Ein Arbeitsplatz für den Urlaub

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111.06.08|ReiseFacebook
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In den Ferien kann man am Strand rumliegen – das tun wohl die meisten. Wem das zu langweilig ist, der kann aber auch in Frankreich einen Fluss renaturieren, in Litauen ein Festival organisieren oder in Belgien in einem Umweltzentrum arbeiten. All das ermöglichen Workcamps.

Arbeiten in den Ferien - und das macht auch noch Spaß!

© dpa

Arbeiten in den Ferien - und das macht auch noch Spaß!

Der Begriff „Work“ – Arbeit – wird bei den Camps dabei verschieden ausgelegt: „Bei uns geht es zum einen darum, Vereinen oder Gruppen bei einer Arbeit zu helfen, die sie alleine nicht umsetzen könnten“, erklärt Rüdiger Kappes von IBG, was für Internationale Begegnung in Gemeinschaftsdiensten steht. Die Teilnehmer bauen dann beispielsweise einen Jugendtreff aus oder gestalten einen Spielplatz. Andere Projekte konzentrieren sich auf Umweltschutz, es werden Bäume gepflanzt, Parks angelegt oder Vögel beobachtet. Und in wieder anderen steht das Wort „Camp“ im Vordergrund, sagt Kappes. „Dann geht es vor allem um die internationale Begegnung.“

Die Teilnehmer betreuen Kinder, arbeiten mit alten Menschen oder Behinderten. In nahezu allen Camps kommen die Teilnehmer aus unterschiedlichen Ländern. „Beim Zusammenarbeiten lernt man sich kennen und bekommt Kontakt zu den Menschen am Ort.“ „Das Wichtigste ist der Austausch mit den anderen, nicht die Arbeit“, sagt Sandra Porwollik von der Organisation Norddeutsche Jugend im internationalen Gemeinschaftsdienst. Dennoch wird gearbeitet, bei den Teenagecamps für Unter-18-Jährige rund drei bis fünf Stunden am Tag, bei den Workcamps für Ältere auch länger. Die Wochenenden sind in der Regel frei für Ausflüge.

Die Workcamps führen die Teilnehmer häufig in weniger bekannte Regionen. Wer bisher in Frankreich nur den Strand kennt, kann beispielsweise im Départment Drôme beim Bau eines Wanderweges helfen und sieht so eine ganz andere Seite des Landes.

Die meisten Anbieter haben sehr unterschiedliche Projekte im Programm – die deutschen organisieren sie selbst, die ausländischen in Kooperation mit Partnern. Daneben gibt es Organisationen, die sich auf ein Thema oder bestimmte Arbeiten konzentrieren. Der Internationale Bauorden beispielsweise organisiert nur Baulager. Die Helfer bauen überall dort, wo Hilfe notwendig ist.

In den Sommercamps der Aktion Sühnezeichen Friedendienste (ASF) steht häufig die Beschäftigung mit der NS-Zeit im Mittelpunkt. Die Teilnehmer engagieren sich zum Beispiel in Gedenkstätten ehemaliger Konzentrationslager oder helfen Vertriebenen bei der Sanierung ihrer Häuser.

Unterschiede gibt es auch bei der Unterbringung. Bei manchen Sommercamps wohnen die Teilnehmer in Gastfamilien. „Dann sollte man sich vorher erkundigen, ob die Englisch oder Deutsch sprechen. Sonst wird die Verständigung schwierig“, rät Porwollik. Andere Camps bestehen aus einem Zeltlager, in dem sich die Gruppe weitgehend selbst organisiert, also auch reihum kocht. „Die eigenständige Gestaltung des Alltags ist auch ein Ziel der Camps“, sagt Sylva Ullmann von den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten.

Je jünger die Teilnehmer, desto mehr Wert wird auf die Betreuung gelegt. Bei herkömmlichen Workcamps für Über-18-Jährige sind in der Regel zwei Teamer dabei, bei den Teenager-Camps noch weitere. Das können Studenten sein, die extra geschult wurden. Die Teamer sind für Absprachen mit den Partnern zuständig, sollen die Gruppen aber auch bei Planungen und Absprachen unterstützen.

Für die Sommercamps gibt es keine Bewerbungsverfahren. Mitmachen kann grundsätzlich jeder. Nur manchmal wird mit der Anmeldung ein Schreiben verlangt, in dem die Teilnehmer erklären müssen, warum sie sich für das gewählte Projekt interessieren. „Wichtig ist schon, dass man offen ist, neugierig und ein Mindestmaß an Selbstständigkeit mitbringt“, sagt Rüdiger Kappes. Schließlich seien die Camps keine von vorn bis hinten durchorganisierten Freizeiten. „Wer reinen Urlaub erwartet, dem würde ich davon eher abraten.“

Carina Frey

Quelle: tz

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