München - Die Münchner Polizei hat einen internationalen Schleuserring aufgedeckt. Für bis zu 12.000 Euro pro Person sollen die Schleuser mindestens 102 Menschen nach Europa gebracht haben.
Die Münchner Polizei hat eine international tätige Schleuserbande zerschlagen. Nach Ermittlungen in mehreren Ländern konnten insgesamt sieben Beschuldigte festgenommen werden. Der 38-jährige Haupttäter sitzt in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess in München.
Laut Polizei soll die Bande seit 2009 tätig gewesen sein und wohl mehrere hundert Iraker quer durch Europa geschleust haben. Auf die Spur der mutmaßlichen Täter kam die Münchner Polizei im Juli 2010. Bei der Kontrolle eines Wohnmobils wurden neben zwei lettischen Fahrern neun Iraker entdeckt und festgenommen. Es folgten gut eineinhalb Jahre lang andauernde Ermittlungen, die nun beendet sind. Auch die Anklageschrift ist fertig.
Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass dieser sich vermutlich schon 2009 mit einem 40-jährigen Iraker und weiteren Personen zusammengeschlossen hatte, um eine organisierte Schleusergruppe zu bilden. Der 40-Jährige war für die Einreise der Iraker über die Türkei nach Griechenland zuständig. Von dort wurden die Illegalen nach Italien gebracht. In Mailand wurden extra zwei Wohnungen angemietet, in denen teilweise bis zu 80 illegal Eingereiste unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht wurden, bis die nächste Fahrt in das gewünschte Ankunftsland stattfand.
Der 38-Jährige organisierte von Riga (Lettland) aus die Fahrer für den weiteren Transport der Illegalen. Ziel der Schleusungen waren vorwiegend Deutschland und Skandinavien, aber auch die Niederlande, Frankreich und England. Pro Person mussten 10 000 bis 12 000 Euro für die Schleusung bezahlt werden.
Mittlerweile wurden sieben Bandenmitglieder in Deutschland und Italien verhaftet. Dem 38-jährigen Iraker wird in München der Prozess gemacht. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Sein 40-jähriger Komplize wird wohl vor ein italienisches Gericht gestellt. Laut der Münchner Polizei können der Bande inzwischen 102 einzelne Fälle konkret nachgewiesen werden. Die tatsächliche Zahl dürfte aber um ein Vielfaches größer sein
Sven Rieber
Rubriklistenbild: © ap (Symbolbild)
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