München - Die CSU liegt in Trümmern, Bayerns Stolz ist geschrumpft. Nur noch ein untoter Strauß und eine leibhaftige Bavaria können den Freistaat retten: Der Nockherberg-Stoff für Mittwoch Abend versprach viel. Das Drehbuch aber hält wenig. Das Singspiel, früher Spitze, ist jetzt Mittelmaß.
Es war nicht leicht, das traditionsreiche Singspiel komplett zu modernisieren. Wenn das in Ansätzen gelang, dann nur dank der Schauspieler – sie sind in der Mehrzahl ein Glücksgriff. Als wiederauferstandener, grantiger Franz Josef Strauß verdient sich der Kabarettist Helmut Schleich heftigen Beifall der echten Politikern im Parkett. Geduckt schlurft Schleichs Strauß über die Bühne, in Mimik und Sprache dem Original beängstigend nahe, schauspielerisch brillant. Er sucht das Publikum ab und raunzt in Richtung Stoiber: „Edmund, Dich hätte ich eher beim Mineralwasser-Anstich in Bad Fachingen vermutet.“ Wasser? Mit Starkbier ist das Singspiel 2010 erheblich lustiger. Die Geschichte nämlich ist eher trocken: Strauß, die Bavaria und eine Weißwurst in der Jury suchen einen Super-Politiker zur Rettung der CSU. Finden aber keinen. Punkt.
Seehofer (wie gewohnt souverän von Wolfgang Krebs dargestellt) liest aus dem Quelle-Katalog vor und stichelt: „Hab ich mir eigens anfertigen lassen. Hat 50 Millionen Euro gekostet. Gegen die Milliarden bei der Hypo Alpe Adria ist das nur ein Seehäuferl.“ Auch die Idee des untoten Strauß und der vom Sockel heruntergestiegenen Bavaria (Luise Kinseher) war an sich nicht schlecht.
Der Rest ist Mittelmaß: Auf die Bühne darf ein Schauspieler, der laut Textbuch SPD-Chef Sigmar Gabriel darstellt, manche im Saal halten ihn zunächst für Bernd Posselt. Auch der Auftritt des Christian-Ude-Doubles, als Werbepause ins Stück gequetscht, ist verzichtbar. An jeder Ecke fehlt dem Spiel das alte OB-Double Uli Bauer.
Musikalisch überzeugt von den eigens komponierten Stücken nur Angela Merkels Song über die Krise, adrett vorgetragen mit Guttenberg und Westerwelle. Der Rest reißt nicht mit – der Verzicht auf bekannte Melodien ist ein Verlust. Das gilt auch fürs Schlusslied nach 55 Minuten. Da besingen alle Doubles die Politiker in ihrer Gesamtheit als raffgierige Abzocker – das mag Bohlen-Niveau sein, ist aber zu eindimensional, zu oberflächlich für eine gelungene Salvatorprobe.
Am Ende gibt es tapfer Beifall und heftige Diskussionen. „Ist halt was Neues“, lobt Agrarministerin Ilse Aigner und meint das ehrlich positiv. „Der Strauß hat’s rausgerissen“, sagt Sozialministerin Christine Haderthauer, und meint das weniger positiv. „Die Zeit ist eben nicht zum Schenkelklopfen“, analysiert Grünen-Chefin Claudia Roth. „Also, sagen wir mal so“, setzt Ex-Regierungschef Edmund Stoiber an: „Natürlich ist das gewöhnungsbedürftig.“
Söder darf bei seinem Krawall-Intermezzo zu Techno-Klängen singen. „MP Seehofer is in the house“, ruft er ekstatisch in die Menge. Ob das 2011 auch noch zutrifft, ist nach diesem Nockherberg nicht mehr gewiss.
Christian Deutschländer
Rubriklistenbild: © dpa


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