New York/Berlin - Nächste Runde im Streit um Google und den Datenschutz: Jetzt wirft Microsoft dem Internet-Konzern vor, die Einstellungen zur Privatsphäre im Browser Internet Explorer zu umgehen.
Google verteidigt sich damit, dass die von Microsoft eingeforderte Technik im Web kaum genutzt und auch von anderen umgangen werde. Zuvor hatte es bereits Vorwürfe gegeben, dass Google mit einem anderen technischen Trick die Datenschutz-Einstellungen des Browsers Safari von Apple mit Hilfe von Google-Anzeigen aushebelt.
Auch dieses Mal geht es um Cookies - kleine Software-Elemente, die von Websites auf den Computern der Nutzer platziert werden. Damit können sie zum Beispiel wiederkehrende Besucher erkennen. Mit Hilfe einiger Cookies kann man aber auch den Weg von Nutzern im Netz nachzeichnen. Sie kommen oft in Werbeanzeigen zum Einsatz und können daher gesperrt werden, ohne dass ein Nutzer Nachteile beim Surfen im Web bemerkt. So blockiert zum Beispiel Safari standardmäßig Cookies von Drittanbietern - also alle, die nicht direkt von der besuchten Website, sondern etwas aus Werbeanzeigen stammen.
Microsofts Internet Explorer geht nach einem anderen Prinzip vor, um Cookies von Drittanbietern zu sperren. Blockiert werden alle, die sich nicht an das sogenannte P3P-Format (Platform for Privacy Preferences Project) halten. Bei P3P sollen die Cookies einem Browser mit bestimmten Buchstabenkombinationen anzeigen, wofür sie gedacht sind - etwa für eine Personalisierung der Website oder für Werbezwecke. Dann kann der Nutzer entscheiden, ob er sie zulässt.
Google konterte, das P3P-Protokoll werde im heutigen Netz kaum genutzt. In einer Studie von 2010 seien unter den mehr als 11 000 Websites, die ohne P3P-Unterstützung arbeiten, auch Microsofts eigene Dienste live.com und msn.com genannt worden. Der Internet Explorer gilt auch als einziger unter den vielgenutzten Browsern, der die P3P-Technologie unterstützt. „Es ist wohlbekannt - auch für Microsoft -, dass es nicht möglich ist, Microsofts Vorgabe zu erfüllen und moderne Web-Funktionen zu bieten“, erklärte Google-Managerin Rachel Whetstone.
Software-Experten verwiesen sofort darauf, dass etwa auch Facebook einen ähnlichen Weg wie Google geht. Das Online-Netzwerk selbst verweist darauf, dass der P3P-Standard nicht mehr aktuell ist und die Internet-Organisation World Wide Web Consortium vor einigen Jahren die Arbeit daran eingestellt habe. Die meisten Webseiten hätten heute keine P3P-Richtlinien mehr.
Damit liegt die Sache anders als im Fall von Apples Safari-Browser, bei dem Google die Sperre für Drittanbieter-Cookies austrickste. Ziel war, den „+1“-Button, der im Online-Netzwerk Google+eine ähnliche Funktion wie Facebooks „Gefällt mir“-Knopf hat, in Anzeigen unterzubringen. Die Google-Anzeigen gaukelten Safari dazu vor, der Nutzer habe sie angeklickt und ein Formular ausgefüllt. Ein Nebeneffekt war allerdings, dass damit die Tür auch für alle anderen Cookies geöffnet war. Damit hatte Google hat nach eigenen Angaben nicht gerechnet.
dpa
Rubriklistenbild: © dpa


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