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TV-Kritik: Raumgreifend - fast ohne Schwallungen!

TV-Kritik: Raumgreifend - fast ohne Schwallungen!

Peking - Willkommen in den Pekinger Luftfeuchtgebieten! Gefühlte 134 Stunden übertrugen ARD und ZDF allein vom ersten Olympia-Wochenende.

Sehr angenehmer Auftritt: Franziska van Almsick.

© Heinrich/ARD

Sehr angenehmer Auftritt: Franziska van Almsick.

Und, man muss es zugeben – der TV-Mix war fantastisch. Vergiftete Grillen, gewalttätige Judo-Reporter, ein mutmaßlich verhafteter Poschi – mehr kann kein Mensch verlangen für seine Gebühren. Wir sagen Ihnen, was wir toll fanden, und was weniger.

Toll:Olympia bei Nacht. DFB-Pokal um 20.30 Uhr anschauen ist feige – das kann jeder. Aber wer sich nachts um halb fünf Frauenfliegengewichtheben reinzieht – der qualifiziert sich zum echten Sportfreak. Leider entpuppte sich das blasse ARD-Nachtgespenst, Moderator Michi Antwerpes, als ein wenig einschläfernd. Dafür war Reit-Poet Carsten Sostmeier, der Goethe der Pferdeställe, gleich in der ersten Nacht in Gold-Form und überlieferte „raumgreifende Galoppaden ohne Schwallung im Ritt“. In Schwallung gerieten wir dagegen in unserer ersten gemeinsamen Nacht mit Professor Steinbrecher, aber dazu später.

Auch toll:Gewalt beim Frühstück. Wer am Samstag früh um acht schon zuschaute, wurde von ARD-Reporter Guido De Santis zu Gewaltausübung aufgefordert. „Man darf auch würgen“, empfahl der Mann vom Ersten – natürlich nur beim Judo. Später nahm Monica Lierhaus den Gewalt-Faden dankbar auf. Moni vermeldete Erschütterndes vom Beachvolleyball, wo monströse Grillen, vom Flutlicht verschmort, „wie Steine vom Himmel auf die Sportler fallen“. Doch Reporter Claus Lufen entwarnte: „Keine Grillen mehr da, alle eingefangen oder vergiftet – den Chinesen ist alles zuzutrauen.“ Wir wissen es besser, Lufi: Kollege De Santis hat die Viecher eigenhändig erwürgt.

Nicht toll:Wiederholungen. Dass das Schwimmstadion Wasserwürfel heißt, und dass es in Peking ganz viel Wetter hat, wissen wir jetzt – man muss es uns nicht alle drei Minuten neu erzählen. Denn teilweise erinnert Olympia-TV an einen länglichen Wetterbericht. Florian Schweiß-Naß überträgt vom dampfigen Radfahren, Moni friert endlich wieder, weil es im Studiogang nur 13 Grad hat – und das Erste hat eine eigene Leuchtfeuchtigkeits-Beauftragte. Meteorologin Silke Hansen erforscht als Kachelfrau regelmäßig die Schwülegrenze, genau wie Beckmann bei seinen Interviews.

Auch nicht toll:Bayern-Diskriminierung. Früher gab’s beim ZDF mal Kommentatoren, die man verstanden hat – ein herrlicher alter Ausschnitt von Harry Valérien 1984 bewies es gestern. Dann verbot Sportchef Kürten („Ich kann dieses Bayerisch nich mehr hören“) den Sappradi-Speak, und das Elend nahm seinen Lauf. Deshalb begrüßt uns „Stoney“ Steinbrecher Sonntachfrüh um 2.25 Uhr mit „Ich sach ma schön’ gun Morgen“ aus Peking, und empfiehlt beim Blick auf den Sendeplan „Kuckense ma ran“. Danach gibt er ab zum „Schwümmn“ (in den Wasserwürfel). Wir fordern Zweikanal-Ton!

Wirklich toll:Insgesamt machte der Olympia-TV-Start aber Spaß bzw. „doll viel Spass“, wie Stoney sagen würde. Besonders doll: Harald Schmidt ließ sich von einer Massage-Fachkraft schröpfen, Schwimm-Franzi gab als ARD-Expertin beim Wasserwürfeln optisch wie fachlich eine sehr gute Figur ab und von Poschi keine Spur. Gerüchte berichten von einer vorsorglichen Verhaftung durch die chinesische Geheimpolizei. Wir halten Sie auf dem Laufenden – und geben ab in den Wasserwürfel, wie das Schwimmstadion angeblich heißt.

Quelle: tz

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