Voll konzentriert starrt Maria Bellan (89) auf den Bildschirm vor sich. Dann nimmt die Seniorin Anlauf, geht leicht in die Knie und zieht den rechten Arm nach vorne.

© M. Westermann
Volltreffer! Mehrmals die Woche treffen sich die Bewohner des AWO-Dorfs im Haselbergl, um per Spielkonsole am TV in einen Kegel-bzw. Bowling-Wettstreit zu treten. Bewohnerin Maria von Vietinghoff ist eine der besten Spielerinnen.
Auf der Mattscheibe rast eine Kugel auf die Kegel zu. Dann knallt es! „Ja, ich hab alle erwischt!“, jubelt die 89-Jährige und reißt die Arme nach oben. Die anderen Bewohner des AWO-Seniorenheims im Hasenbergl klatschen begeistert. „Jetzt bin ich dran“, ruft jemand aus der Runde.
Der Kegeltreff im Heim: Er ist ein nettes Beispiel dafür, wie aktiv Münchens Senioren längst sind. Mehrmals die Woche „zocken“ die Hasenbergler per Spielkonsole Wii in ihrem Altenheim. „Das macht allen einen riesigen Spaß und ist aVoll konzentriert starrt Maria Bellan (89) auf den Bildschirm vor sich. Dann nimmt die Seniorin Anlauf, geht leicht in die Knie und zieht den rechten Arm nach vorne. Auf der Mattuch noch ein nettes Fitnessprogramm“, erklärt Heimleiter Christian Schulz. Für Laien: Der Spielcomputer für den Fernseher ermöglicht es nämlich, mit einer speziellen Fernbedienung in der Hand Bewegungen des Körpers auf den Bildschirm zu „transportieren“. Bedeutet: Wer Tennis spielen will, muss den Schläger durchziehen, wer skispringt, muss in die Knie und abheben und wer kegeln will, muss halt die Kugel werfen. „Das ist toll“, fasst Maria Bellan den Spaß zusammen. Mittlerweile spielen die Heimbewohner sogar schon kleine interne Bowling- und Kegel-Meisterschaften aus. Schulz: „Hier sind alle völlig begeistert von dem modernen Ding.“
Modern – das ist das Stichwort. Wer glaubt, in Alten- und auch Pflegeheimen vegetieren die meisten Bewohner generell nur vor sich hin, täuscht sich oft gewaltig. Immer mehr Häuser bieten immer mehr Unterhaltungs- und Gesundheitsaktionen an. Das geht vom Italienisch- und Internetkurs bis hin zur Selbstverteidigungsschulung, vom Schachabend über den Flamenco-Tanz bis hin zum Gospelchor. Altersgrenze gibt es dabei keine. Dazu kommt: Die immer vielfältigeren Angebote werden nicht auf die Beine gestellt, um die Alten zu beschäftigen – die Bewohner fordern sie vielmehr. „Weil die viel lebensfroher sind und sich viel jünger fühlen, als die meisten Menschen immer denken“, sagt Christian Schulz.
Die neuen Alten – dass sie wirklich immer jünger und moderner werden, ist sogar wissenschaftlich bewiesen. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte das Max-Planck-Institut zu diesem Thema eine brandneue und hochspannende Untersuchung. Zehn Jahre lang hatten die renommierten Wissenschaftler bei über 70-Jährigen untersucht, wie groß der Unterschied zwischen ihrem wirklichen und ihrem gefühlten Alter ist. „Die 516 Teilnehmer unserer Studie fühlten sich durchschnittlich 13 Jahre jünger als es ihrem Lebensalter entsprach“, fasste Forscherin Anna Kleinspehn-Ammerlahn das Ergebnis zusammen. „Das Überraschende für uns war, dass sich an dieser Einschätzung im Laufe des Beobachtungszeitraums so gut wie nichts änderte.“ In anderen Worten: Egal, ob die Menschen 90 oder 80 Jahre alt waren – sie fühlten sich im Schnitt immer 13 Jahre jünger. Woran das liegt? Der heute 80-Jährige ist viel fitter als der Gleichaltrige noch vor 40 Jahren. Und: Es zeigte sich dadurch auch, dass die Älteren weitaus aufgeschlossener gegenüber Neuem sind, als es noch ihre Vorgänger-Generation war.
Wie aufgeschlossen und wie fit, zeigt derzeit auch das Beispiel der „Albertinum Girls“ aus Neu-Ulm. Immer wieder sorgen die energiegeladenen Seniorinnen für Schlagzeilen. Gemeinsam bringen die elf betagten Damen 871 Jahre Lebenszeit zusammen – und dennoch nahmen die begeisterten Sängerinnen in ihrem Heim einen poppigen Rap-Song auf. Der Titel: „Mir ham viel Spaß g’habt.“ Der Ohrwurm wurde dann ins Internet gestellt – und seitdem Tausende von Malen angeklickt. Sogar eine eigene Webseite haben die rüstigen Sängerinnen – unter www.albertinum-girls.de. Dort kann man ihr neuestes Video ansehen, laszive Bilder der Damen begutachten (sogar in der Badewanne!) oder gar Fan-Artikel von den bayerischen Seniorinnen kaufen. „Wir fanden das halt alles pfundig und es war einfach mal was komplett Neues“, erzählt Vorsängerin Johanna Müller (88) über das erfolgreiche Lied-Projekt. Schnell macht sie klar: Im Altenheim nur rumsitzen und lesen – das wäre nichts für sie und ihre Freundinnen. Übrigens: Die jüngste in der „Girls-Band“ ist 69 Jahre alt – die älteste 92. Wie man da gerade darauf kam, ein Rap-Lied aufzunehmen? „Das Ganze ist im Sommer entstanden“, erklärt Seniorenbetreuer Georg Hieber, der zugleich auch der Komponist des Songs ist. Der moderne Sprech-Wechsel-Gesang sei einfach poppig gewesen. „Alle waren mit Wonne sofort dabei.“
Armin Geier
Quelle: tz
zurück zur Übersicht: Zukunft Alter

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

Lust auf Urlaub? Hier finden Sie alles rund um das Thema Reise: Reportagen, Tipps, Infos und Reise-Specials.Mehr...