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TV-Kritik: Die tz macht den Eurosport-Test!

TV-Kritik: Die tz macht den Eurosport-Test!

Peking - Erschütterndes Ergebnis unserer repräsentativen Olympia-TV-Umfrage.

Splitscreen statt Moderator: Eurosport macht’s vor

© Eurosport/Heinrich

Splitscreen statt Moderator: Eurosport macht’s vor

Wir haben uns bei unseren Verwandten und Bekannten und bei den Bekannten unserer Verwandten erkundigt, auf welchem Sender sie lieber Olympia schauen. ARD oder ZDF? Moni oder Michi? Fünf von sieben Befragten antworteten: Weder noch – wir schauen Eurosport! Dort kommt wenigstens kein Doping vor. Es muss also was dran sein am ungedopten Eurosport-Olympia. Deshalb haben wir uns gestern ZDF-frei genommen und verraten Ihnen, ob sich das Umschalten lohnt.

Keine Moderatoren:Auf Eurosport gibt es keine Monica und keinen Michael, die Ihnen nach einem Olympia-Event noch mal in aller Ruhe erklären, was Sie eh gerade gesehen haben: „Mönsch, was für’n Krimi, gerade noch ma gutgegangen bei Timo Boll im fünften Satz.“ Der Sender hüpft ratzfatz und Steinbrecher-frei von Schauplatz zu Schauplatz. Für die Arbeitsplätze in der Steinbrecher-Industrie ist das ein Problem, für den aufgeweckten Zuschauer eher nicht.

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Kein Schwatz-Rot-Gold:Weil Eurosport für etwa 141 europäische Länder gleichzeitig überträgt, entfällt die manische Fixierung von ARD und ZDF auf deutsche Sportler. Im praktischen Beispiel: Während das Erste beim Hammer-Männerwerfen ein Interview mit dem ausgeschiedenen deutschen Starter Esser führte, der seine Tochter grüßen durfte, sprach Eurosport mit dem Olympiasieger. Eigentlich gar keine schlechte Idee.

Live is live:Eurosport hat eine tolle Sache erfunden: Oben rechts auf Ihrem Bildschirm können Sie das Sender-Logo erkennen, unter dem manchmal „Live“ steht, und manchmal nicht. Sie wissen also immer, ob Sie gerade live in Peking dabei sind, oder nicht. Ist das nicht phantastisch? Das kriegen ARD und ZDF bis London 2012 vielleicht auch noch hin. Deshalb wussten Sie gestern früh um 5.50 Uhr, dass Sie auf Eurosport live das Drama um den Hürden-Chinesen Liu Xiang miterleben, während Poschi im ZDF erst 20 Minuten später so tat, als wäre er live auf dem Sender.

Exotische Sprachen:Sie lernen viele deutsche Dialekte kennen auf Eurosport – unschöne, wie beim Turnexperten Sylvio Kroll aus der Niederlausitz, und schöne, wie bei Sigi Heinrich. Der Mann aus Wolfratshausen ist Balsam für unsere jeden zweiten Tach vom ZDF geschlagenen Wunden. Er lässt es rrrrubenbauern im Vogelnest, auch wenn’s nicht immer politisch korrekt zugeht. Gestern meinte er über einen chinesischen Hürdenläufer: „Ein China-Mensch ist auch dabei in diesem Durchgang.“

Kein Doping:Halt, stopp, stimmt gar nicht. Zumindest Herr Heinrich, der im Internet gern als Doping-Naivling bezeichnet wird, nennt die Dinge bisweilen durchaus beim Namen. „Das sind Leistungssprünge, die sind eigentlich gar nicht möglich“, meinte er zum Mutanten-Weltrekord von Usain Bolt. Und gestern haderte er: „Wenn man das alles liest, möchte man die Kopfhörer am liebsten hinwerfen!“

Keine Scheu vor nackten Tatsachen:Meistens sitzen die Eurosport-Kommentatoren zu zweit am Mikro, und dabei gibt’s manchmal recht lustige Dialoge zu hören. Gestern philosophierten beim Kanu Gerhard Leinauer und Olaf Winter über, öhmpf, freizügige Fotos der Kanutin Nicole Reinhardt. „Hast du sie schon gesehen, ohne die störenden Hüllen?“ „Muss ich mir noch holen, den Playboy.“

Fazit:Schöne Frauen, bayerische Menschen, kein Steinbrecher – es spricht einiges für Eurosport. Da halten wir sogar die viele Werbung tapfer aus.

Jörg Heinrich

Quelle: tz

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