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Bluthochdruck: Medikamenten-Tipps von Kardiologen

Bluthochdruck: Diese Medikamente helfen

München - Unter Bluthochdruck leidet rund jeder zweite Erwachsene. Doch man kann etwas dagegen tun. Welche Medikamente gegen die tückische Volkskrankheit helfen und welche Nebenwirkungen sie haben - wir klären auf!

© dpa

Bei der Bluthochdruck-Therapie werden oft mehrere Medikamente kombiniert.

Diagnose Bluthochdruck – diese tückische Volkskrankheit trifft Deutschland mitten ins Herz, und zwar gleich in doppelter Hinsicht: Denn Hypertonie, wie die Mediziner sagen, kostet die Patienten auf Dauer die Gesundheit – und unser Versicherungssytem gigantisch viel Geld.

Allein die gesetzlichen Krankenkassen blättern jährlich rund 3,2 Milliarden Euro für die verschiedenen Bluthochdruck-Medikamente ihrer Kunden hin.

„Dass ein Hypertoniker bis zu acht Tabletten am Tag einnehmen muss, ist ­keine Seltenheit“, erläutert Professor Dr. Karl-Ludwig Laugwitz vom Klinikum rechts der Isar. „Eine Wochen­dosis von Medikamenten der neuen Generation kann 180 bis 200 Euro kosten.“

Krankenkassen übernehmen Medikamente

Ein kleiner Trost für die Bluthochdruckpatienten: Alle Pillen der fünf wichtigsten Wirkstoffgruppen werden von der Kasse übernommen. Denn die Arznei ist immer noch billiger als die Behandlung der gefährlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die von Hyper­tonie verursacht werden. Die schlägt nämlich mit ungefähr 35 Milliarden Euro jährlich zu Buche. Und manchmal kommt’s sogar noch dicker: Jedes Jahr gehen 300 000 Todesfälle auf Grund von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Nierenversagen in die Sterbe-statistik ein, die auf die Ursache Hypertonie zurückzuführen sind.

Die Liste der Risikopatienten ist lang: ­Unter arteriellem Bluthochdruck und daraus folgenden Organschäden leidet jeder zweite Deutschen über 50 Jahren.

Welche Medikamente helfen gegen die Volkskrankheit? Wie wirken diese Präparate eigentlich? Und welche Nebenwirkungen haben Sie? In der tz erklärt der Kardiologe Laugwitz die Pillen, die Millionen Deutsche täglich schlucken.

Bluthochdruck-Medikamente im Überblick

Wirkstoffgruppe/

Medikament

Wirkungsweise

Nebenwirkungen

ACE-Hemmer

z.B. z. B. Ramipril, Delix, Xanef

ACE ist eine englische ­Abkürzung für ein körpereigenes Eiweiß. Es heißt „Angiotensin Converting Enzym“. Das ACE wandelt im Bereich der Niere Angiotensin I in das Hormon Angiotensin II um. AT-II, so die medizinische Abkürzung, macht die Blutgefäße enger, dadurch steigt der Druck. Umgekehrt bedeutet das: Wird die Bildung von AT-II gehemmt, bleiben die Gefäße weiter – und der Druck sinkt.

– Trockener Husten – Schwindel – Müdigkeit – Kopfschmerzen Generell gilt: Diese Symptome stellen sich manchmal ein, weil der Patient hohen Blutdruck gewohnt ist und sein Körper sich zum Beginn der Therapie erst auf den geringeren Druck einstellen muss. – Einschränkung der Nierenfunktion.

Angiotensin-II-Antagonisten z. B. Olmetec,. Diovan, Lorzaar

Dadurch werden die Andockstellen von AT-II an den Blutgefäßen blockiert. AT-II kann seine verengende Wirkung nicht mehr entfalten.

– Ähnlich wie bei den ACE-Hemmern, aber kein Husten – Manchmal kann es zu Verdauungsstörungen oder Hautreaktionen kommen. – Einschränkung der Nierenfunktion

Betablocker z. B. Metoprolol, Concor, Beloc

Das älteste Medikament zur Behandlung von Bluthochdruck, seit 50 Jahren auf dem Markt. Es blockt die Beta-Rezeptoren am Herzen. Die Folge: Körpereigene Substanzen wie beispielsweise Adrenalin, die das Herz-Kreislauf-System anregen, kommen nicht mehr durch. Dadurch verlangsamt sich der Herzschlag, und der Blutdruck sinkt.

– Weil auch andere Organe Beta-Rezeptoren haben, können Patienten Durch­blutungsstörungen bekommen, zum ­Beispiel kalte Hände und Füße, oder Verdauungsprobleme. – Potenzstörungen – Schlechtere Belastbarkeit – für Asthmatiker ungeeignet.

Kalzium-Antagonisten z. B. Verapamil, Norvasc

Die Muskelzellen an den Wänden der Blutgefäße brauchen Kalzium, um sich anspannen und damit verengen zu können. Wird dieser Mechanismus unterbrochen, bleiben die Gefäße weit.

– Schwellungen an den Unterschenkeln – Manchmal entspannen sich die Gefäße zu stark, das Herz erhöht als Gegenmaßnahme die Schlagfrequenz. Das empfindet der Patient als Herzklopfen.

Diuretika z. B. Furosemid, HCT, Torem

Im Volksmund auch Wassertabletten genannt. Sie werden gerne in Kombination mit anderen der oben genannten Präparate verschrieben. Diuretika entwässern. Dadurch sinkt das Blutvolumen, das Herz wird entlastet, es muss weniger stark pumpen. Der Druck sinkt.

– Müdigkeit – Muskelkrämpfe – Verstopfung – Abfall der Kaliumkonzentration im Blut (Hypokalzämie)

Bei der Bluthochdruck-Therapie werden oft mehrere Präparate miteinander kombiniert. Professor Laugwitz beschreibt eine Faustregel: „Mit einer Tablette kann man den Blutdruck durchschnittlich um 10 mmHg senken.“ Welche Wirkstoffe kombiniert werden, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Die Therapie muss auf mögliche Nebenerkrankungen abgestimmt werden. Laugwitz: „Die genaue Kombination und Dosierung muss mit den Ärzten besprochen werden – etwa, ob er übergewichtig ist, an Diabetes, Asthma oder Niereninsuffizienz leidet.“ 

Andreas Beez

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