München - Gestern, da ging noch alles fast ohne Worte. Ein Zwinkern, ein Lächeln, Mut antrinken.

© dpa
"Ich ruf' dich an" - Bei One-Night-Stands ist dieser Satz eher unangebracht.
Ein paar kurze Sätze, noch ein Gläschen. Blicke hin und her, absichern. Die Worte waren egal, schon früh stand fest: Es geht heute gemeinsam nach Hause.
Selten liegen Illusion und harte Realität so nah beieinander wie beim One-Night-Stand. Meistens nur ein paar Stunden, und die schläft man tief und fest, betäubt von Musik und Wein. „Alkohol spielt bei One-Night-Stands eine große Rolle“, sagt Psychotherapeut Gerrit Grahl. „Er macht lockerer, steigert das sexuelle Bedürfnis – und hilft vor allem, dass das Spiel leichter funktioniert.“
Und ein Spiel ist der One-Night-Stand, aber eines mit durchaus klaren Regeln. Das Ziel: Sex oder Zärtlichkeit und Nähe. Liebe für eine Nacht, wenn man keinen festen Partner hat. Wer Sex will, nimmt Nähe und Zärtlichkeit in Kauf, wer Nähe und Zärtlichkeit sucht, gelangt über den Sex dorthin. „Heute will auch die Frau oft nur Sex. Aber leider stimmt das Klischee immer noch, dass Frauen eigentlich etwas ganz anderes suchen“, so Grahl.
Da der One-Night-Stand nun mal „ein kurzes Gastspiel“ ist – so die deutsche Übersetzung – ist auch keine Zeit für intime Gespräche, große Rücksicht oder zuviel Ehrlichkeit, die vielleicht eine Diskussion provozieren würde. Alles muss reibungslos funktionieren, obwohl man sich für gewöhnlich erst ein paar Stunden kennt. Im Rausch der Gefühle ist das nicht so schwer.
Trotzdem haben beide Menschen ihre eigene Geschichte und daher unterschwellige Erwartungen. Grahl: „Frauen suchen in der Regel die Bestätigung, dass sie attraktiv sind. Männer wie Frauen wollen dadurch auch oft ihre vergangene Beziehung verarbeiten, machen das Ganze, um indirekt Rache am Ex-Partner zu üben oder sich über Liebeskummer hinwegzutrösten.“
Altlasten, Probleme, Sehnsüchte – alles, was in dieser einen Nacht locker zur Seite geschoben werden konnte, ist am Morgen danach aber wieder da. Und wenn der Andere sich nicht schon dezent davongestohlen hat, hält er einem das brutal vor Augen. Einfach nur, weil er da ist, und nicht derjenige, den man sich eigentlich wünscht. Morgens ist das Spiel deshalb vorbei. Zumindest für den, der sich nicht zufällig verguckt hat, ist jede weitere gemeinsame Stunde eine Qual. Jeder ist sich dann selbst der Nächste. „Aber genau in dieser Phase ist der andere hochsensibel“, sagt Sexualwissenschaftlerin Ulrike Brandenburg. "Da kann es leicht zu Kränkungen kommen.“
So vermeiden Sie Peinlichkeiten
Vorbereitungen treffen: Stofftiere aus dem Bett raus, neutrale Unterwäsche an. Alle peinlichen Sachen aus dem Zimmer entfernen, die abtörnen könnten!
Ehrlich sein: Wer nur Sex will, aber die große Liebe schwört und sie dann nicht einhält, der ist nicht nur unfair, sondern muss sich auch auf Ärger danach einstellen.
Wer keine Lust auf langes Geplänkel am Morgen hat, sollte so früh wie möglich klären, dass es zum anderen nach Hause geht. Denn nur auswärts hat man in der Hand, wann das Abenteuer vorbei ist. Wenn’s doch in den eigenen vier Wänden passiert: Wer sich lange genug schlafend stellt, kann möglicherweise einem Aufeinandertreffen in der Früh entkommen. Ein groß aufgedecktes Frühstück ist nur angebracht, wenn es bei beiden gefunkt hat – sonst tut’s auch ein Stehkaffee in der Küche.
Schlüssel, Geldbeutel und Schmuck beim Gehen nicht vergessen – sonst kommt man um ein Wiedersehen nicht rum. Eine falsche Telefonnummer sollte zumindest der eigenen ähneln, sonst gerät man ins Stocken und hat keine Ausrede bei einem zufälligen Aufeinandertreffen.
Drei Sätze, die man sich getrost sparen kann:
1. „Klar ruf ich dich an.“
2. "Du, ich muss morgen früh raus…“
3. „Ich mach’ das ja zum ersten Mal …“
Quelle: tz



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