
München - Im ersten Teil des großen tz-Exklusivinterviews spricht FC-Bayern-Coach Dirk Bauermann über sein Basketball-verrücktes Leben und verspricht den Fans die erste Meisterschaft.

© sampics
Mann mit Vorstellungen: Ex-Nationaltrainer Bauermann führte Bayern im ersten Jahr zum Aufstieg in die Bundesliga
Dirk Bauermann (54): Der Name steht für Erfolge, Visionen, Stärke – und seit zwei Jahren auch für den FC Bayern. Mit den Roten Riesen kämpft er im ersten Jahr in der Bundesliga um den Playoff-Einzug, am Samstag geht es in Frankfurt (20 Uhr, Sport1 live) um den zweiten Auswärtssieg der Saison. Am 28. Februar erscheint die Biografie des Ausnahmetrainers. Die tz traf den gebürtigen Oberhausener im Buchheim Museum am Starnberger See, in der Nähe seines Wohnortes. Im großen Exklusiv-Interview, das in zwei Teilen erscheint, sprach er über seine Karriere, seine Philosophie und den Menschen Dirk Bauermann.
Herr Bauermann, Sie sagen von sich, dass Sie 24 Stunden am Tag an Basketball denken. Gibt es gar keine Ausnahme?
Bauermann: Es stimmt, das ist schon komisch. Aber ich glaube, dass alle Trainer so sind: Der erste Gedanke am Morgen ist Basketball und der letzte am Abend. Das ist schon ein bisschen krank, das muss man so sagen. Trotzdem denke ich natürlich auch an alles Mögliche: Was ist gut für meine Tochter? Was sollte sie studieren? Wie kann ich ihr helfen, dass alles in den richtigen Bahnen läuft? Man hat ja auch abseits von basketballerischen Themen Probleme, die man lösen muss.
Was tun Sie, um in Ihrer Freizeit den Kopf freizukriegen?
Bauermann: Zum Abschalten mache ich am liebsten Sport. Im Sommer bin ich gerne mit dem Rennrad unterwegs, momentan sitze ich nur auf einem Hometrainer. Ich bin keiner, der bei diesen Temperaturen Mountainbike fährt – da gibt es ja durchaus ein paar, die das machen. Aber bei so etwas werde ich nur krank, das hat keinen Sinn. Ansonsten bleibt nicht viel Freizeit. Ich muss mich ja auch um meinen griechischen Assistenztrainer Yannis Christopoulos kümmern (lacht). Der ist alleine hier in München und hat sich jetzt sogar schon einen Hund gekauft, weil ihm so langweilig war. Insofern bleibt wirklich nicht viel Zeit. Und wenn, dann muss ich eben Sport treiben – das ist wichtig, damit die Pumpe bei dem ganzen Stress mitmacht. Dabei schaue ich hin und wieder amerikanische Serien.
Eine bestimmte?
Bauermann: Californication. In den vergangenen sechs Wochen habe ich alle Staffeln gesehen.
Und welches Buch, das nicht mit Basketball zu tun hat, haben Sie zuletzt gelesen?
Wie lange dauert es, bis Sie daheim vom Coaching-Modus in den Alltagsmodus umschalten?
Bauermann: Nie! Ich glaube nicht, dass das wirklich immer gut ist. Aber Basketball verfolgt mich eigentlich immer. Es kann schon mal vorkommen, dass ich gerade spazieren gehe und dann fallen mir Spielzüge ein. Das hat natürlich damit zu tun, dass jeder Tag anders ist: Wir haben immer neue Gegner, neue Probleme und die Mannschaft entwickelt sich ständig in eine andere Richtung. Da muss ich steuern, Entscheidungen treffen usw. Aber Trainer sein ist eben nicht nur Beruf, sondern Berufung – es macht mir einfach Spaß. Und so würde auch nie sagen: ich Armer, dass ich da nicht von loskomme! Basketball ist mein Leben und meine Leidenschaft. Insofern ist es überhaupt nicht belastend.
Sie sind in Ihrer Karriere viel herumgekommen, haben viele Menschen getroffen. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?
Bauermann: Hier beim FC Bayern sind das Uli Hoeneß mit seinem großen Charisma und Bernd Rauch mit seiner emotionalen Kraft. Die beiden sind Persönlichkeiten, wie ich sie bisher noch nicht habe kennenlernen dürfen. Auch mein Vater und meine Mutter waren sehr wichtig für mich. Die beiden haben mir immer einen Halt gegeben und waren eine Orientierungshilfe. Bei den einzelnen Stationen meiner Karriere gab es natürlich weitere bedeutsame Weggefährten, wie Ron Adams, meinen Cheftrainer an der Uni in Fresno, wo ich von 1986 bis 1988 als Assistenzcoach gearbeitet habe. Ron ist heute noch ein guter Freund. Dann gab es da noch meinen Mentor Ed Gregory, der mich in meinen ersten Jahren in den USA begleitet hat und von dem ich viel gelernt habe. Otto Reintjes, Manager in Leverkusen, der mir 1989 die Chance gab, Chefcoach zu werden und Wolfgang Heyder, Manager in Bamberg, waren ebenfalls bedeutsam für mich. Und natürlich Freunde: Ich habe zwar nicht viele – ich glaube, das ist auch schwierig, wenn man immer drei Jahre hier, drei Jahre dort ist – aber ich habe sehr gute Freunde. Die würden die Hand für mich ins Feuer legen, und umgekehrt.
Wie haben Sie sich im Laufe Ihrer Karriere verändert?
Bauermann: Ich glaube, dass ich viel fester und stabiler in meinen Überzeugungen geworden bin, sodass ich sehr genau weiß, was ich will, welche Schwerpunkte mir wichtig sind. Als junger Trainer sucht man immer nach Lösungen und Antworten, alles ist neu und jede Situation muss zum ersten Mal durchgestanden werden. Nun habe ich ein relativ stabiles System von Überzeugungen in den unterschiedlichsten Bereichen: Basketballerisch, menschlich und im Umgang mit Spielern, Verantwortlichen und den Medien. Bei all dem ist es aber wichtig, dass man sich nicht so verändert, dass man sich nicht wieder erkennt. Wenn beispielsweise die Wahrnehmung ist, dass ich arrogant oder unnahbar bin, weil ich vor Spielen hochkonzentriert bin, dann kann man das eben nicht ändern. Ich kann jetzt nicht plötzlich lächelnd durch die Gegend gehen, damit niemand mehr so etwas vermutet – das will ich auch nicht. Deshalb habe ich nie einen PR-Berater gehabt, der mir sagt, wie ich mich geben soll. Ich glaube, es kommt als Trainer darauf an, dass man sich selber treu bleibt – nur dann ist man glaubwürdig und erfolgreich.
Sie sagen von sich, immer das Optimum aus einer Sache herausholen zu wollen. Wie findet man da die Balance?
Bauermann: Das ist schwierig. Ich muss ständig an mir arbeiten, um den eigenen Wunsch nach Perfektion nicht an den Spielern auszulassen, sondern zu verstehen, dass das Menschen sind, die Fehler machen. Mein Team besteht aus vielen jungen Spielern, die häufig auch noch suchen und nicht die Erfahrung haben, über die ich verfüge. Insofern haben sie noch das Recht, mehr Fehler zu machen, als ich sie mir zugestehen würde.
Ist das der Grund, warum Sie nach den bittersten Niederlagen nie die Fassung verlieren und immer selbstbewusst auftreten können?
Bauermann: Ich glaube, dass Führung mit dem eigenen Beispiel wichtig ist. Man sollte nie den Glauben an die eigene Stärke zu verlieren! Und das vermittle ich dem Team mit meinem Auftreten. Außerdem ist es wichtig, mit dem Herzen zu führen und die Begeisterung, die man für die Aufgabe, die Sportart empfindet, immer spürbar werden zu lassen. Ich denke, das gibt den Jungs eine Menge Energie. Am Ende können nur begeisterte Menschen begeistern.
2007 ging Ihre Freude über den Meistertitel in Bamberg so weit, dass sie sich die Haare abrasieren ließen. Was machen Sie, wenn’s mit dem Titel in München klappt?
Bauermann: Da haben wir noch keine Wette laufen. Das ist in diesem Jahr auch zu früh. Aber ich bin mir absolut sicher, dass wir in den nächsten drei bis fünf Jahren mindestens eine Meisterschaft gewinnen werden. Und dann kann ich mir gerne wieder die Haare abrasieren.
Interview: Lena Meyer



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