Fitnesspark in Prien am Chiemsee wegen Sponsor Müller Milch abgelehnt

Priener blocken Fitnesspark von Müller Milch ab!

316.06.10|Bayern|14 Kommentare
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Prien - Der geplante Trimm-Dich-Pfad in Prien am Chiemsee wird nun doch nicht gebaut. Der Gemeinderat hat Gewissensbisse, weil das Geschenk vom umstrittenen Sponsor Müller Milch kommt.

© dpa

Vor Jahren schon demonstrierten Greenpeace-Anhänger vor der Molkerei Müller.

Die Kommunen ächzen unter Ausgaben, viele unter Schulden. Es heißt in den Rathäusern nur noch kürzen, wegstreichen, zumachen, um die Ausgaben zu senken. Wie schön, dass es noch finanzstarke Sponsoren aus der Wirtschaft gibt, die den Gemeinden unter die Arme greifen wollen, wie etwa die bekannte Molkerei Alois Müller aus Aretsried (Müller Milch).

In Prien am Chiemsee (Kreis Rosenheim) wünscht man sich neue Geräte zum Trimmen und nahm Kontakt mit dem Milch-Giganten auf. Dieser hatte nämlich in Aussicht gestellt, Gemeinden Fitnessparcours zu spendieren. Kosten pro Anlage: zwischen 25 000 und 30 000 Euro, für „… mehr Bewegung und einen ausgewogenen Lebensstil“, wie Müller-Maskottchen Trimmy mit einem Daumen hoch fordert. Siehe da: Prien erhielt den Zuschlag! Die Geräte sollten alsbald Einheimischen wie Gästen die Muckis stählen. Fehlte noch der Segen des Bauausschusses – reine Formsache eigentlich.

Doch zwei aus dem neunköpfigen Gremium, namentlich Georg Fischer (CSU-Fraktion, parteilos) und Alfred Schelhas (SPD), stimmten vor einem Monat dagegen. Schelhas: „Ich werde Müller Milch nicht politisch unterstützen.“ In der Folge wurden einige der Ausschussmitglieder angespitzt. Schelhas: „Der Kreis Rosenheim ist gentechnikfrei.“ Da könne es nicht angehen, dass man für eine Firma, deren Produkt von Greenpeace per Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) als „Gen-Milch“ bezeichnet werden dürfe, Werbung macht. In der Tat hatte der BGH genauso entschieden.

Sein Mit-Abweichler im Bauausschuss, Landwirt Fischer, sagte im Bayerischen Rundfunk: „Die Gemeinde hat etwas gewonnen. Eigentlich darf man ein solches Angebot nicht abschlagen. Andererseits bin ich auch Bauer, und als Bauer ist es so, dass man nicht unbedingt immer seine Freude hat, mit Müller zusammenzuarbeiten.“ Gemeinderäte, die im Bausschuss noch für das Projekt waren, ließen später durchblicken, sie hätten wohl anders gestimmt, wenn sie von den Informationen Kenntnis gehabt hätten. Zumal Landwirt Fischer inzwischen sogar soweit geht zu mutmaßen, „dass Müller uns nur benutzt“. Was jetzt?

Entstehen soll der Trimm-Dich-Parcours im idyllischen Eichental. Bürgermeister Jürgen Seifert ließ dort, nachdem sich der Widerstand regte, die vorbereitenden Maßnahmen stoppen. Ende Juni tagt der Gemeinderat nun erneut und stimmt über das Geschenk ab. Übrigens hatte München weniger Skrupel: Im Ostpark wird schon seit 2008 nach Müllerschen Vorgaben trainiert …

MC

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