Es beginnt beim Kerosin und endet mit der Klimaanlage im Hotel: Kann man angesichts der Klimadiskussion eigentlich heute noch reinen Gewissens verreisen?

© dpa/Tenerife Tourism
Unsere Autorin Monika Reuter suchte Antworten auf der kanarischen Ferieninsel Teneriffa, die sich jenseits von Bettenburgen und Beton als neue Öko-Destination profilieren will.
Es sind mehr die kleinen, unauffälligen Dinge, mit denen hier Energie gespart wird. Manche sind kaum zu spüren, wie die automatische Ausschaltung der Klimaanlage bei Öffnung der Terrassentür. Manche kann man auch nur erfragen.
„Wir haben 10.000 Quadratmeter Photovoltaikzellen auf dem Dach“, gibt Umweltbeauftragter Lista gern Auskunft. „Die Hälfte für den Hotelbetrieb, die zweite Hälfte für das städtische Netz. Im übrigen sei auf Teneriffa seit letztem Jahr für Fünf-Sterne-Hotels eine Umweltzertifizierung verbindlich vorgeschrieben.
Weil Nachhaltigkeit auch beim Massentourismus immer mehr ins Blickfeld gerät, haben jetzt auch die Reiseveranstalter das Thema aufgegriffen. So gehört zur Gästebefragung von TUI (deren Ergebnisse im Katalog angeführt sind) seit 2011 auch das Kriterium „Umwelt“. Außerdem werden Hotels, die auf Nachhaltigkeit setzen, mit dem Signet Umwelt Champion prämiert.
Zu den besonderen Attraktionen von Teneriffa gehört die Beobachtung von Walen und Delfinen. 22 Arten leben vor der Küste, insgesamt über 500 Tiere, denen man mit Schiffen sehr nahe kommen kann. Hier tritt der Verein Futouris in Aktion: In dem Verband entwickeln Reiseveranstalter wie TUI, Thomas Cook und Airtours zusammen mit lokalen Organisationen Projekte zur Nachhaltigkeit im Tourismus.
Generell empfiehlt der Veranstalter seinen Gästen, dafür freiwillig zwei Euro Abgabe zu leisten, zu denen das Unternehmen dann noch einmal 50 Cent drauflegt.
Geld allein verringert freilich kein CO2. Die freiwillige Kompensationszahlung fließt deshalb in Klimaschutzprojekte, die die Schweizer Stiftung Myclimate weltweit organisiert (myclimate.org). Dabei geht es vorwiegend um den Ersatz fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien, insbesondere in armen Ländern. Zu den Projekten, die der Fluggast mitfinanzieren kann, gehören energieeffiziente Kochöfen in Kenia und Peru oder ein Windpark in der Türkei, Strom aus Biogas auf Papua-Neuguinea. Auch wenn das nicht bis ins letzte Gramm nachzurechnen ist – wer die freiwillige Abgabe entrichtet, hat zumindest gute Chancen, mit seinem Urlaub der Umwelt nicht zu schaden.
REISEZIEL Teneriffa ist eine der kanarischen Inseln, die zu Spanien gehören. Sie liegt 300 Kilometer westlich vom afrikanischen Festland auf der Höhe der Südgrenze von Marokko. Auf der Insel gibt es 150 000 Hotelbetten. Pro Jahr verbringen hier fünf Millionen Touristen ihren Urlaub, davon 650.000 aus Deutschland. Die Urlauber bleiben im Schnitt sieben Tage, die Deutschen zehn. 120.000 Bundesbürger – meist Pensionäre und Freiberufler – leben ganzjährig auf Teneriffa. Mittlerweile gibt es hier drei deutsche Schulen.
ANREISE Zum Beispiel mit TUIfly. Die Charter-Airline fliegt in der Sommersaison 2011 dreimal wöchentlich von München nach Teneriffa, mittwochs, samstags und sonntags. Ab ca. 450 Euro, die Flugpreise sind tagesaktuellen Schwankungen unterworfen.
REISEZEIT Ganzjährig. Wegen ihres angenehmen Klimas werden die Kanaren auch gern „Inseln des ewigen Frühlings“ genannt. Auf Teneriffa liegen die Temperaturen im Januar zwischen 15 und 21 Grad, im August zwischen 20 und 29 Grad. Im Norden ist es etwas kühler und häufig bewölkt. Auf dem höchsten Berg, dem 3718 Meter hohen Teide, kann es im Winter auch schneien.
WELCHER REISETYP Naturliebhaber, Wanderer, Sonnenanbeter.
WOHNEN Eine Woche im Umwelt Champion-Hotel Jardines de Nivaria in Costa Adeje kann mit Flug ab/bis München ab 934 Euro gebucht werden. Im Jardin Tropical (4,5 Sterne) an der Promenade von Adeje kostet die Woche mit Flug ab 839 Euro. Das Hotel (390 Zimmer) ist in alter maurischer Bauweise errichtet, asymmetrisch, mit kleinen Fenstern, vielen Öffnungen und Türmchen. Hier ist die Luft ständig in Bewegung, die Wärme zieht wie durch einen Kamin nach oben ab, so dass allenfalls in den Zimmern eine Klimaanlage gebraucht wird. Gleich hinter der Promenade schließt sich der Beach Club des Hotels mit Meerwasserpool an.
ÖKO-DORF Das Öko-Dorf von ITER ist eine interessante Sammlung ungewöhnlicher Gebäude – und zugleich ein Labor für bioklimatische Experimente: Die aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangenen CO2-neutralen Häuser sind modern eingerichtet und können tageweise gemietet werden. Ein Vier-Personen-Haus kostet 200 Euro pro Nacht, ein größeres für sechs Personen 280 Euro. Nur für Selbstversorger, da kein Restaurant in der Nähe. Spannend für Architektenfamilien und Umweltinteressierte. Infos im Internet http://casas.iter.es.
ESSEN Unbedingt die kleine lokale Banane probieren. Sie heißt „platano“ und wird erst gegessen, wenn sie kleine Punkte hat – dann ist sie vollreif. 25.000 Familien leben auf den Kanaren vom Bananenanbau.
WEITERE INFOS Spanisches Fremdenverkehrsamt in Frankfurt, Tel. 069/72 50 33, Prospektbestellung und Infos online unter www.spain.info/de und www.webtenerife.de. Info-Hotline unter 00 34/902 00 31 21. Infos zum Thema Reisen und Umwelt unter www.futouris.org.



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.