018.10.09|Welt
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Madrid - Mehr als hunderttausend Menschen haben in Madrid gegen die geplante Lockerung des restriktiven Abtreibungsrechts in Spanien protestiert.

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Mehr als hunderttausend Menschen haben in Madrid gegen die geplante Lockerung des Abtreibungsrechts in Spanien protestiert.
Unter dem Motto “Jedes Leben zählt“ zogen die Demonstranten am Samstagabend durch das Zentrum der spanischen Hauptstadt. Zu der Kundgebung hatten rund 40 Organisationen mit Unterstützung der katholischen Kirche und der oppositionellen Volkspartei (PP) aufgerufen. In 500 Bussen und in Sonderzügen waren die Demonstranten aus ganz Spanien nach Madrid gekommen. Die Veranstalter sprachen von bis zu zwei Millionen Teilnehmern. Unter ihnen war auch der frühere Ministerpräsident José María Aznar (PP).
Die Reform sieht vor, dass Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren ohne Zustimmung der Eltern über eine Abtreibung entscheiden können. Dies stößt in der Öffentlichkeit auf besonders großen Widerstand. Das Gesetz muss noch vom Parlament verabschiedet werden. Die dafür notwendige absolute Mehrheit scheint gesichert. Die PP kündigte für diesen Fall eine Klage vor dem Verfassungsgericht an.
Die Bischofskonferenz kritisierte, das Gesetz sei ein Versuch, “die Vernichtung von Menschen“ sowie unmoralische Verhaltensweisen rechtlich zu legitimieren. “Ein Volk, das seine Kinder tötet, ist ein Volk ohne Zukunft.“ Eine der an dem Protest teilnehmenden Organisationen bezeichnete die Abtreibung als “stillen Holocaust“. Die Regierung konterte, Ziel der Reform sei es, den Frauen bei der “schweren und schmerzvollen Entscheidung“ für eine Abtreibung rechtliche Sicherheit zu bieten. Wie andere Länder Europas müsse auch Spanien sich der sozialen Realität stellen.
Nach der derzeitigen Gesetzgebung aus dem Jahre 1985 sind Abtreibungen in Spanien grundsätzlich verboten. Zugelassen sind sie nur in Ausnahmefällen wie nach Vergewaltigungen, bei Missbildungen des Fötus oder bei Gefahren für die physische oder psychische Gesundheit der Schwangeren. Der letzte Punkt lässt einen weiten Ermessensspielraum zu. Die große Mehrheit der rund 100.000 Schwangerschaftsabbrüche im Jahr wird in Privatkliniken vorgenommen.
dpa