FC Bayern: Präsident Uli Hoeneß im großen Interview

Hoeneß: "Unser Verein lässt niemanden kalt"

624.02.10|FC Bayern|22 KommentareFacebook
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München - Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat im Bayern-Magazin ein ausführliches Interview über "seinen" FC Bayern von damals und heute gegeben.

© dpa

Uli Hoeneß ist das Herz des FC Bayern.

Lesen Sie im ersten Teil des Interviews, wie Uli Hoeneß die ersten Erfolgsjahre bei den Bayern erlebte und wie er den wachsenden Einfluss der Medien auf das Fußball-Geschäft bewertet.

Erst Spieler, dann Manager, zuletzt Vorstand und jetzt Präsident: Wie erklärt sich Uli Hoeneß seine fast 40-jährige Treue zum FC Bayern München?

Uli Hoeneß: Im Jahr 1975 habe ich mich sehr schwer am Knie verletzt und musste mir Gedanken machen, wie es weitergeht. Ich war erst 23 Jahre alt und wusste, dass meine Spieler-Karriere nicht bis 35 dauern würde. Ich wollte aber unbedingt in diesem Geschäft bleiben, und nachdem mir klar war, dass ein Trainerjob nichts für mich wäre, habe ich dem damaligen Manager Robert Schwan immer wieder über die Schulter geschaut und gelernt. 1979 wurde ich dann von Präsident Neudecker gefragt, ob ich den Posten übernehmen wolle und nachdem es mit meinem Knie ohnehin nicht mehr viel Sinn machte zu spielen, habe ich angenommen. Und ich bin froh und sehr stolz, so lange beim FC Bayern zu sein.

Hätten Sie sich auch vorstellen können, diese 40 Jahre bei einem anderen deutschen oder gar ausländischen Verein wie Real Madrid oder Manchester United verbringen können?

Hoeneß: Nein. Wenn man mit 18 Jahren nach München kommt und dazu beitragen kann, aus dem FC Bayern das zu machen, was er heute ist, dann gibt es keine echte Alternative. Als Spieler hatte ich mal eine Anfrage von Real Madrid, als Manager wollte mich der damalige Fiat-Chef Gianni Agnelli zu Juventus Turin holen. Aber ich war nie wirklich bereit, aus München wegzugehen. Ich habe mein Herz an den FC Bayern verloren – diese Hingabe wäre auch bei keinem anderen Verein möglich gewesen.

Uli Hoeneß: Sein Leben in Bildern

Was hat es für Sie bedeutet, Anfang der 70er Jahre ein Angebot vom FC Bayern erhalten zu haben?

Hoeneß: Der Verein war ja damals erst gerade auf dem Weg, das Aushängeschild des deutschen Fußballs zu werden. Ende der 1960er Jahre war eigentlich noch der TSV 1860 die Nummer eins in München und der damalige Geschäftsführer der Löwen saß jeden zweiten Sonntag bei meinen Eltern in Ulm zum Kaffeetrinken. Von den Bayern habe ich erst ein Angebot bekommen, als Udo Lattek dort Trainer wurde, denn er kannte mich aus der Jugendnationalmannschaft. Udo hat mich dann mehr oder weniger überredet. Wäre Udo Lattek nicht Trainer geworden – ich wäre sehr wahrscheinlich nicht zum FC Bayern gegangen.

War damals die Identifikation eines Spielers mit dem Verein größer als heute?

Hoeneß: Das ist schwierig zu sagen. Damals hatte man keine großen Alternativen, der FC Bayern war in der Liga klar die Nummer eins und auch international gab es noch nicht die Vereine, bei denen man plötzlich das Zehnfache von dem verdienen konnte, was beim FC Bayern möglich war. Es gab also für viele Spieler schlichtweg keinen Grund, München zu verlassen.

Was macht für Sie die Faszination dieses Klubs aus?

Hoeneß: Als ich hier anfing, war der FC Bayern noch ein Verein, der größtenteils ehrenamtlich geführt wurde. Man hatte zwar Tradition und auch das Glück, dass sich Mitte der 60er Jahre die richtigen Spieler für den Verein entschieden, aber recht viel mehr gab es damals nicht. Uns allen zusammen ist es gelungen, daraus einen „Klub“ zu machen, ein mittelständisches Unternehmen, eine super Marke mit Weltruf. Der FC Bayern hat auf der ganzen Welt ein positives Image – und hat das mit eigenen Mitteln geschafft. Die Voraussetzungen hätten andere auch gehabt.

Haben Sie als junger Spieler schon geahnt, was einmal aus den Bayern werden könnte?

Hoeneß: Natürlich haben wir mit dem dreimaligen Gewinn des Landesmeisterpokals 1974, 1975 und 1976 einen Grundstein gelegt für das, was wir heute darstellen. Diese Erfolge haben stark dazu beigetragen, die Marke FC Bayern in die Welt hinauszutragen.

Zu Real Madrid gibt es viele Beinamen. „Mythos Real“, „weißes Ballett“, die „Königlichen“ oder die „Galaktischen“. Was wäre für den FC Bayern eine passende Umschreibung?

Die Rekordtransfers des FC Bayern

Hoeneß: Mir gefällt das Motto des FC Barcelona sehr gut, „més que un club“ – mehr als ein Klub. Beim FC Bayern könnte man das aber für deutsche Verhältnisse noch toppen: „Viel mehr als ein Klub“. Wir sind kein gewöhnlicher Fußballverein, der FC Bayern ist ein Kult, ein Gegenstand der Öffentlichkeit mit unglaublich großer sozialer Verantwortung. Der Klub polarisiert, ob positiv oder negativ, aber er lässt niemanden kalt. Das Ziel war, einen Verein zu schaffen mit Ecken und Kanten, mit Verantwortung und Erfolgen – diese aber nicht um jeden Preis und unlauteren Mitteln. Dass wir nie Schulden gemacht haben, hat uns auch bei jenen Respekt verschafft, die eher nicht auf unserer Seite stehen. Wir haben auch in schwierigen Zeiten versucht, mit unseren eigenen Kräften da wieder raus zu kommen. Das macht uns ziemlich einzigartig auf der Welt und deswegen werden wir sehr, sehr beneidet von all den Großen, die uns immer wieder fragen, wie wir es schaffen, mitzuhalten ohne Kredite aufzunehmen. Diese Leistung ist phänomenal.

Die erste Deutsche Meisterschaft 1932, der erste DFB-Pokalsieg 1957, der erste Europacupsieg 1967 – wie wichtig sind in der Historie des Klubs diese frühen Erfolge?

Hoeneß: Natürlich haben diese Erfolge auch eine große Bedeutung, wobei der Fußball erst mit der medialen Neuzeit einen ganz anderen Stellenwert bekommen hat, also ab dem Moment, als die Spiele auch zu Hause am TV-Gerät verfolgt werden konnten und man nicht mehr direkt vor Ort sein musste. Es war das große Glück des FC Bayern, dass er genau in dieser Zeit, ab Ende der 60er Jahre, eine erfolgreiche Mannschaft hatte, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Aber danach war alles harte Arbeit.

Anfang der 1990er Jahre ist der Fußball geradezu explodiert, aus Spielern wurden Medienstars. Hatten Sie das erwartet?

Hoeneß: Es gibt verschiedene Meilensteine auf dem Weg dorthin, wo wir heute stehen: Angefangen mit der Einführung der Bundesliga 1963, dann der Fall der Mauer 1989, mit dem die Zuschauerzahlen, vor allem beim FC Bayern, schlagartig angestiegen sind. Später der Einstieg des Privatfernsehens mit Fußball-Unterhaltungs-Sendungen wie Anpfiff oder ran. Zu Zeiten der Ur-Sportschau gab es die These: Je weniger Fußball man zu Hause sehen kann, desto mehr Leute holt man ins Stadion. Genau umgekehrt ist es gekommen! Je mehr Fußball im Fernsehen lief, desto mehr Leute gingen in die Stadien. Der bisher letzte wichtige Schritt war die Vergabe der WM 2006, mit der wir eine Stadion-Infrastruktur bekommen haben, die einzigartig ist auf der Welt. Das hat dazu geführt, dass ganz andere Zuschauerströme zu uns geflossen sind. Wir haben heute einen Frauenanteil von über 30 Prozent – weil sich die Leute einfach wohlfühlen und viel geboten bekommen.

Die Werbeverträge ließen plötzlich reihenweise Millionengehälter zu – dachten Sie damals nicht, Sie sind 20 Jahre zu früh geboren worden?

Hoeneß: Nein, niemals. Die Spieler verdienen heute natürlich alle um einiges mehr als wir früher, aber ich glaube, dass wir es schöner hatten. Wenn ich mich heute mit ehemaligen Mannschaftskollegen treffe und wir unterhalten uns, wie das damals bei uns war, dann haben wir sicher mehr Spaß beim Erzählen, als wenn sich die heutige Generation in 30 Jahren trifft. Wir mussten nicht bei jedem Lokalbesuch fürchten, von einer Handykamera abgeschossen zu werden, unsereins konnte auch mal in der Disco die Sau rauslassen, ohne dass er am nächsten Tag fürchten musste, dass es in der Zeitung steht. Alles in allem hatten wir weniger Geld, aber mehr Spaß.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews

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