München - So kennt man ihn inzwischen – und so will man ihn: Michael Lerchenberg hat als Bruder Barnabas auf dem Nockherberg wieder sauber eing’schenkt. Seine Fastenpredigt hatte Würze und Charakter wie ein Starkbier – und war doch stellenweise ein wenig fad.
Die FDP beschimpfte Lerchenberg als „Sparschwein der Industrie“; Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger habe „noch nichts geleistet außer ihrem Amtseid“. Und „Wirtschaftsminister Brüderle schwänzt einen anderen Beruf, wenn er je einen solchen hatte“.
Nach ein paar zünftigen „Prost, Gemeinde!“ kommt Lerchenberg dann händereibend und mit einer Stimme, die vor Häme knarzt, zu seinem größten Thema: dem Landesbank-Skandal. Einleitend zitiert er Lenin: „Der sagt: ,Um die bürgerliche Gesellschaft zu zerstören, muss man ihr Geldwesen verwüsten.‘ Ich hab’ gar net g’wusst, dass sich so viele rote Wölfe unter dem schwarzen Schafspelz der CSU verbergen.“ Der Saal brüllt. Und der Mönch ätzt weiter: Stoiber habe FJS, der die bayerische Politik balkanisierte, noch übertroffen – und eine waschechte Balkan-Bank gekauft, wettert der Mönch. Und überreicht dem Ex-Ministerpräsidenten sozusagen zur Weiterbildung ein Exemplar von Karl Mays „In den Schluchten des Balkan“. Als nächstes malt er ein Bild, wie das halbe Beckstein-Kabinett in einer Stadelheimer Gemeinschaftszelle schmort – wieder brüllendes Lachen.
Andere Stellen blieben schwach und hatten Längen, etwa Lerchenbergs Einlassungen zur bayerischen Justiz und seine Kritik an Christian Udes Stadtpolitik. Und manche Dinge waren zu bitterernst formuliert, um noch komisch zu sein: etwa seine Polizei-Schelte oder das Szenario vom KZ-ähnlichen Lager der Hartz-IV-Empfänger.
Doch Lerchenberg weiß auch, wann ein Thema definitiv zu heikel ist für den Nockherberg: Zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche sagte er fast nichts. Erzbischof Marx hatte sich entschuldigen lassen, und Barnabas schleuderte jetzt nur einen Seitenhieb auf Beate Merks Schulterschluss mit Bischof Mixa und den verzweifelten Satz in den Saal, von wie viel Nieten die Kirche zusammengehalten werde.
Christine Ulrich
Rubriklistenbild: © dpa


Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.