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Winter-Canyoning – ein rauschendes Abenteuer für Unverfrorene

Klamme Finger in der Klamm

Die Hosenbeine sind feucht, die Finger klamm. Der Wilde Kaiser taucht über dem verschneiten Wald auf, während der Adrenalinspiegel langsam wieder sinkt.

© Ingo Wilhelm

Auf der sogenannten Burma-Brücken hangelt man sich – gut gesichert – über den tosenden Wildbach

Wir sind auf dem Rückweg von einer Winter- Canyoning-Tour. Das Rauschen des Wildbachs klingt noch in den Ohren –die Anblicke der winterlichen Schlucht behält man wohl ein Leben lang vor dem inneren Auge. Im Sommer gehört Canyoning seit Jahren zum Angebot von Erlebnis- Veranstaltern wie Robert Popp (52).

Winter-Canyoning: Abenteuer für Unverfrorene

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Seine Firma Outdoor Adventure führt seit vielen Jahren abenteuerlustige Menschen auf Schluchtenwanderungen, bei denen Abseilstellen, Wasserrutschen und Sprünge den gewollten Kick bringen. Aber im Winter?

© Ingo WilhelmIn einem Landrover geht’s zum Startpunkt

„Der Hauptunterschied zum Sommer ist der, dass wir uns beim Winter-Canyoning nicht im Wasser, sondern um das Wasser herum bewegen“, erklärt Robert Popp. Zu diesem Zweck hat der gebürtige OberaudorferineinerSchlucht bei Kiefersfelden Elemente aus Klettersteigen und Hochseilgärten installiert: an Bohrhaken fixierte Stahlseile, die als sogenannte Burmabrücke über den Bach führen; Sicherungsseile, in die man sich mit einem Klettersteig-Set einbindet, flankieren die abrutschgefährdeten Gehpassagen; den engsten Teil der Schlucht durchquert man schwebend – und meist kreischend – an einem Flying-Fox.

Die Anforderungen an die Teilnehmer schraubt Robert Popp nicht allzu hoch: „Man sollte trittsicher und ein bisserl sportlich sein sowie genug Mut zum Abseilen haben.“ Ob der Mumm ausreicht, merkt man gleich beim Einstieg, wo man sich 70 Meter tief an einem Seil in die Schlucht herablässt. Solche Stellen erfordern sichere Verhältnisse.

© Ingo WilhelmRobert Popp (hinten) behält die Teilnehmer immer im Auge

Bei der Tour mit der tz ist die Lawinengefahr zu hoch, als dass wir die ganze Schlucht durchwandern könnten. „Auch wegen Hochwasser kann die Tour mal ausfallen“, erklärt Robert Popp. Zum Rauschen des Baches kommt bei unserer Schluchtel-Tour das Tröpfeln des Tauwassers hinzu. Um wie viel schöner muss die Klamm erst an wirklich kalten Wintertagen sein, wenn ihre Wände mit Eis überzogen sind!

Der vier Grad kalte Bach friert nie ganz zu. Früher oder später tappt wohl jeder mal hinein. Wanderstiefel und wasserdichte Kleidung sind also angmessen. Die Sicherheitsausrüstung (Helm, Gurt, Klettersteig- Set) stellt der Veranstalter.
Für Robert Popp steht Sicherheit an erster Stelle. In den 27 Jahren als Outdoor-Adventurer hatten seine Kunden lediglich zwei ausgekugelte Schultern und ein paar verknackste Knöchel zu beklagen. Aus Sicherheitsgründen möchte Robert Popp auch nicht, dass der genaue Name seines Winter-Canyons in der Zeitung steht: „Weil ich die Seile installiert habe, wäre ich in der Haftung, wenn dort jemand auf eigene Initiative rumturnt.“

© Ingo WilhelmBalanceakt auf einem gespannten Drahtseil

Neben einem fünf Meter hohen Wasserfall wartet eine weitere Abseilstelle. Über schneebedeckte Felsen und eine letzte Burmabrücke erklettern wir den Ausgang der Klamm, wo sich die Wände weiten und uns in die Sonne blicken lassen. Beim Abschlussdrink in Robert Popps Blockhaus trocknet die Hose, tauen die Finger auf. Aber die Eindrücke – die bleiben wohl ein Leben lang.

I.W.

So kommt man dazu

Veranstalter: Bei der Agentur Outdoor Adventure kann man das Winter-Canyoning bis in den März hinein täglich buchen. Eine Tour kommt ab fünf Teilnehmern zustande, maximale Teilnehmerzahl: zehn. Dauer: etwa 2,5 Stunden
Preis: 69 Euro pro Person Alter: ab zwölf Jahre
Kontakt: www.outdooradventure. de, Telefon 080 33/ 308 96 99. Oder über den Tourismusverband: www. chiemsee-alpenland.de, Telefon 080 51/96 55 50.
Ausgangspunkt: Kiefersfelden (Thierseestr. 235). Der Ort hat eine eigene Ausfahrt auf der Inntalautobahn kurz vor der Grenze zu Österreich.

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