München - In der Amtszeit des heutigen Papstes Benedikt XVI. als Erzbischof von München und Freising ist ein wegen Kindesmissbrauchs vorbelasteter Priester in der Gemeindearbeit in Oberbayern eingesetzt worden.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Dort verging er sich erneut an Jugendlichen und wurde dafür gerichtlich verurteilt. Einen entsprechenden Bericht der “Süddeutschen Zeitung“ (“SZ“/Samstag) bestätigte das Erzbischöfliche Ordinariat in München.
Die Erzdiözese räumte zugleich schwere Fehler im Umgang mit dieser Personalie in den 1980er Jahren ein. Der frühere Generalvikar Gerhard Gruber (81) übernehme die “volle Verantwortung“ dafür, dass der Priester “trotz Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs und trotz einer Verurteilung“ wiederholt in der Pfarrseelsorge eingesetzt wurde.
Wie die “SZ“ schreibt, saß Benedikt XVI. beim Umzug des Priesters von Essen als Erzbischof von München und Freising im Ordinariatsrat des Bistums. Dieser Rat habe dem Umzug zugestimmt. Ratzinger habe allerdings nichts davon gewusst, dass der Mann sofort wieder in einer Gemeinde eingesetzt wurde. 1982 war Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation nach Rom gegangen.
Der versetzte Priester sei von September 1982 bis Anfang 1985 seelsorgerisch im oberbayerischen Grafing tätig gewesen. “Nach Bekanntwerden von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs und der Aufnahme polizeilicher Ermittlungen wurde er mit Schreiben vom 29. Januar 1985 vom Dienst entpflichtet.“ Im Juni 1986 wurde der Kaplan vom Amtsgericht Ebersberg wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 4000 Mark verurteilt, berichtete das Ordinariat weiter. “Die Bewährungszeit wurde auf fünf Jahre festgesetzt. Der Verurteilte wurde angewiesen, sich in eine Psychotherapie zu begeben.“
Ab November 1986 bis Oktober 1987 wurde der Verurteilte laut Ordinariat als Kurat in einem Altenheim eingesetzt und danach bis September 2008 in Garching/Alz in einer Gemeinde. “Für den erneuten Einsatz in der Pfarrseelsorge waren offenbar die relativ milde Strafe des Amtsgerichts Ebersberg und die Ausführungen des behandelnden Psychologen ausschlaggebend“, so die Erklärung des Ordinariats. Erst vor knapp zwei Jahren im Mai 2008 wurde der Priester als Pfarradministrator in Garching entpflichtet und ab Oktober 2008 als Kur- und Tourismusseelsorger eingesetzt. Er bekam laut Erzbistum die Auflage, keine Kinder-, Jugend- und Ministrantenarbeit mehr zu machen: “Ein auf Wunsch des neuen Erzbischofs Reinhard Marx erstelltes forensisches Gutachten rechtfertigte aus Sicht des Ordinariats nicht den Verbleib in der Pfarrseelsorge.“
dpa
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