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Single, schwul und auf Suche - - Zwischen Cybersex und Eigenheim-Träumen

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Single, schwul und auf Suche

München hat bundesweit den Ruf als Single-Metropole. Und München ist die Hauptstadt der Schwulen und Lesben im Süden der Republik und des Alpenraums.

© dpa

München ist die Hauptstadt der Schwulen und Lesben im Süden der Republik und des Alpenraums.

Wie leben, lieben und leiden die homosexuellen Singles? Im Prinzip nicht viel anders als die Heteros, doch es gibt da ein paar Unterschiede.

Mario (35) ist einer der etwa 50 000 schwulen Singles der Stadt. Und seine Sehnsucht hört sich so an wie die von Zehntausenden Heteros in München: „Ich hätte so gerne jemanden, der zu Hause ist, wenn ich von der Arbeit heimkomme, mit dem ich ein Häuschen habe und mit dem ich in den Urlaub fahre.“ Dabei ist der Patentamt-Angestellte selten allein. „Ich habe viele Freunde, mit denen ich etwas unternehme. Heteros und Schwule.“ Da geht es um ganz normale Hobbys wie Modelleisenbahn, Fußball oder den Nena-Fanclub.

Bei der Partnersuche aber hat ein Schwuler wie Mario weniger Möglichkeiten. Vieles läuft bei ihnen übers Internet. Hier gibt es spezielle Dating-Seiten. „Da kann ich ganz schnell jemand kennen lernen, von dem ich sicher bin, dass er auf Männer steht“, so Mario. Und man sieht sich dann. Entweder in der eigenen Wohnung oder in der des anderen. Meistens bleibt es beim One-Night-Stand. Leider. „Ich bin jedes Mal voll bei der Sache und verknalle mich dabei immer ein bisschen.“

Mit viel Glück kommt es auch vor, dass man sich mehrmals sieht. „Das ging zuletzt drei Wochen lang. Doch dann hat der Typ gesagt: ,Ich habe eine Katzenhaarallergie und kann wegen deiner zwei Katzen nicht mehr kommen …“

Mario hat schon zwei Beziehungen hinter sich. Der erste Freund ging fremd. „Ich kann das nicht haben. Wenn ich eine Beziehung habe, bin ich monogam.“ Das gilt allerdings nicht für Telefonsex. „Das ist ja anonym.“

Die zweite ging in die Brüche, als Marios Freund wegen seiner Diplom-Arbeit nach Wien ging. „Zunächst sollte es ein halbes, dreiviertel Jahr sein.“ Mario wusste aber: „Ich bin nichts für eine Fernbeziehung. Ich brauch‘ meinen Kerl auch unter der Woche.“ Es wurde mehr als ein Jahr. Und es gab einen tränenreichen Abschied. Seitdem ist Mario Single. In schwule Discos oder Kneipen geht er schon lange nicht mehr. „Ich habe keine Lust, den ganzen Abend an einem Kerl rumzubaggern, um dann zu hören: ,Ich stehe auf etwas anderes als du, ich habe einen Freund, oder: Mein Freund ist heute nicht da – wie wär’s?“ Auch in „normalen“ Discos hat Mario immer wieder „leckere“ Kerle gesehen. „Aber es ist völlig sinnlos, einen Hetero anzubaggern. Da habe ich mich oft genug unglücklich verknallt.“

Eine Beziehung würde sich Mario natürlich wieder wünschen, aber er spürt auch, dass es immer schwerer wird: „Ich bin halt ein Kontrollfreak und leicht eifersüchtig. Leider verfestigen sich die Eigenschaften, die man hat, immer mehr, je länger man alleine ist.“ Auch dieses Schicksal teilt er mit allen Singles.

Johannes Welte

Quelle: tz

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