101.06.10|DFB-Team|10 Kommentare
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Eppan - Im etwas anderen tz-Interview spricht Joachim Löw über Lena Meyer-Landrut, über Kabinen-Hits, übers Rauchen, über seine Frau, über Tiere und einen wichtigen Termin vor der WM.

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Joachim Löw hat einen Friseurbesuch vor der WM fest eingeplant
Herr Löw, Deutschland spricht von Lena Meyer-Landrut. Schon mal daran gedacht, das Mädel als Motivation vor der Mannschaft sprechen zu lassen?
Joachim Löw: Ich glaube, die Lena hätte bei all ihren Terminen im Moment keine Zeit für uns.
Würde sie denn in der Mannschaft ankommen?
Löw: Ich habe auf jeden Fall gesehen, dass es bei uns einige Lena-Fans gibt! Nach dem Spiel gegen Ungarn standen viele bei der Entscheidung um den Fernseher. Da waren schon gewisse Sympathien zu erkennen.
Aber es besteht nicht die Gefahr, dass „Satellite“ zum Kabinen-Hit bei der WM wird?
Löw: Welches Lied das wird, liegt in der Hand der Mannschaft. Wenn nach einem Sieg ein stimmungsvolles Lied läuft, kann sich da etwas entwickeln. Noch gibt’s keine Tendenz…
Sie haben viele ernstere Sorgen: Verletztenmisere, Druck von außen, die WM vor der Brust. Wie verarbeiten Sie all diesen Stress?
Löw: Sport ist für mich ein guter Ausgleich, dabei komme ich auf andere Gedanken. In der Natur – zum Beispiel auf dem Fahrrad – kann ich völlig abschalten. Ansonsten fühle ich keinen besonderen Druck. Ob die WM 2006, die EM 2008 oder Länderspiele, bei denen es auf alles ankommt, wie gegen Russland: Ich bin ein Trainer, den gerade solche spannenden Phasen oder Momente faszinieren. Ich verspüre da reine Vorfreude. Ich habe kein ängstliches Gefühl, ich bin positiv aufgeladen.
Aber wobei können Sie entspannen? Haben Sie einen Stapel Bücher dabei?
Löw: Nein, zumindest keine Fachliteratur (lacht). Hin und wieder lese ich schon ein Buch, aber hier komme ich weniger dazu. Abends, nach dem Essen, finden Gespräche und Sitzungen statt. Wenn ich danach auf mein Zimmer gehe, ist für mich der Tag beendet. Ich habe nicht das Gefühl, etwas Besonderes zu brauchen, um ausgeglichen zu sein.
Sind Sie denn eher ein Stress- oder ein Genussraucher?
Löw: Ein Genussraucher! Abends rauche ich schon nach wie vor meine Zigarette. Aber nicht, weil ich das Gefühl habe, dass ich aus Stress zu einer greifen muss.
Dürfen Spieler bei Ihnen eigentlich rauchen?
Löw: Da gibt es von mir keine Order. Es gab schon Spieler in der Vergangenheit, die geraucht haben. Das kann man ja als Trainer nicht permanent kontrollieren. So weit ich informiert bin, raucht aber aus der aktuellen Mannschaft niemand…
…und bei Bernd Schneider hat es auch nie geschadet.
Löw: Da wusste ich, dass er ab und zu Marlboro Rot raucht… Aber deswegen war er kein bisschen schlechter.
Plant Ihre Frau, nach Südafrika zu kommen?
Löw: In der Vorrunde nicht. Danach ist es möglich. Denn in Afrika gibt es natürlich andere Voraussetzungen als hier in Südtirol: Das Klima ist anders, man kann sich auch nicht so frei bewegen. Da gibt es zwischen den Spielen schon viel Leerlauf. Deswegen warten viele Frauen von den Spielern und Trainern erst einmal die Vorrunde ab. Wir müssen es uns quasi verdienen, unsere Frauen zu sehen.
Haben Sie hier ein Zeitfenster, in dem Ihre Frau Sie erreichen kann? Sie haben ja das Handy nicht permanent dabei.
Löw: Die Anrufzeiten bestimme ich, ja. Meistens finden unsere Telefonate spätabends statt.
Für Freunde sind Sie während der WM auch nur schwer zu erreichen, oder?
Löw: Nicht nur während der WM, schon rund zwei Monate vorher. Das musste ich stark einschränken, denn wir haben ja alle Hände voll zu tun. Da bleiben private Dinge auf der Strecke, wenig Zeit für Freunde oder Familie. Das ist schon ein Nachteil. Aber das ist eben so, in dieser Zeit müssen wir hier alle ablenkenden, störenden Einflüsse fernhalten. Denn wir haben hier 50, 60 Leute, davon zwei Dutzend Spieler. Da sind wir schon ausgelastet.
Was kann Sie eigentlich auf die Palme bringen?
Löw: Kokosnüsse! (lacht) Nein, für mich ist das hier keine Stresssituation. Natürlich gibt es während der Spiele Phasen, in denen ich aus der Haut fahre: Wenn ich sehe, dass Spieler mit viel Potenzial nicht ihre Möglichkeiten ausschöpfen. Bei Nachlässigkeiten. Auch in Ungarn, beim Stand von 3:0, war das noch so: Wenn Dinge, die wir abgesprochen und trainiert haben, nicht klappen, ärgert mich das, denn ich bin sehr perfektionistisch.
Wie würden Sie sich im Falle des WM-Sieges belohnen?
Löw: Es könnte durchaus sein, dass ich noch mal einen 6000er oder 7000er besteige. Die Besteigung des Kilimandscharo war das anstrengendste Erlebnis, das ich je hatte. Die große Herausforderung eines solchen Berges möchte ich noch einmal bewältigen, es muss ja auch nicht wie bei Reinhold Messner in die Todeszone gehen – aber an die persönliche Grenze.
Was planen Sie für das letzte freie Wochenende, bevor es am Sonntag nach Südafrika geht?
Löw: Ich werde auf jeden Fall nochmals zum Friseur gehen – und das ist dringend nötig. Natürlich gibt es am Freitag noch ein paar Medientermine, aber es ist geplant, den Tag und Samstag komplett zu Hause zu sein, die Dinge noch einmal zu ordnen. Zwei Tage Ruhe tun mir einfach gut.
Zum Abschluss: Welches Tier vom schwarzen Kontinent kommt Ihnen am nächsten? Der dickhäutige Elefant? Der geschmeidige Gepard?
Löw: Da müssen wir mal überlegen, welche Rollen wir so im Trainerteam haben. Urs Siegenthaler ist auf jeden Fall unsere Giraffe, die von oben schaut und beobachtet…
…bei Ihrem Namen und den langen Haaren würde sich natürlich der Löwe anbieten.
Löw: Stimmt. Aber wie gesagt: Bei den Haaren können Sie sich darauf verlassen, dass die in Südafrika um einiges kürzer sein werden.
Interview: Tobias Altschäffl
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