München - Offiziell sind sie Singles. Nur die besten Freundinnen wissen von ihrem großen Geheimnis. Dass sie einen Mann lieben, der eine andere hat, vielleicht sogar Kinder.

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Eine Geliebte erzählt von ihrem Leben als Zweitfrau.
Sie sind egoistisch, klauen Frauen die Männer und sind unfähig, eine Beziehung zu führen. Manche Vorurteile über Geliebte mögen zutreffen. Aber die meisten lieben auch. Und sie leiden, als zweite Geige. Manchmal über Jahre hinweg. Warum lassen sie sich darauf ein? Die tz hat mit einer ehemaligen Geliebten gesprochen. Claudia (41, Name geändert) hat über viereinhalb Jahre hinweg eine Beziehung zu einem verheirateten Familienvater (hier immer: „er“ genannt) gehabt, der in ihrem Ort gearbeitet hat und am Wochenende bei seiner Familie in einem anderen Ort lebte. In der tz lässt sie diese Zeit Revue passieren. Ihr Tagebuch:
1995
Mai
Umzug nach Frankfurt. Fünf Jahre habe ich in die Beziehung investiert, dachte es wäre mein Traummann. Dummerweise trifft er seine Traumfrau. Betrogen, verletzt und verlassen kehre ich zurück in meine Heimat.
Juni
Habe mich in meinem alten Tennisclub wieder angemeldet. Sport lenkt ab. Und es gibt Männer zum flirten.
Dezember
Mannschaftssitzung im Tennisclub. Der Trainer ist echt ein attraktiver Kerl: groß, blond und dazu noch sehr unterhaltsam. Er ist verheiratet und hat 3 Kinder. Schade! Sie wohnen in einer anderen Stadt.
1996
Januar
Clubabend. Unser Trainer lädt mich danach auf ein Bier ein. Wir reden viel und lange. Danach gehen wir in eine Kneipe. Es knistert gewaltig! Beim Verabschieden am Auto küssen wir uns. Mist, er küsst gut! Naja, ein Ausrutscher.
Februar
Es ist schon wieder passiert. Wir haben uns am Parkplatz geküsst.
Wir treffen uns häufiger. Er verstrickt sich in Lügen. Er habe seit Jahren keinen Sex mehr mit seiner Frau. Wie sind dann seine zweijährigen Zwillinge gezeugt worden?
März
Er sagt, er möchte mich am liebsten kidnappen und auf eine einsame Insel bringen, damit wir immer zusammen sein können. Schöne Vorstellung!
April
Die Sommer-Tennissaison beginnt. Wir treffen uns heimlich, stimmen unsere Anwesenheit im Club ab. Wir hüten unser Geheimnis. Wo soll das hinführen? Er ist so aufmerksam …
Mai
Ich habe das Gefühl, als würde ich seine Frau betrügen. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Wir beschließen, dass er beim Sex seinen Ehering auszieht.
Juni
Paris, French Open. Ohne ihn. Er freut sich auf mich, vermisst mich! Es wird ein herrliches Wiedersehen.
Juli
Wir feiern zusammen in meinen Geburtstag rein. Das schönste Geschenk: Er sagt, dass er nicht ohne mich leben möchte. Er liebt mich!
Auf der Feier bemerkt keiner, wie verliebt wir sind. Wir sind ein eingespieltes Team.
August
Die Woche über sehen wir uns fast täglich. Die Wochenenden verbringt er mit seiner Familie. Ich alleine. Ich stelle mir vor, wie er mit seinen Kindern spielt. Das macht mich verrückt!
Ich freue mich auf Montag und das Wiedersehen. Immer wieder beteuert er, dass er nur der Kinder wegen noch bei seiner Frau ist. Angeblich schläft er im Gästezimmer. Ich vertraue ihm und gebe die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft nicht auf. Irgendwann wird er den Mut haben und seine Frau für mich verlassen.
Er fährt mit seiner Familie in den Urlaub. Er schreibt mir für diese Zeit Liebesbriefe im Voraus, die ich an bestimmten Tagen öffnen soll. Jeden Morgen beim Brötchen holen schickt er mir eine SMS. Er freut sich, wenn der Urlaub endlich vorbei ist.
September
In der Wintersaison arbeitet er in K. Er schreibt mir Briefe, damit ich ihn nicht vergesse. Ich soll ihn lieb behalten. Wir sehen uns nur selten. Ich vermisse ihn.
Dezember
Weihnachten und Silvester würde er lieber mit mir verbringen, aber er muss zur Familie.
1997
März
Start der Sommersaison. Er ist wieder regelmäßig in Frankfurt. Endlich!
April
Tenniswoche am Gardasee. Er fragt, ob ich mitfahre. Ja! Wir flirten und küssen uns heimlich. Wir genießen unser Geheimnis. Keiner merkt, dass wir schon seit einem Jahr zusammen sind.
Juni
Seine Frau besucht ihn in Frankfurt und ich sehe sie im Tennisclub. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Er sagt, er liebt nur mich. Seine Ehe wäre schon Jahre kaputt, aber er kann nicht auf seine Kinder verzichten – noch nicht. Ich werde warten!
Juli
Er wird den Tennisclub verlassen und die Tennishalle in K. pachten. Was wird aus uns? Ich habe Angst, ihn zu verlieren. Hätte ich mich bloß nie darauf eingelassen.
August
Ich habe einen anderen Mann kennengelernt, A.. Ich bin verliebt. Vielleicht werde ich jetzt endlich glücklich. Ich will die Trennung.
Er sitzt weinend vor mir. Gefühlschaos. Er schreibt mir einen Brief, 8 Seiten voll Schmerz, Kummer und Vorwürfen. Ich werde durchhalten.
November
Mit A. ist Schluss. A. hängt noch zu sehr an seiner Exfreundin.
Dezember
Seine Frau und Kinder sind mit ihm nach K. gezogen! Das darf mir nicht wehtun. Wir sind nicht mehr zusammen.
1998
Januar
Wir haben uns getroffen. Er liebt mich immer noch. Ich möchte aber keine heimliche Affäre! Wir wollen Freunde bleiben.
Februar
Das musste ja so kommen: Er hat mich überredet. Ich besuche ihn am Wochenende in K.. Seine Frau und die Kinder sind am Wochenende oft bei den Schwiegereltern. Ich sehe sie trotzdem in allen Räumen: Im Badezimmer hängt der Morgenmantel seiner Frau. Die Eisenbahn der Kinder steht im Wohnzimmer. Wir schlafen zusammen im Gästezimmer. Er zieht beim Sex den Ehering aus.
Auf dem Heimweg fühle ich mich elend, ärgere mich über mich selbst. Ich hake es als Ausrutscher ab.
März
Er gibt die Tennishalle auf und fängt als Tennis- und Fitnesstrainer im Rodgau an. Er zieht wieder in meine Nähe! Er denkt an mich. Er möchte mich wiedersehen. Jetzt heißt es stark bleiben. Ich möchte nicht seine Geliebte, sondern die Frau an seiner Seite sein!
April
Tenniswoche am Gardasee. Er ist mit Frau und Kindern dort. Heimliche Blicke. Ich lerne H. kennen, der Tennislehrer des Hotels. Wir flirten. Seine Eifersucht kennt keine Grenzen. Er spioniert uns nach, lauscht hinter der Hecke und schreit mich an. Seine Frau und die Kinder sind wenige Meter entfernt.
Mai
Der Urlaubsflirt ist vorbei. Ich bin wieder alleine.
Er ruft mich oft an, er vermisst mich so sehr, es geht ihm schlecht, er kann aber nicht am Telefon darüber reden, die Distanz würde ihm so schwer fallen, ob wir uns nicht wiedersehen können. Wir treffen uns. Er ist immer noch eifersüchtig auf den Urlaubsflirt. Ich werfe ihm vor, dass er derjenige ist, der betrügt und im Glashaus sitzt. Ich bleibe stark! Ich fahre mit einer Freundin nach Djerba, um mich abzulenken.
Juni
Warum macht er’s mir so schwer? Er ruft mich immer wieder an und fragt, was die Liebe bei mir mache. Wir treffen uns und er gesteht mir, dass ihm eine Freundschaft zu wenig sei, dafür wäre ich ihm zu wichtig. Ich genieße seine Schwäche!
August
Ich besuche ihn spontan im Tennisclub im Rodgau mit einer Freundin. Er ist perplex und weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Ich bringe ihn immer noch durcheinander. Ich genieße seine Unsicherheit und kämpfe gegen mein Verlangen und seine Annäherungen an.
Ich schreibe ihm einen Abschiedsbrief, ich möchte endlich loslassen und frei sein für eine glücklichere Beziehung. Kein Versteck-Spiel mehr.
Er meldet sich und sagt, ich solle ihn besuchen, er veranstaltet eine Tenniswoche in G.. Er möchte mit mir reden. Meine Gefühle überschlagen sich. Ich fahre hin. Wir treffen uns in seinem Hotelzimmer.
Überall Teelichter und der Prosecco steht kalt. Wir lieben uns, wir streiten uns ... wie früher.
Meine Freundinnen wissen nicht mehr, was sie zu diesem Thema noch sagen sollen. Ich bin hin- und her gerissen.



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