Was gewesen wäre, hätte der FC Bayern den TSV 1860 nicht ausbezahlt

1860 pleite – und dann?

005.02.10|FC Bayern|52 Kommentare
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München - Der FC Bayern hat den Löwen 2006 ihre Stadion-Anteile für elf Millionen Euro abgekauft. Was wäre gewesen, wenn der TSV 1860 nicht ausbezahlt worden wäre?

© sampics

Die Allianz Arena

Jetzt reden die einen und schweigen die anderen. Bisher war es umgekehrt. Bis Donnerstagabend hatte sich der FC Bayern in Sachen Rechtsstreit um die Catering-Millionen mit dem TSV 1860 in der Öffentlichkeit zurückgehalten, dann aber lederte Präsident Uli Hoeneß bei einer Talkrunde in Nürnberg los. „Wir werden verarscht“, schimpfte der 58-Jährige in Richtung des Lokalrivalen, der vorhat, den FC Bayern zu verklagen, weil beim Verkauf der Arena-Anteile im April 2006 rechtlich nicht alles korrekt über die Bühne gegangen sei. Die Blauen fühlen sich über den Tisch gezogen.

Und die Aussage mit dem „Verarschen“ wollen sie schon gleich gar nicht hinnehmen. Geschäftsführer Manfred Stoffers am Freitag in einer Stellungnahme: „Der Präsident des FC Bayern wirft uns in drastischer Weise vor, wir würden den FC Bayern durch unsere juristischen Maßnahmen verulken. Dies weisen wir in der gebotenen Deutlichkeit zurück. Allein schon der Respekt vor Recht und Gesetz verbietet es, ein Gericht für einen Ulk zu missbrauchen. Wer trotzdem einen Ulk vermutet, verkennt sowohl die Ernsthaftigkeit unsere Anliegens wie auch die Seriosität und Stichhaltigkeit unserer Begründungen.“

Überläufer! Spieler, die bei beiden Münchner Vereinen kickten

Zum Verkauf der Stadion-Anteile hatte Hoeneß am Donnerstag erklärt: „Viele haben gesagt: Lasst sie absaufen. Aber wir haben sie nicht absaufen lassen.“ Mit „sie“ meinte Hoeneß die Löwen, die ohnehin „kein Wunschpartner“ gewesen seien und Bayern damals „auf Knien“ angefleht hätten, „dass wir ihnen ihre Anteile abnehmen“. 2006 klang das freilich noch etwas anders. Nachzulesen ist das immer noch auf der Homepage des FC Bayern. Damals betonte Vorstand Karl Hopfner, dass es „sehr wichtig für uns ist, dass 1860 weiter in der Allianz Arena spielt und Miete zahlt“. Und dass man elf Millionen für die Anteile zahle, mache man, so Hoeneß damals, „nicht für eine Ehrenmitgliedschaft beim TSV 1860. Wenn es den Verein nicht mehr gibt, haben wir einen Klotz am Bein, an dem auch wir uns verschlucken könnten.“

Den Löwen drohe die Insolvenz, hatte der damalige Geschäftsführer Stefan Ziffzer gewarnt und den Verkauf der Anteile angeschoben. Auch beim FC Bayern fürchtete man also einen insolventen TSV 1860. Wobei es laut Fachleuten unterschiedliche Konsequenzen hätte geben können. Eine aber nicht. Den sogenannten Heimfall. Der kann beim Konkurs eines Partners greifen, wobei der „Überlebende“ die Anteile relativ günstig übernehmen kann. Geht aber in diesem Fall nicht, weil es sich um ein Erbbaugrundstück der Stadt handelt. Hätte ein Insolvenzverwalter die Geschäfte beim TSV 1860 übernommen – so ähnlich wie damals im Fall Kirch – hätte dieser sicherlich versucht, so viel wie möglich für die Gläubiger herauszuholen. Bei 1860 geht man ohnehin davon aus, dass der Verkehrswert der Anteile 2006 bei rund 40 Millionen Euro lag.

Hätte 1860 Investoren gebracht, die – angenommen – 20 oder 30 Millionen geboten hätten, dann hätte der FC Bayern, der in solch einem Fall das Vorkaufsrecht besitzt, die gleiche Summe hinlegen müssen, um selbst die Anteile zu erhalten.

So schlecht ist der FC Bayern vor vier Jahren also nicht gefahren. Und Ärger mit dem Mieter – das ist ja auch im ganz normalen Leben nichts Ungewöhnliches.

Claudius Mayer

Tradition und Moderne: Münchnens Stadien

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