie müssen nur den richtigen Zeitpunkt erwischen.
Thomas Helmer hat kritisiert, dass in der DFB-Elf seit längerem nicht mehr nach Leistung nominiert und aufgestellt wird. Stimmt das?
Augenthaler: Dazu möchte ich eigentlich nichts sagen. Das ist nicht mein Problem. Ich bin froh, dass ich dieses Problem nicht habe, dass ich fünf gute Stürmer habe und nur vier davon mitnehmen kann.
Für Sie also ein reines Luxusproblem?
Augenthaler: So kann man es auch nennen.
Interview: Tobias Kimmel



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