München - Bayerns Nichtraucher schlagen zurück im Kampf um das Rauchverbot. Schon vor dem offiziellen Start der Eintragungsfrist für das Volksbegehren hat sich eine lange Schlange vor dem Rathaus gebildet.

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Schon vor dem offiziellen Start der Eintragungsfrist für das Volksbegehren “Für echten Nichtraucherschutz“ hat sich eine lange Schlange vor dem Münchner Rathaus gebildet.
Es sind vor allem Rentner, die sich vor dem Münchner Rathaus in der Schlange einreihen. Mit ihrer Unterschrift wollen sie sich für ein strengeres Rauchverbot in Bayern einsetzen – eines ohne Ausnahmen. Der 65-jährige Peter Seebeck schätzt, dass weltweit täglich 20 Milliarden Zigaretten geraucht werden: „Und dieses ganze Zeug, das CO2, steigt in den Himmel rauf und keine alte Sau, kein Politiker sagt etwas dazu. Da krieg ich eine Wut“, redet er sich in Rage.
Vielerorts ist die Beteiligung am ersten Tag größer als bei früheren Volksbegehren – so auch in München. Albert Dietrich sorgt für Ordnung, lotst die Menschen aus der Schlange in Grüppchen hinein ins Rathaus. „Es ist deutlich mehr los, als bei den letzten Malen“, sagt er, winkt zehn Nichtraucher durch und ruft ein paar anderen zu: „Hinten anstellen bitte.“
Bis zum 2. Dezember haben die Rauchgegner Zeit, insgesamt 940 000 Unterschriften zu sammeln. Der erste Tag ist für die Initiatoren von der ÖDP ein voller Erfolg: Allein in München hatten bis zum Nachmittag rund 5000 Menschen unterschrieben, in Nürnberg 2000, in Augsburg 1200. „Es wird trotzdem knapp werden“, bremste ÖDP-Vize-Geschäftsführer Sebastian Frankenberger die Euphorie. „Wir schaffen es nur, wenn jeder einen Freund oder einen Bekannten zum Unterschreiben mitbringt.“
Auch in Erding erschienen die ersten Unterzeichner bereits um 8 Uhr. Einige mussten heimgeschickt werden, weil sie ihren Ausweis vergessen hatten. In Freising hatten bis zum Abend 423 Bürger unterzeichnet. „Da hatten wir bei anderen Volksbegehren weitaus weniger Quote“, sagte Bürgerbüro-Chef Michael Eberwein. „Mal sehen, ob der Schwung anhält.“
Der Start für die Nichtraucher war also vielversprechend, doch der Ausgang bleibt ungewiss. Seit 1997/98, als Bayern den Senat abschaffte, hat kein einziges Volksbegehren mehr die notwendigen Unterschriften bekommen. Der Vergleich zu damals sollte der ÖDP jedoch Mut machen: Am ersten Tag des geglückten Volksbegehrens unterschrieben in München 2113 Menschen. Gestern unterschrieben mehr als doppelt so viele – rund 5000.
„Jeden Tag sterben in Deutschland so viele Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, wie in eine Boeing 747 passen“, sagt Tobias Rüther. Für den Leiter der Spezialambulanz für Tabakabhängigkeit in der Münchner Uniklinik ist es eine „Bürgerpflicht“, sich für das Volksbegehren einzusetzen. Rüther: „Helmut Schmidt lebt auch nur noch, weil er gute Ärzte hat.“
Thomas Schmidt



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