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Rückenschmerzen: Wann eine OP an der Wirbelsäule helfen kann

Wann eine Operation wirklich helfen kann

Vier von fünf Erwachsenen haben Rückenschmerzen. Oft wird Patienten zu einer OP geraten, um wieder schmerzfrei zu sein. Neurochirurg Dr. Armin Helmbrecht über Techniken und Methoden.

© Westermann

Die Halswirbelsäule als Steckenpferd: Neurochirurg Dr. Armin Helmbrecht

Welche Operation hilft am besten? 

Armin Helmbrecht : Wir müssen die richtige Methode für den jeweiligen Patienten finden. Das ist die große Kunst, um dem Einzelnen wirklich gut helfen zu können. Der gute Wirbelsäulenoperateur zeichnet sich dadurch aus, dass er verschiedene Techniken anwenden kann. In unserem Team bin ich der Neurochirurg, es gibt einen Orthopäden und einen Unfallchirurgen. Damit decken wir das ganze Spektrum ab und können jedem Patienten, wenn die Notwendigkeit für eine Operation besteht, das Verfahren anbieten, das für ihn das beste ist.

Bandscheibenvorfälle werden häufig operiert. Wie gehen Sie vor?

Helmbrecht: Bei einem reinen Bandscheibenvorfall beim jungen Patienten ist eine endoskopische Operation der Favorit. Bei einem älteren Patienten liegt oft auch eine Stenose vor, und ich würde zu einem minimalinvasivenhülsengestützten Eingriff raten, bei dem gleichzeitig der Vorfall versorgt und der Wirbelkanal erweitert werden kann. Die Hülsen- bzw. Trokar-Technik wurde von uns aus der Lungenchirurgie adaptiert, mittlerweile wird sie jedoch breit angewendet. Uns reichen für so einen Eingriff Hülsen von 14 Millimetern bis einen Zentimeter Durchmesser aus. Wir brauchen nur sehr kleine Schnitte, die Muskulatur wird kaum geschädigt, kleine Zugänge bedeuten zudem kleine Narben.

Wenn Sie zur kranken Bandscheibe vorgedrungen sind, was passiert dann?

Helmbrecht: Nur die vorgefallene Gallertmasse wird mit einer Fasszange entfernt. Die Faserschicht der Bandscheibe muss heilen und eine tragfähige Narbe ausbilden.

Gibt es Methoden, den Riss abzudichten?

Helmbrecht: Wir haben es mit Teilprothesen versucht, aber nicht denerwünschtenErfolg erzielt. Die Prothese verschließt zwar das Loch, dafür reißt die Faserschicht oft an anderer Stelle auf. Es muss einfach heilen, wird aber dennoch eine Schwachstelle bleiben.

Wie wird die Stenose operiert?

Helmbrecht: Bei der Stenose werden die gewucherten Bänder- und Gelenkanteile entfernt, dasheißtmitverschiedenen Fräsen abgeschliffen, um den Wirbelkanal zu weiten. WirarbeitenwiebeiallenWirbelsäulenoperationen unter Einsatz des Mikroskops, damit wir nicht zu viel abschleifen, was die Wirbelsäule instabil machen würde.

Die Halswirbelsäule gilt als besonders schwierig zu operieren.

Helmbrecht: An der Lendenwirbelsäule operiert man immer vom Rücken aus, die Halswirbelsäule dagegen muss bei manchen Bandscheibenvorfällen von vorne operiert werden. Das macht die Orientierung etwas schwieriger. Außerdem muss die vorgefallene Bandscheibe durch den vorderen Zugang ganz entfernt und an ihre Stelle etwas anderes eingesetzt werden.

Da gibt es die Möglichkeit einer Prothese, also eine künstlichen Bandscheibe, die die volle Beweglichkeit der Wirbelsäule erhält. Oder es wird ein sogenannter Cage aus Kunststoff oder aus Metall eingesetzt, der verschraubt wird und die Wirbelsäule versteift. Wieder gilt, dass es nicht die eine richtige Methode gibt. Bei einem 25-Jährigen sollte man die volle Funktionalität der Wirbelsäule erhalten. Bei älteren Patienten ist das kaum machbar, da kann eine Versteifung angebracht sein.

Wann raten Sie zu einer Operation?

Helmbrecht: Wenn wir es schaffen, den Nerv rechtzeitig zu entlasten, kann er sich ganz erholen. Wird der Patient mit konservativen Methoden nicht schmerzfrei und wartet zu lang, dann ist der Zug abgefahren – auch eine Operation wird die Schmerzen nicht wegzaubern. Bei unbestimmten Rücken- oder Nackenschmerzen sollte man nie operieren. Am besten hilft eine Operation bei Schmerzen, die in Arm oder Bein ausstrahlen.

Experte: Dr. Armin Helmbrecht arbeitet am Apex-Spine-Center in München, Helene-Weber-Allee 19, Telefon: 07 00/20 40 00 20.

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