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Hans Meyer im tz-Interview: "Deutschland hat eine Vorreiterrolle"

Meyer: "Deutschland hat eine Vorreiterrolle"

München - Im tz-Interview spricht Kult-Trainer Hans Meyer über Frauenfußball - und verrät, dass er einst selbst Damen trainiert hat.

© Getty

Hans Meyer wird die Frauenfußball-WM mit Interesse verfolgen.

Herr Meyer, nur noch wenige Tage bis zum Start der Frauen-WM. Freuen Sie sich auf das Ereignis oder lässt Sie das kalt?

Hans Meyer: Als jemand, der in Deutschland lebt und eine enge Beziehung zum Fußball hat, freue ich mich natürlich sehr auf dieses Turnier im eigenen Land. Deutschland hat 2006 schon eine Vorreiterrolle gespielt mit seinen schönen Stadien und der phantastischen Organisation. Das wird diesmal nicht anders sein.

Werden Sie im Stadion sein oder die Frauen-WM am Fernseher verfolgen?

Meyer: Ich bin beim Eröffnungsspiel in Berlin und werde mir ein Halbfinalspiel in Gladbach ansehen.

Klingt so, als hätten Sie Bezug zum Frauenfußball.

Meyer: Aber ja. Ich habe sogar mal ein paar Trainingseinheiten der Frauen in Jena geleitet.

Tatsächlich?

Meyer: Das war zu meiner Zeit als Trainer beim FC Carl Zeiss Jena Anfang der 80-er Jahre. Der Hochschullehrer Hugo Weschenfelder versuchte gerade in Jena einen Frauenfußballschwerpunkt aufzubauen. Auf sein Bitten hin habe ich ein paar Mal die Frauen trainiert, was ich gerne getan habe. Der Frauenfußball hatte es ja nicht leicht, auch in der DDR nicht. Es gab dort keine Förderung.

Unsere Mädels sind da! Ankunft der DFB-Damen in Berlin

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Haben Sie zu jener Zeit die kickenden Frauen und Mädchen nicht wie so viele andere Männer belächelt?

Meyer: Nein, das habe ich nie getan. Warum sollte ich jemanden, der Fußball spielen will, belächeln? Ich bin vielleicht ähnlich geprägt wie die meisten Männer, ich war nie einer, der für die Gleichberechtigung auf die Barrikaden gestiegen ist. Aber dass Frauenfußball bis 1970 in der BRD quasi verboten war, das ist doch ungeheuerlich.

Umso erstaunlicher, wie sich der Sport entwickelt hat.

Meyer: Ich habe das mit großer Freude verfolgt. Der DFB hat eine ganz hervorragende Arbeit geleistet. Bei allen Fortschritten ist der Frauenfußball aber immer noch sehr, sehr schwer zu vermarkten.

Wird die WM helfen, die Situation zu verbessern?

Meyer: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Die WM wird dem Mädchenfußball im Breitensportbereich einen Schub geben. Aber an einen langanhaltenden Impuls im Spitzenbereich mit mehr Werbeeinnahmen und einem Zuschauerboom im Ligaalltag glaube ich nicht. Waren Sie schon mal bei einem Frauen-Bundesligaspiel?

Ehrlich gesagt nein.

Meyer: Na sehen sie. Machen Sie das mal. Da kommen bei den Mannschaften in den unteren Regionen beleidigend wenige Leute.

Warum schauen dann aber bei Welt- und Europameisterschaften auf einmal so viele zu?

Meyer: Das ist eine Frage der Qualität. Im Männerfußball gibt es eine unglaubliche Breite in der Qualität und die entsprechende Interessenslage. Das ist mit der Situation im Frauenfußball nicht vergleichbar. Bei Europa- oder Weltmeisterschaften wird aber richtig ansehenswerter Fußball gezeigt.

Im modernen Frauenfußball geht es hart zur Sache.

Meyer: Es gibt ein schönes Zitat von Oscar Wilde. Der hat mal gesagt: „Fußball mag ein durchaus passendes Spiel für harte Mädchen sein, als Spiel für feinsinnige Knaben ist er wohl kaum geeignet.“ Wie in allen Bereichen des Hochleistungssports haben wir es auch im Frauenfußball mit einer natürlichen Selektion zu tun. In der Regel kommen die nach oben, die ehrgeizig sind, Durchsetzungsvermögen zeigen und nicht zimperlich sind.

Interview: Roland Wiedemann

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