Gefangen im Geisterzug
227.01.10|München|Facebook
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München - Dienstagmorgen, kurz nach 8 am Hauptbahnhof München. „8.27 Uhr Eurocity nach Klagenfurt“ steht auf der Anzeigentafel am Gleis 12. Der Zug ist schon da, die Passagiere steigen ein. Plötzlich ein Ruckeln und Quietschen.

© Michael Westermann
Ali E. (46) begleitete seinen Freund zum Bahnhof: „Der Zug fuhr einfach ohne Vorwarnung los“.
Die Bahn fährt einfach los – mit offenen Türen. Was die Fahrgäste nicht wissen: Statt im EC sitzen sie in einem Rangierzug. Endstation: Ein Abstellgleis in Pasing! „Diese Fahrt war eine einzige Katastrophe“, sagt Georg Maier-Romanin (46) aus Klagenfurt. Der Musikproduzent hievt gerade seine Reisetasche in den Zug, als der sich auf ein Mal in Bewegung setzt. „Der Ruck war so heftig, ich konnte mich gerade noch am Geländer festhalten. Sonst wäre ich umgefallen.“
Etwa zehn Fahrgäste sitzen in dem Zug – darunter zwei ältere Damen mit schwerem Reisegepäck und ein krebskranker Mann, der dringend nach Klagenfurt muss. Keiner von ihnen weiß, wo die Fahrt hingeht. „An Bord war kein Personal, es kam nicht mal eine Durchsage. Wir wurden völlig im Stich gelassen“, erzählt Maier-Romanin. Erst am Bahnhof Pasing dürfen die Passagiere raus – nach fast 40 Minuten. Doch auch hier kümmert sich niemand um sie. „Ein paar Mitarbeiter der Bahn haben lediglich gesagt, dass wir hier aussteigen sollen. Aufgeklärt hat uns keiner.“
Hauptbahnhof München: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Mit der S-Bahn müssen die Passagiere eigenmächtig zurück zum Hauptbahnhof fahren. Dort ist der EC nach Klagenfurt natürlich längst weg, der nächste geht erst eine Stunde später. Am Infoschalter der Bahn ärgern sich die Passagiere erneut: Einige Fahrgäste haben Tickets mit Zugbindung – sie müssen neue Fahrkarten kaufen. „Einfach unglaublich!“, schimpft Maier-Romanin. „Die Bahn ist teuer genug – da erwarte ich schon ein bisschen Service.“ Auch sein Bekannter Ali E. (46) aus München, der ihn zum Bahnhof begleitet hat, kann nur den Kopf schütteln: „Das ist eine Unverschämtheit.“
Stehen die Fahrgäste bei der Deutschen Bahn auf dem Abstellgleis? Auf Nachfrage erklärt eine Bahn-Sprecherin: „Hier ist uns ein Fehler unterlaufen, den wir sehr bedauern.“ Der Zug sei als Rangierfahrt vorgesehen gewesen und hätte leer in den Betriebsbahnhof nach Pasing fahren sollen. „Leider hat die Anzeige schon die Beschilderung für den nächsten Zug gezeigt, was zu Irritationen geführt hat.“ Normal prüfe das Bahnpersonal zudem, ob alle Reisenden den Zug verlassen haben. In dem Fall habe der zuständige Mitarbeiter das fälschlicherweise versäumt. „Ob die Türen bei der Abfahrt offenstanden, kann ich nicht beurteilen. Normalerweise sind die Türen bei solchen Fahrten zu“, sagt die Sprecherin. Und verspricht: „Fahrgäste, die ein Ticket mit Zugbindung hatten, sollen sich an unseren Kundendialog, Tel. 01805/996633, wenden. Wir werden umgehend prüfen, ob sie ihr Geld zurückbekommen.“
Für Georg Maier-Romanin ist das Kapitel Bahn allerdings abgeschlossen. „Das war eine riesengroße Schweinerei. Ab heute nehme ich das Flugzeug!“
“dänk ju weri matsch” - Englischwörterbuch für Bahnmitarbeiter
C. Schmelzer
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