
München - Die Auswärtsbilanz der Bayern-Baskets wird immer dramatischer. Jetzt soll ein Sportpsychologe helfen. Im tz-Interview erklärt Manfred Wegner die FC-Bayern-Blockade.

© Fishing4
Chevon Troutman (vorne.), Jared Homan & Co. wollen den Auswärtsfluch durchbrechen
Zehn Niederlagen in elf Spielen! Die Auswärtsbilanz der Bayern-Baskets wird immer dramatischer. Zu Hause demonstrieren die Roten dagegen zuverlässig, was wirklich in ihnen steckt. Zuletzt beim 87:83-Heimsieg gegen Ulm.
Coach Dirk Bauermann plant nun die Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen, um die Auswärtsschwäche zu bekämpfen. Im tz-Interview spricht Manfred Wegner (55), Professor für Sportpsychologie an der Universität Kiel, über mögliche Gründe für sportliche Blockaden und die Arbeit und Vorgehensweisen eines Sportpsychologen.
Herr Professor Wegner, die Bayern kämpfen derzeit gegen die Niederlagenserie in fremden Hallen. Coach Bauermann spricht von einer Blockade im Kopf. Wie entsteht so etwas?
Wegner: Da gibt es eine Reihe von Indikatoren. Beim FC Bayern ist beispielsweise die Feindseligkeit der gegnerischen Fans ein möglicher Auslöser. Wenn das Publikum einen Spieler auspfeift, ist es für ihn natürlich erheblich schwerer, die volle Leistung abzurufen. Außerdem gibt es auch die Möglichkeit der selbsterfüllenden Prophezeiung. Das bedeutet, dass die Spieler bereits mit einer negativen Erwartung an eine Partie herangehen. Läuft das Spiel dann nicht gut, gelingt es den Sportlern oft nicht, dagegenzusteuern.
Inwiefern kann ein Sportpsychologe helfen?
Wie sieht die Arbeit mit einem Psychologen konkret aus?
Wegner: Sie findet auf unterschiedlichen Ebenen statt: Das können Einzelgespräche mit Spielern sein, in denen man persönliche Ziele festlegt. Es wird auch mit der gesamten Mannschaft gearbeitet. Zum Beispiel, indem positive Momente, die das Team bei einer Partie erlebt hat, mithilfe einer Videokonfrontation zurück in die Köpfe geholt werden. Generell ist es wichtig, den Fokus weg vom Problem auf die Lösung und damit auf die Stärken zu lenken. Für die Bayern würde das bedeuten, sich darauf zu konzentrieren, erst einmal die Heimserie aufrecht zu erhalten und den Schwung dann in ein Auswärtsspiel zu nehmen.
Wird auch in der Praxis gearbeitet?
Wegner: Ja, an dieser Stelle ist eine enge Zusammenarbeit des Trainers und Sportpsychologen möglich, man spricht dann vom psychologisch orientierten Training. So kann beispielsweise der Druck in einer Freiwurfsituation simuliert werden, indem es für den Spieler im Training nur einen Versuch gibt und sich auch mögliche Konsequenz ergeben, wenn er nicht trifft. Es gibt auch die Möglichkeit unter Lärm zu trainieren, um das Abschirmen zu üben. Außerdem wird an kleinen Dingen wie der Körpersprache gearbeitet. Konkret heißt das für die Spieler: Sich auch nach einem Misserfolg aufrichten, nicht die Schultern hängen lassen! Das ist ein wichtiges Signal an die eigene Mannschaft und verhindert, dass der Gegner das Gefühl bekommt: Die habe ich jetzt.
Wie lange dauert es, bis durch Ihre Arbeit Erfolge erzielt werden können?
Wegner: Psychologisches Training ist ein systematisch geplanter Prozess. Es ist nicht so, dass da einfach ein Sportpsychologe vorbeikommt und alles wird gut. Der Athlet muss seinen Körper und seine Psyche in diesem Zusammenhang neu kennenlernen und sich vertrauen. So etwas braucht Zeit und muss erarbeitet werden.
lm



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.