228.12.08|Welt|3 Kommentare
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Horst Conen beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit dem Optimismus.

Wer es selber will, der kann Optimismus lernen. Das sagt Horst Conen, Coach und Buchautor.
In seinem neuen Buch Schenk dir ein neues Leben – Die Kunst sich immer wieder neu zu erfinden geht es darum, wie man mit Mut und Selbstvertrauen in die Zukunft blicken kann. Wir wollten von dem Kölner Coach wissen, ob man Optimismus lernen kann.
Können Sie uns das Wesen des Optimismus erklären?
Horst Conen: Es liegt in der Bereitschaft, immer wieder neu anzufangen und die Kraft zu haben, die Zukunft als eine neutrale Größe zu sehen. Also nicht als etwas Negatives, sondern als etwas, das immer wieder Positives für mich bereithält. Für resiliente, das heißt unverwüstliche, Menschen, ist das natürlich leichter. In der Physik spricht man in diesem Zusammenhang auch von dem Flummi-
Ja. Nur ein kleiner Prozentsatz scheitert. Diese Menschen wollen schlicht nicht und sind eingefleischte Pessimisten. Der Pessimismus ist ja auch eine Art Schutz, um mit negativen Erfahrungen fertig zu werden. Wer es selber will, der kann Optimismus lernen.
Wie geht das?
Man muss lernen, die schlechten Erfahrungen abzuschließen. Häufig halten wir aber an ihnen fest.
Können Sie uns ein Beispiel nennen?
Ja. Am Anfang steht die Selbstanalyse. Wenn etwa jemand eine Firma gegründet hat und das Geschäft nicht wie gewünscht lief, dann kann derjenige daraus den Schluss ziehen, dass er ein Versager ist, dem nichts gelingt. Er kann aber auch die Gründe analysieren und dieses Scheitern als Teil eines Lernprozesses sehen. Jetzt weiß er immerhin, wie er es beim nächsten Mal besser machen kann. Das ist schon der erste Schritt zum Optimismus: Wenn man eine Schlappe erlitten hat und daraus Schlüsse für die Zukunft zieht.
Was wäre der nächste Schritt?
Der Wechsel in eine aktive Haltung. Der Pessimismus ist eine Art seelischer Hilferuf. Der Pessimist wartet auf jemanden, der ihm auf die Schulter klopft und sagt, dass alles doch gar nicht so schlimm ist. Der Optimist wartet nicht, sondern wird selbst aktiv. Er macht was aus dem Tag, freut sich auf die Dinge, die vor ihm liegen und nimmt sich etwas Schönes vor.
Kommen die optimistischen Gedanken dann von selbst?
Die müssen natürlich gepflegt werden. Wir brauchen eine neue Gedankenkultur. Wir lassen immer zu, dass alle möglichen negativen Erlebnisse des Tages unser Hirn ausfüllen. Da sollten wir öfter mal auf Durchzug schalten und einfach nicht hinhören. Die guten Gedanken wollen gehegt und gepflegt werden – wenn man das nicht diszipliniert betreibt, funktioniert das nicht.
Wie lange dauert es, bis man zum Optimisten wird?
Alle Lebensveränderungen brauchen viel Zeit. Man hat mit Rückschlägen zu kämpfen und auch mit dem Widerstand der Mitmenschen.
Welche Vorteile haben Optimisten?
Sie sind Krisen gegenüber besser gewappnet. Sie erleben ja dieselben Sorgen und Nöte wie alle anderen auch – nur sie gehen anders damit um. Sie leiden zwar auch darunter, lassen die Krisen aber schneller hinter sich und nehmen ihr Leben wieder in die Hand.
Kann zu viel Optimismus auch schädlich sein?
Ja, vor allem wenn man sich selbst überschätzt. Wenn ein junger Mensch Deutschland sucht den Superstar schaut und meint, er könne von heute auf morgen auch ein Westernhagen oder Grönemeyer werden – obwohl er noch nicht einmal Gitarre spielen kann –, ist das ein Problem. Nur weil ich positiv denke, fliegt mir ja nicht gleich alles zu. Am besten ist immer ein realistischer Optimismus. Er sollte sich auf Basis der Realität bewegen, aber nach vorne immer zuversichtlich mit dem Positiven rechnen.
Interview: Marc Kniepkamp
Quelle: tz