München - Die tz fragte nach bei Axel Kleinlein, dem Chef des Bundes der Versicherten, ob eine Lebensversicherung heute noch die erste Wahl bei der Altersvorsorge sein kann.

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Kunden sollten die Verträge ihres Versicherers auf jeden Fall verstehen
Jahrzehntelang waren sie der Klassiker bei der Altersvorsorge – die Kapitallebensversicherungen. Steuerliche Vorteile und üppige Verzinsung machten sie zum Topprodukt der Versicherungsbranche. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Regelung zur Besteuerung der Erträge sind reformiert worden und der garantierte Zins ist seit dem ersten Januar schon wieder gesunken – auf nur noch 1,75 Prozent. Grund genug für die tz, bei Axel Kleinlein, dem Chef des Bundes der Versicherten, nachzufragen, ob eine Lebensversicherung heute noch die erste Wahl bei der Altersvorsorge sein kann.
Was bedeutet die Senkung des Garantiezinses konkret für die Versicherten?
Kleinlein: Die Kunden, die ab diesem Jahr einen Lebensversicherungsvertrag abschließen, erhalten für ihren Sparbeitrag nur noch mindestens 1,75 Prozent Zinsen. Der Sparbeitrag ist der Betrag, den die Kunden einzahlen, abzüglich der Kosten.
Lohnt sich eine Lebensversicherung vor diesem Hintergrund überhaupt noch?
Kleinlein: Allein wegen der garantierten Leistung ganz sicher nicht. In vielen Fällen ist es schon jetzt so, dass Kunden bei einer klassischen Kapitallebensversicherung eine geringere Auszahlungssumme garantiert bekommen, als sie insgesamt eingezahlt haben. Das ist dann kein gutes Geschäft. Zwar kommen noch die Überschüsse hinzu, doch die fallen im Moment ausgesprochen niedrig aus. Bei einer Reihe von Altverträgen gibt es gar keine Überschüsse mehr, weil die Unternehmen zu wenig verdienen. Die Kapitallebensversicherung hat soweit an der Stelle ausgedient.
Trotzdem haben viele Kunden im vergangenen Jahr noch mal neue Policen abgeschlossen, oder?
Welchen Risiken ist die Überschussbeteiligung ausgesetzt?
Kleinlein: Einigen. Etwa, dass die Kapitalmärkte schlechter funktionieren als erhofft oder die Unternehmen teurer arbeiten als geplant. Auch wenn die Kunden anders als berechnet versterben, kann das einen Einfluss auf die Überschüsse haben. Außerdem muss das Unternehmen den Willen haben, die Überschüsse auch wirklich schnell an die Kunden weiterzugeben.
Kann man sich auf Statistiken der letzen Jahre verlassen?
Kleinlein: Nein. Der Blick in die Vergangenheit ist nur dann interessant, wenn ein Kunde schon einen Vertrag hat und wissen will, wie der bisher gelaufen ist. Wie das Unternehmen in Zukunft arbeitet oder ob es das Unternehmen überhaupt noch geben wird, lässt sich daraus nicht ableiten. Bei langlaufenden Verträgen ist das kaum überschaubar. Einige Kunden der Victoria-Versicherung finden sich mittlerweile bei der Ergo Leben wieder – dem Nachfolger der Hamburg-Mannheimer. Wer vor 30 Jahren bei einem der Top-10-Versicherer einen Vertrag abgeschlossen hat, ist heute mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einem anderen Unternehmen – oder bei einem Unternehmen mit einer möglicherweise völlig anderen Strategie!
Worauf muss man bei einer Lebensversicherung besonders achten?
Kleinlein: Der Kunde muss wirklich alles verstehen, was in dem Vertrag steht. Von einem Vertrag, den man nicht versteht, sollte man die Finger lassen.
Welche Alternativen habe ich zur Lebensversicherung?
Kleinlein: Da kann man keine pauschale Aussage machen. Wichtig ist eine sorgfältige Analyse der eigenen Lebenssituation und der Investitionsziele.
Interview: Marc Kniepkamp



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