Spider-Murphy-Gang-Gründer - Sein Leben im Obdachlosenheim

Spider-Murphy-Gang-Gründer: Sein Leben im Obdachlosenheim

1603.07.10|München
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Freising - Gründungsmitglied der Spider Murphy Gang Franz Trojan ist am Tiefpunkt seines Lebens angekommen. Der Ex-Schlagzeuger lebt im Obdachlosenheim. Die tz besuchte ihn.

© A. Geier

Franz Trojan, der Ex-Schlagzeuger der Spider Murphy Gang, steht vor seinem Zimmer im Obdachlosenheim: „Ich muss wieder Boden unter die Füße bekommen“

Es riecht modrig. Schimmelflecken glänzen an den Wänden des langen Ganges, an den Holztüren blättert die Farbe ab. Nervös fährt sich Franz Trojan übers Gesicht. „Hier wohne ich nun,“ sagt der 53-Jährige. Dann deutet er auf eine weiße Tür mit seinem Namen. „Hier.“

© A. GeierWarten auf eine Perspektive: Franz Tojan und seine Freunde Gerd und Günther vor dem Heim.Hier – das ist die Obdachlosenunterkunft in Moosburg. Und Franz Trojan – das ist der ehemalige Schlagzeuger der Spider Murphy Gang. Einst war er ein Held, ein steinreicher Musiker. Jetzt ist er abgebrannt, pleite. „Mein Leben ist ein Albtraum. Ich habe nichts mehr“, stellt er mit zitternder Stimme fest. Dann öffnet er langsam die Tür zu seinem 12-Quadratmeter-Zimmer. Nur eine Matratze liegt auf dem Boden, Getränkeflaschen stehen herum, ein Aschenbecher. Im Eck neben dem Fenster lehnt eine Gitarre. Das war’s. Franz Trojan dreht sich plötzlich weg. Er weint…

Die Geschichte des großen Schlagzeugers – es ist eine Geschichte über Erfolg und Ruhm, über den Absturz. Und über Angst. Die Angst, nicht mehr die Kurve zu bekommen. „Ich habe viel im Leben falsch gemacht“, sagt der 53-Jährige. „Ich habe mir beispielsweise nie Gedanken über die Kohle gemacht. Das war dumm.“ Geld – das hatte Trojan einst im Überfluss, mehrfacher Millionär war er. „Damals in den 80er Jahren haben wir irre viel verdient“, erzählt der Musiker. Bei diesen Worten leuchten seine traurigen Augen kurz auf. Klar – Alben wie Dolce Vita oder Tutti Frutti hatte jeder im Plattenschrank. Skandal, Schickeria, Peep, Peep… damals rollte noch der Rubel, eine Platte kostete 20 Mark. „Ich hab jedes Jahr gut eine Million Euro verdient – und davon 500 000 an Steuern bezahlt.“ Der Musiker lächelt. Sein Freund Gerd schlägt ihm tröstend auf die Schulter. „Und jetzt krieg ich nichts zurück.“

Franz Trojan hat nicht einmal das Geld, um sich eine Schachtel Zigaretten zu kaufen. Auch wenn er Stein und Bein schwört, dass er die Kippen damals im Schlecker-Markt nicht mitgehen lassen wollte. „Das war nur ein Reflex, ein Einstecken.“ Wegen des Diebstahls stand er am Donnerstag vor Gericht. Plötzlich wurde bekannt, wie schlecht es dem ehemaligen Pop-Star geht (tz berichtete). Hartz-IV-Antrag, Notunterkunft. „Ich wollte nicht klauen. Ehrlich.“

© A. GeierEins der Hotelzimmer in Moosburg: Nur 12-Quadratmeter Leben. Ohne Bad, ohne Dusche!Man glaubt Trojan diese Worte. Hier – an dem Holztisch vor den schäbigen Baracken der Notunterkunft – sitzt niemand, der Böses im Schilde führt. Hier sitzt jemand, bei dem einfach sehr viel schief ging. „Als ich 1992 bei den Spiders ausgestiegen bin, wollte ich halt eine andere Musik machen.“ Jazz-Rock sollte es sein. Nur: Der verkaufte sich schlecht. „Ich bin da einfach einem Traum gefolgt.“ Trojan richtete sich zudem ein Studio ein, kaufte Immobilien. Doch sein Geld schmolz langsam und unaufhörlich zusammen. „Erst musste ich die Eigentumswohnungen in München verkaufen, dann hier was, dann da – und plötzlich hatte ich nichts mehr. Konnte nicht mal mehr die Miete zahlen.“ Vor kurzem musste er dann ins Obdachlosen-Heim. „Alles aus!“

Aus!? Nein, Trojan hat sich nicht aufgegeben. Noch nicht. Er ist ein Kämpfer. „Ich will hier raus“, sagt er immer wieder. „Ich muss irgendwie wieder Boden unter die Füße bekommen.“ Eine Anstellung als Schlagzeug-Lehrer, das würde ihm gefallen. „Das ist halt das, was ich kann.“ Einmal haben ihm seine alten Bandkollegen übrigens Geld angeboten, um etwas auszuhelfen. „Aber das wollte ich dann auch nicht. Irgendwie will ich es selber hinbekommen. Als erstes bräuchte ich halt mal eine Wohnung, damit ich aus diesem Dreck hier rauskomme.“ Franz Trojan blickt sich langsam um. „Du schaffst das“, flüstert ihm sein Freund Günther aus Neufahrn zu. Bei ihm kann Franz hin und wieder zu Mittagessen. „Sonst bekäme ich ja gar nichts Gutes in den Bauch.“

Für sein 12-Quadratmeter-Zimmer im Obdachlosenheim muss Franz im Monat 50 Euro zahlen. „Da ich nicht einmal diese Summe habe, habe ich eben jetzt Hartz-IV beantragen müssen.“ Der Antrag läuft noch. „Jetzt bete ich jeden Tag: Irgendwie kommst du hier raus, Franz.“

Armin Geier

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